„Wahrheiten, die niemand hören wollte“

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Franz Schabhüttl aus Aspangberg-St. Peter hat nach der Pensionierung mit seinem Buch „Brennpunkt Traiskirchen“ viel Staub in der Medienlandschaft aufgewirbelt. Die Erstauflage war schnell vergriffen, mittlerweile existiert bereits die dritte Auflage.

Das Thema „Flüchtlinge“ ist nach wie vor brandaktuell, meist mit einem schalen Beigeschmack. Einer, der hinter die Kulissen der Medienberichte und des Politikgeschehens blicken konnte, ist Franz Schabhüttl aus Aspangberg-St. Peter. Er war 26 Jahre im Flüchtlingslager Traiskirchen tätig, davon 13 Jahre als Leiter. In seinem Buch wirft er einen Blick zurück.

Es war kein einfacher Job, den er da zu bewältigen hatte. Deshalb beschloss er, gemeinsam mit seinem Co-Autor Andreas Wetz, ein Buch über diese Zeit zu schreiben. „Um ein paar Wahrheiten auszusprechen, die in den vergangenen Jahren niemand hören wollte“, so Schabhüttl. Als das Buch erschien, gab es großen Medien­rummel. Vor allem deshalb, weil er in seinem Werk die nicht staatlichen Hilfsorganisationen, kurz NGO`s, bezichtigte, mit den Asylwerbern wunderbare Geldvermehrung betreiben zu wollen.

Wirklichkeit wurde bewusst verzerrt

„Aber auch die Politiker missbrauchen meiner Meinung nach das Asylwesen für ihre Parteipolitik“, so Schabhüttl. Und zwar jede Seite. „Denn Asylwerber waren in unserem Erstaufnahmezentrum weder hilfsbedürftig und arm, noch böse und gefährlich“, weiß er aus Erfahrung. „Sicher gab es bei Menschen bestimmter Herkunftsländer mehr Reibereien als bei anderen, aber im Großen und Ganzen funktionierte das System im Lager.“

Innerhalb des Erstaufnahmezentrums gab es Versorgungsbetriebe, die eigentlich eigene Wirtschaftsbetriebe hätten sein können. „Wir hatten eine Großwäscherei, eine Desinfektionsanlage für das Bettzeug. Jede Matratze wurde zwei- bis dreimal pro Monat desinfiziert“, bringt Schabhüttl nur ein Beispiel.

Betreuung wurde 2003 privatisiert

„Die Privatisierung war sicher mit ein Grund, warum uns die Hilfsorganisationen, allen voran die Caritas, oft mit ihren Medien­einsätzen das Leben schwer gemacht haben“, ist sich der ehemalige Leiter sicher. „Es gibt hier eine Menge zu verdienen bei der Flüchtlingsbetreuung. Doch der Bestbieter kam eben damals aus Deutschland. Als Auftraggebervertreter des Innenministeriums hatte ich jedoch jederzeit unangemeldet die Möglichkeit, den gesamten Bereich dieser Privatfirma zu überprüfen und ihnen Aufträge zu erteilen. Auch die Teilnahme an den Deutschkursen wurde überprüft. Hätte irgendetwas nicht gepasst, hätte ich lenkend und leitend eingegriffen“, meint Schabhüttl in Richtung zahlreicher Vorwürfe, die Flüchtlinge seien nicht gut versorgt worden.

Bundesländer erfüllten Pflicht nicht

2015 traf der große Flüchtlingsstrom ein, das Lager war heillos überfüllt. Jeder erinnert sich an die Bilder in den Medien, wo Flüchtlinge in Zelten übernachteten, weil es keine Betten gab. „Das Problem war, dass die Bundesländer ihre Quoten nicht erfüllten und zu wenige Flüchtlinge aufnahmen. Gleichzeitig hat jeder Asylant ein Recht auf Einlass“, denkt Schabhüttl heute noch ungern an die schwierige Zeit zurück.

Mehr Transparenz für Bürger notwendig

Schabhüttl begann bei der Polizei in Wien, wechselte dann zur Gendarmerie und schließlich ins Innenministerium. So kam er nach Traiskirchen.

Er hat während der gesamten 26 Jahre zwölf Innenminister „überlebt“ und musste feststellen: „Politiker sind im Hinblick auf das Flüchtlings­thema auch nur Getriebene ihrer eigenen Branche. Meiner Meinung nach müsste der Staat in den Herkunftsländern stärker kommunizieren, was Asylwerber hier wirklich erwartet und eine Möglichkeit der Zuwanderung außerhalb der Asylschiene schaffen. Denn momentan entscheiden die Schlepper, wen sie bringen, und das sind vorwiegend die unteren sozialen Schichten“, bedauert der nunmehrige Pensionist. „Der typische Asylwerber ist nicht kriminell, aber jung, männlich und nachtaktiv. Ihr Taschengeld schicken sie nach Hause, dort kann eine ganze Familie davon einen Monat leben.“

Ein weiteres Motto von Schabhüttl ist. „Beschäftige die Menschen, sonst beschäftigen sie dich.“

Jedenfalls sieht Schabhüttl sein Buch nicht als Abrechnung, sondern: „Ich möchte den Bürger darüber informieren, was abseits der Berichterstattung der Medien und der NGO´s im Asylsystem wirklich passiert. Alle Zahlen, Daten und Fakten im Buch gab es entweder offiziell vom Innenministerium oder sie wurden recherchiert“, ist es Schabhüttl wichtig, zu betonen.

Was ihn am meisten bei seinem Job gestört hat: „Dass die Wahrheit in der Politik und beim Geldverdienen keinen Platz hat. Schon damals wollte die Wahrheit niemand hören, jetzt gibt es darum große Aufregung.“