Experimente mit Eisenerz aus Unterpullendorf

von -
162
Foto: zVg

Weintrauben und Hühnereier, Zuckerrüben und Dinkel kennt man als typische Produkte der Region. Jedoch der bedeutendste Rohstoff, der jemals in großen Mengen die Gegend verlassen hat, ist Eisenerz. Geliefert wurde es an die Römer. Kaum zu glauben. Die engagierte Archäologin Manuela Thurner aus Bubendorf sucht wieder nach Erz.

Eine Eisenerzknolle. Wenn man die gelbe Erde mit dem Hammer herunterklopft, legt man eine schwarze Erzknolle frei. Foto: zVg
Eine Eisenerzknolle. Wenn man die gelbe Erde mit dem Hammer herunterklopft, legt man eine schwarze Erzknolle frei. Foto: zVg

Manuela Thurner braucht Material für ihre Experimente. Die 30-jährige Studentin forscht mit Kolleginnen und Kollegen danach, wie zur Römerzeit mit den damaligen Werkstoffen und Hilfsmitteln produziert wurde; sie stellen zum Beispiel Messer und Nägel her und dokumentieren, wie viel Erz oder wie viel Zeit sie dafür brauchen. Ihre Fundstelle für das Erz liegt am Ortsrand von Unterpullendorf. Sozusagen am unteren Rand des Gebietes, wo man das sogenannte Raseneisenerz im Mittelburgenland finden kann: zwischen Großmutschen/Unterpullendorf und Großwarasdorf/Raiding. In einer Tiefe von einem halben Meter ist die erste Gesteinsader sichtbar, eine zweite Ader einen halben Meter darunter. Die Fachleute haben geschürft und sind in den Adern auf die charakteristischen Gesteins­knollen gestoßen.

Vereinfacht erklärt: Als Raseneisenerz bezeichnet man Gesteinsbrocken aus Sand, Tonerden und Eisenoxyden. Es ist entstanden in Flussniederungen, wo das Grundwasser besonders eisenhaltig war. In Oberflächennähe ist es in Kontakt mit Sauerstoff gekommen und im Laufe von hunderten von Jahren durch Mikroorganismen zu Braun­eisen kristallisiert. Der Name Raseneisenerz dürfte daher stammen, dass das Erz nicht weit unter dem Rasen gelagert ist.

Manuela Thurner, 30, Studentin der Experimentalarchäologie, aus Bubendorf
Manuela Thurner, 30, Studentin der Experimentalarchäologie, aus Bubendorf

Zeugnis dafür geben die vielen typischen Erdlöcher in den Wäldern zwischen Großmutschen und Raiding, Pingen genannt. Diese hat man vor 2000 Jahren so tief gegraben, bis man auf Erzknollen gestoßen ist. Entdeckt hat sie der unermüdliche Hobbyarchäologe Josef Polatschek aus Oberpullendorf. Er hat 20.000 Pingen und 1.200 Eisenschlackenplätze gezählt. Die trichterförmigen Pingen sind bis zu fünf Meter tief und haben einen Durchmesser bis zu 20 Meter. Ein zweiter Nachweis des Erzvorkommens steht im Landesmuseum in Eisenstadt: ein Original „Rennofen“ aus dem Mittelburgenland, der in der Römerzeit für die Eisengewinnung verwendet worden ist. Ein dritter Nachweis für das Eisenerz ist der altslawische Ortsname von Raiding, Rudnik. Die Silbe „rud“ weist auf Erz hin.

Die Studentinnnen und Studenten arbeiten mit dem originalen Raseneisenerz. Sie holen die Eisenerzknollen aus der Erdschicht, klopfen die gelbrote Erde mit dem Hammer ab und legen so eine dunkle, fast schwarze Erzknolle frei. Wir haben keinen Erzberg im Mittelburgenland, aber einen Erzboden!

Die Erzader ist erkennbar an der gelbrötlich-rostbraunen Farbe
Die Erzader ist erkennbar an der gelbrötlich-rostbraunen Farbe

Fast unglaublich. Das Mittelburgenland hat eine nennenswerte industrielle Vergangenheit. Das in der Antike berühmte „Ferrum Noricum“ dürfte das Eisenerz aus dem heutigen mittleren Burgenland gewesen sein, das auf der römischen Bernsteinstraße nach Rom transportiert wurde. Das erste Exportprodukt des Burgenlandes – für die römische Rüstungsindustrie. Und dieser römischen Rüstungsindustrie ist auch Manuela Thurner auf der Spur. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises „Experimental­archäologieprojekte“ an der Universität Wien. Die Mittelburgenländerin will wissen, wie die Römer wirklich ihr Metall verarbeitet haben. Was kann ihr dabei Passenderes begegnen, als das ursprüngliche Raseneisenerz aus Unterpullendorf, aus ihrer Heimat.

 

 

 

Quellen/Literatur: Mag. Sigrid Strohschneider-Laue: Wanderbare Eisenzeit im Burgenland, aus www.seniorenarchäologie.at; Cyberschool-Projekt des Gymnasiums Oberpullendorf (Mag. Oswald Gruber) mit dem burgenländischen Landesmuseum (Dr. Karl Kaus) http://www.borg-op.asn-bgld.ac.at/eisenindustrie_bezirk_oberpullendorf.htm, www.die-roemer-online.de  Bonn, Trier, Leverkusen, Wien 2003-2016; „Die Oxidischen Eisenerze des mittleren Burgenlandes“ von Michael A. Götzinger und Erich Draganits, in Mineralschätze des Burgenlandes, Sonderausstellung im Landesmuseum Burgenland 2009.