„Vom Weggehen(-müssen) und Ankommen“

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Im Rahmen des Leader-Projekts „Die jüdische Bevölkerung der Buckligen Welt – Wechselland“ gab es im Gymnasium eine Diskussionsveranstaltung, bei der auch zwei afghanische Flüchtlinge über ihre Erfahrungen berichteten

Geschichte lebendig machen, Erinnerungen von Zeitzeugen bewahren, das sind nur zwei von vielen Anliegen des Projektleiters Johann Hagenhofer. Der ehemalige Direktor und Autor der Lebensspuren-Reihe hat sich in seinem neuen Projekt der Bewahrung der Geschichte der jüdischen Bevölkerung der Buckligen Welt und des Wechsellandes verschrieben. Die „Früchte“ der Arbeit sollen in einem Museum in Bad Erlach ausgestellt werden.

Im Gymnasium Sachsenbrunn gab es nun zu diesem Thema eine Diskussionsveranstaltung, bei der drei ehemalige Vertriebene über ihre abenteuerliche Flucht und über ihr Ankommen in einem fremden Land berichteten.

Thema ist brandaktuell

Gertraud Fletzberger, Tochter eines jüdischen Vaters, wurde im Zweiten Weltkrieg mit ihren zwei Geschwistern mit einem Kindertransport nach Schweden verschickt. Erst nach zwei Jahren gab es ein Wiedersehen mit der Mutter. Doch auch die beiden Afghanen Nesar Ahmadi und Rahmad Kasemi, die in Sachsenbrunn die 6. Klasse besuchen, erzählen über ihre abenteuerliche Flucht.

Ahmedi lebt seit acht Monaten in Kirchberg. „Ich habe alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um nach Österreich zu kommen. Ich möchte hier studieren“, so Ahmedi. „Doch wenn es die Möglichkeit gibt, nach Hause zurückzukehren, so werde ich sie ergreifen.“ Jeden Tag lernt er fleißig die deutsche Sprache.

Rahmad Kasemi verlor seinen Vater im Krieg und wurde selbst durch Bombensplitter verletzt. Er machte sich mit Freunden auf den Weg: „Ich bin vor den Taliban geflohen. Sie haben unser Brunnenwasser vergiftet, denn wir sollten die Schule nicht besuchen.“ Er hatte das Glück, in Ternitz eine Patin zu finden, deren Tochter ebenfalls das Gymnasium besucht. Er möchte in Österreich bleiben und Polizist werden.