Hauptsache Arbeitsplätze

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Die Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandortes Mittelburgenland – und seine 25 größten Arbeitgeber.

Jede Region ist stolz auf ihre Arbeitsplätze. Im Bezirk sind es die Orte Oberpullendorf, Stoob und Neutal, die als Zentrum von Wirtschaft und Arbeitsplätzen gelten. Nimmt man Lockenhaus, Deutschkreutz und Horitschon dazu, sind in diesen sechs Gemeinden zwei von drei der regionalen Arbeitsplätze zu finden. Selbstbewusst meldet die Wirtschaftskammer, dass im Bezirk 2.700 Unternehmen aktiv sind, und davon 250 im Vorjahr neu ihren Betrieb aufgenommen haben. Zwischenbilanz: 8.500 Arbeitsplätze.

Jobmotor Neutal

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Ein kleines „Jobwunder“ erlebt das Mittelburgenland in Neutal. Die Gemeinde hat bereits ebenso viele Arbeitsplätze wie Einwohner, nämlich 1.100. Im Technologie­areal rund um das Technologiezentrum haben sich Unternehmen angesiedelt, von denen man vor zwanzig Jahren nicht einmal geträumt hat. Bürgermeister Erich Trummer betreibt das, was man aktive Betriebsansiedelung bezeichnet: „Wir wollen gezielt Arbeitsplätze für die Menschen in der Region schaffen. Wir wollen Unternehmen für den Standort gewinnen, die innovative Arbeitsplätze anbieten. Und wir wollen es Unternehmen ermöglichen zu expandieren, wenn sie am bestehenden Standort eingeengt sind.“ Trummer ist sehr zufrieden mit der Zwischenbilanz, auch hinsichtlich Vielfalt und Branchenmix: Die FT-TEC erzeugt ein hochkarätiges Notfall- und Rettungssystem für die Berufs- und Freizeitschifffahrt. Das Labor Imprint Analytics kann mittels Isotopen­analyse die Herkunft von Materialien und Lebensmitteln  bestimmen. Und der weltgrößte Verkehrsampelhersteller Swarco Futurit produziert auch in Neutal.

Aufschwung steckt offen­sichtlich an. Zeitgleich mit internationalen Playern
haben sich auch Unternehmen der Region im Techno­logiezentrum niedergelassen, wie Metallbau Rathmanner, Friedl Aufzugstechnik oder der Erzeuger von Holzriegelbauelementen, Handler aus Kirchschlag. Alles Beispiele, wodurch Arbeitsplätze geschaffen und Investitionen ausgelöst wurden. Vom Bau der Produktions- und Lagerhallen sowie den Bürogebäuden profitieren wieder andere Firmen – und somit sind deren Arbeitsplätze abgesichert oder es werden neue geschaffen.

Trummer lobt das Modell der interkommunalen Zusammenarbeit: „Acht Gemeinden sind am Technologiezentrum beteiligt. Diese übernehmen gemeinsam die Verantwortung und die Haftung bei Finanzierungen – und sie teilen sich natürlich auch die Einnahmen aus der Kommunalsteuer.“ Dass die SAM, die Schaltanlagen und Metallverarbeitungsgesellschaft,  mit 80 Mitarbeitern zugesperrt hat, ist ein kleiner Kontrapunkt zum Erfolgsszenario.

Tausende müssen auspendeln

So angenehm es für diejenigen im Bezirk ist, die einen Job haben. So wenig hilft es denen von den fast 38.000 Bewohnern, die hier keine passende Beschäftigung finden. Allein 4.500 Personen aus dem Bezirk pendeln nach Wien, weitere zu Arbeitsstätten außerhalb des Bezirkes. Eine in der Dimension noch heute gültige vier Jahre zurückliegende Statistik zeigt, dass rund 45 Prozent der Erwerbstätigen ihren Arbeitsplatz außerhalb des Bezirkes hatten.

Facharbeiter gesucht 

Jutta Mohl Leiterin AMS Oberpullendorf. Foto: zVg
Jutta Mohl
Leiterin AMS
Oberpullendorf. Foto: zVg

Vom heimischen Arbeitsmarkt kommen derzeit positive Signale.  Jutta Mohl, Chefin des AMS Oberpullendorf, hat in den ersten drei Monaten 50 Betriebe aufsuchen lassen. Tenor: die Betriebe sind gut ausgelastet und brauchen zusätzliche Facharbeiter. Gesucht werden vor allem Maurer, Installateure, Zimmerer oder Fliesenleger. Was wiederum bestätigt, wo der Bezirk stark ist: bei den Betrieben im Bau- und Baunebengewerbe. Praktisch jeder dritte Job wird im produzierenden Sektor angeboten, österreichweit ist es nur jeder fünfte. Gesucht werden darüber hinaus auch viele Fachkräfte im Gesundheitsbereich.

Leichte Entwarnung gibt das AMS bei den Arbeitslosen. Anfang April haben 1.300 Personen im Mittelburgenland einen Job gesucht. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,4 Prozent. Das ist niedriger als die burgenländische und um einen halben Prozentpunkt auch niedriger als die Arbeitslosenrate in Österreich. Allerdings wird hier die Problemgruppe derjenigen größer, die älter als 50 sind. Schon 550 von den rund 1.100 Arbeitslosen, die nicht in Schulungen sind, macht sie aus. Und deren Vermittlung wird durch sogenannte multiple Einschränkungen sehr oft erschwert. „Wenn jemand krank ist, dazu einen Migrationshintergrund aufweist und vielleicht auch noch eine Mobilitätseinschränkung – eine Frau besitzt keinen Führerschein – vorliegt, dann ist es schwer, diese Arbeitsuchenden zu vermitteln“, gibt  AMS-Chefin Jutta Mohl unumwunden zu.

