Auf den Spuren des Goldschakals

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Ein Raubtier kehrt zurück ins Mittelburgenland. Erstmals ist in Unterpetersdorf ein Goldschakal von einer Wildkamera festgehalten worden. BURGENLAND MITTE zeigt das erste Foto des Zuwanderers aus
Ungarn.

Bezirksjägermeister Ing. Reinhold Iby kandidiert nach  27 Jahren in der Funktion nicht mehr. Der 68 Jahre alte  HTL-Holztechniker und pensionierte Berufsschullehrer  lebt in Raiding und ist seit 46 Jahren Jäger.
Bezirksjägermeister Ing. Reinhold Iby kandidiert nach
27 Jahren in der Funktion nicht mehr. Der 68 Jahre alte
HTL-Holztechniker und pensionierte Berufsschullehrer
lebt in Raiding und ist seit 46 Jahren Jäger.

Ein goldgelbes Fell seitlich und an den Beinen, höhere Läufe, eine Schulterhöhe bis zu 50 Zentimetern und einen kürzeren Schweif. Das unterscheidet den Goldschakal vom Fuchs. Die Jäger haben ihn nicht zu Gesicht bekommen, aber in die Kamerafalle des Alfred Öhlsasser im Unterpetersdorfer Wald ist er gegangen. Es ist der erste seiner Art in der Region. Anders im Bereich des Neusiedler Sees. Im Seewinkel sind die ersten Goldschakale schon vor 10 Jahren gesichtet worden, und dort ist sogar – einmalig in Österreich – Nachwuchs nachgewiesen. Im Nordburgenland befürchtet man jetzt, dass der Goldschakal, der selbst unter Artenschutz steht, den geschützten, einzigartigen Großtrappen gefährlich werden könnte. Im Mittelburgenland ist der Goldschakal noch ein exotischer Einzelgänger.

Größer und schwerer als der Fuchs

Ein Goldschakal ist ein scheues Tier, das in kleinen Rudeln lebt und jagt. Ein Allesfresser, der es auf kleine Säugetiere und schwaches Rehwild abgesehen hat. Allerdings, aus Ungarn berichtet das Internet-Portal www.jagdaktuell.com nichts Erfreuliches. In Westungarn, wo der Goldschakal seit mehr als 20 Jahren wieder heimisch geworden ist, jagen vom Plattensee bis an die burgenländische Grenze Rudel von Goldschakalen, heißt es, mit Hinweis auf die Gefahr: „In den Kerngebieten des Goldschakals existiert so gut wie kein Rehwild mehr.“ Als beruhigend wird genannt, dass die Tiere sehr standorttreu sind und nur selten aus ihren angestammten Revieren weichen.

Bezirksjägermeister Reinhold Iby beruhigt: „Seit Anfang des Vorjahres in Unterpetersdorf ist kein Goldschakal mehr im Bezirk aufgetaucht. Aber der Bestand an sonstigem Raubwild, wie Füchse, Dachse, Marder oder Greifvögel ist sehr hoch. Das setzt – neben der extensiven Landwirtschaft – dem Niederwild enorm zu.“ Aber alles in allem sei die Region ein ausgezeichnetes Jagdrevier.

Ein guter Boden für Jäger

Im waldreichsten Bezirk des Burgenlandes – 45 % der Fläche sind mit Wald bedeckt – steht die Jagd hoch im Kurs. 980 Jagdkarten sind für heuer in der Bezirkshauptmannschaft gelöst worden. Und die Jäger sterben nicht aus. So viele, die jährlich ihr Gewehr an den Nagel hängen, rücken nach. 29 Personen, darunter 4 Frauen, machen derzeit beim Bezirksjägermeister Iby einen Kurs für die Jagdprüfung.

Der Einstieg als Jungjägerin oder Jungjäger ist jedoch für einen Neuling nicht einfach. Die 104 Jagdreviere sind vergeben, die Hochstände besetzt. Wobei es hier nicht die Reichen aus dem Ausland sind, die jagen. Zum Großteil sind es Arbeiter, Angestellte und kleine Gewerbetreibende, die ein Revier – für 8, demnächst 9 Jahre – pachten. Und sich die Jagdpacht teilen.

Der ganze Bezirk ist praktisch Jagdgebiet. Die Jagdfläche von 65.000 Hektar bedeckt mehr als 90 Prozent der Region. Der mit Abstand mächtigste Jagd-Besitzer ist die Domäne Esterházy mit allein 15.000 Hektar. Alles andere sind Genossenschafts- und Urbarialjagden; bei letzteren haben sich Besitzer kleiner Waldflächen zur gemeinsamen Bewirtschaftung des Waldes einer Gemeinde zusammengeschlossen.

„Nirgendwo im
Burgenland wird
so viel Rotwild und
Schwarzwild erlegt.“

Es ist aber nicht die Größe, die zählt. Es sind die Abschüsse, die zeigen, was eine Region jagdlich wert ist. Und hier kann sich der Bezirk sehen lassen, wie die letzte Statistik über den „Wildabschuss im Jagdjahr 2015/16“ zeigt. Verglichen mit den anderen 6 Bezirken werden hier bei Wildschweinen und beim Rotwild die meisten Abschüsse erzielt. So sehr das den Bezirksjägermeister freut, so nachdenklich stimmt den Jäger, der selbst seit 46 Jahren dieses Hobby ausübt, der anhaltende Rückgang beim Niederwild: „66 Prozent weniger Kaninchen, 56 Prozent weniger Wachteln und 16 Prozent weniger Fasane und Rebhühner wurden erlegt. Nur die Zahl der Hasen ist im Vorjahr gleich geblieben.“ Reinhold Iby fügt aber hinzu, dass sich die höheren Abschusszahlen nicht zufällig oder unkontrolliert ergeben: „Die Jäger sind einem Druck von Land- und Forstwirten ausgesetzt. Diese verlangen mehr Abschüsse, um den Schaden in Wald und Feld zu verringern.“ Er schätzt, dass die Jäger im Vorjahr mehr als 100.000 Euro für Wildschäden bezahlt haben.

Höchst unzufrieden ist die Jägerschaft mit dem neuen Jagdgesetz. Allerdings gefällt dem demnächst aus dem Amt scheidenden Bezirksjägermeister sehr wohl der neu ins Gesetz aufgenommene Grundsatz der Nachhaltigkeit: „Die Jagd wird als gesellschaftliche Aufgabe anerkannt. Sie wird als Beitrag zum Gemeinwohl bezeichnet.“ Nachsatz des Jägers und Hegers: „Es darf und soll soviel Wild erlegt werden, wie zuwächst.“