Sie hat laufend damit zu kämpfen, dass es in einigen Bereichen im Bezirk ein
Manko gibt: „Was aktuell fehlt, sind Bürostellen und Vollzeitstellen im Verkauf.“ Und dazu komme eine alte Strukturschwäche: „Der Ausbau der Schnellstraße S 31 hat den Bezirk zwar etwas besser verbunden mit dem Wiener Zentralraum, viele Orte des Mittelburgenlandes sind aber nach wie vor mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht bis praktisch unmöglich zu erreichen. Freie Stellen, die in einigen Orten angeboten werden, können nicht besetzt werden“, vermeldet die Leiterin des AMS Oberpullendorf.

Kaufkraft ist verloren gegangen

„Die Entwicklung im Bezirk verläuft nicht optimal. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln“, zitiert Wirtschaftskammer-Regional­obmann Stefan Kneisz aus der letzten Kaufkraft-Studie. Demnach ist die Verkaufsfläche um 6 Prozent geschrumpft. 4 Prozent an Kaufkraftvolumen sind innerhalb der letzten sieben Jahre verloren gegangen. Die Studie sieht die Region bei der Kaufkraft an der drittletzten Stelle aller sieben Bezirke. Kneisz regt aber auch zum Handeln an: „Die Studie zeigt uns, dass Betriebe mit stark individualisiertem Angebot, mit höherer Fachberatung und Service-Faktor mehr punkten können, als discount-orientierte Anbieter, die ausschließlich preisaggressiv ausgerichtet sind.“

DDr. Herwig Schneider hat für die Industriellenvereinigung Burgenland eine Studie für das gesamte Burgenland erstellt, nach der die heimischen Leitbetriebe einen „hohen Hebel“ bei der Wertschöpfung und bei der Arbeitsplatzsicherung darstellen: „Das Burgenland ist als Standort nicht unterdurchschnittlich attraktiv, man muss jedoch sehr aufpassen, diesen Platz im besseren Mittelfeld nicht zu verlieren.“ Von den elf burgenländischen Leitbetrieben, die in der Studie genannt werden, sind immerhin zwei aus dem Mittelburgenland, der Bugholzspezialist Braun in Hammerteich/Lockenhaus und der Entwickler und Fertiger von elektronischen Systemen, BECOM in Hochstraß/Lockenhaus. Die Möbelmanufaktur Braun beschäftigt mehr als 50 Personen, BECOM ist der größte private Arbeitgeber der Re­gion mit 300 Arbeitsplätzen im Durchschnitt des Vorjahres.

Eine positive Trendwende hat es 2016 anderswo gegeben. Nach mehr als 80 Jahren negativer Entwicklung ist erstmals der Einwohnerstand wieder – leicht – gestiegen. Und das fordert erst recht heraus. Das Mittelburgenland ist eine schöne und lebenswerte Region, aber wirtschaftlich eher schwach. Der Bezirk braucht mehr Jobangebote. International konkurrenzfähige Unternehmen, die ihre Chancen nützen und expandieren. Und dafür mehr Arbeitskräfte einstellen.

Foto: fotolia/industrieblick
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BURGENLAND MITTE holt die Unternehmen vor den Vorhang, die die meisten Arbeitsplätze haben.

Die 25 größten Arbeitgeber des Mittelburgenlandes

1. Krankenhaus Oberpullendorf ___380
2. BECOM Electronics GmbH, Lockenhaus 301
3. Pfnier & Co GmbH, Oberpullendorf 269
4. Umweltdienst Burgenland GmbH, Mitterpullendorf 234
5. ALU-Sommer GmbH, Stoob 229
6. Kromberg & Schubert Austria, GesmbH & Co KG, Mitterpullendorf 222
7. Sonnenuhren BetriebsgesmbH, Lutzmannsburg 213
8. SWARCO FUTURIT Verkerssingalsysteme GesmbH, Neutal 209
9. Burgenländisches Schulungszentrum, Neutal 142
10. Raiffeisen-Lagerhaus reg.Gen.mbH, Horitschon 136
11. Thurner Feinbackwaren GmbH, Steinberg 104
12. Straßenmeisterei, Oberpullendorf 85
13. Waldquelle Kobersdorf GesmbH, Kobersdorf 76
14. Bio-Vollwertbäckerei Gradwohl GmbH, Weppersdorf 73
15. Leier Baustoffe GmbH & Co KG, Horitschon 69
16. H.T.B. Handel-Transport-Beteiligung GmbH, Markt Sankt Martin 69
17. HABE D’ERE Gastronomie GmbH, Oberpullendorf 66
18. Geflügelhof Anton Schlögl, GesmbH, Draßmarkt 62
19. Raiffeisenbezirksbank Oberpullendorf reg. Genoss., Oberpullendorf_______ 61
20. Aufzüge Friedl GmbH, Draßmarkt 60
21. M.C.I. Metalldecken Produktions-GmbH, Neutal 57
22. BRAUN LOCKENHAUS GmbH, Hammerteich, Lockenhaus 54
23. Rathmanner GesmbH, Neutal 53
24. Pflegezentrum Raiding – Franz Drescher GmbH, Raiding 50
25. Supper GesmbH, Deutschkreutz, SPAR Horitschon/Deutschkreutz 50

 

Die Basis des Rankings bildet eine Auswertung des AMS Österreich. Die Beschäftigten-Zahlen stellen einen Durchschnittswert aus 2016 dar, abgeleitet von den Daten der Sozialversicherung. Dazu kommen Erhebungen der Wirtschaftskammer Burgenland und eigene Recherchen. Die Zahlen der öffentlichen Arbeitgeber – des Krankenhauses und der Straßenmeisterei – sind Werte aus 2017.