Zu Hause im Nachbarort. Kennengelernt im Internet.

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Eva Maria ist aus Lackendorf, Anton aus Horitschon. Gefunkt hat’s in einer weltweiten Partnerbörse. Und jetzt sind sie glücklich verheiratet.

Foto: Klaus Vyhnalek
Foto: Klaus Vyhnalek

Es ist richtig berührend. Vier Kilometer entfernt sitzen sie vor dem Computer und versuchen ihr Glück in der Singlebörse. Und es hat gefunkt und geklappt. Die Ehe hält schon mehr als 11 Jahre. Das Witzige dabei: Vor dem Kennenlernen haben beide nichts von Partnern aus dem Internet gehalten.

Ein Horoskop hat der damals 24-jährigen Eva Maria prophezeit, in Kürze den Mann fürs Leben zu finden, ein anderes, schon bald die Liebe ihres Lebens zu treffen. Und ein drittes hat ihr schließlich den genauen Tag vorausgesagt, an dem sie den Mann ihrer Träume kennenlernen wird. Doch am besagten Tag geschah bis 21 Uhr genau nichts. Das hat die Shop-Managerin eines Handybetreibers etwas unruhig und kribbelig gemacht. Und weil ihr eine Freundin Wochen zuvor erzählt hatte, dass sie sich spaßhalber mit völlig unrichtigen Angaben auf einer Partner-Plattform im Internet angemeldet hatte, machte sie es ebenso. „Ich probier´s. Kann ja nichts passieren“, dachte sich Eva Maria und erstellte ihr Profil – mit wahrheitsgetreuen Angaben. Verheimlicht hat sie nichts. „Drei haben zurückgeschrieben. „Der 54-Jährige war mir viel zu alt. Der Zweite war ein wirklich schräger Typ. Aber der Dritte war interessant, seriös und normal“, erzählt Eva Maria rückblickend über ihren Anton.

„Um Gottes Willen, vergiss das! Dort sind lauter Frustrierte und Geschiedene oder One-Night-Stands, nichts wirklich Interessantes“, sagt Anton Iby, engagierter Weinbauer im Rotweingut des Vaters, damals zu seinem Freund, als ihm dieser erzählt, dass er jemanden über eine Internet-Plattform kennengelernt hat. Nachdem sein Freund nach einem Dreivierteljahr aber noch immer mit seiner „Internet-Partnerin“ liiert ist, legt er seine Vorurteile ab. Eines Tages – er war nach einer langjährigen Beziehung Single – meldet er sich im Netz an.

Und damit hat es angefangen. Es war wie Liebe auf den ersten Klick. Nach der ersten Kontaktaufnahme haben die beiden einander täglich geschrieben. „Man hat sich darauf gefreut, vom anderen zu hören“, erinnert sich der damals 27-jährige Anton, der sich durch diese Form des Kennenlernens auch reifer gefühlt hat: „Kennt man den anderen nur durchs Schreiben, ist man viel unvoreingenommener dem anderen gegenüber. Ich war überrascht über mich selbst.“ Doch die größte Überraschung folgte nach zwei Wochen. Da sind die beiden nämlich draufgekommen, dass der andere in der Nachbarortschaft wohnt, vier Kilometer entfernt. „Da bist du quasi mit der ganzen Welt vernetzt und dann findet man den Traummann in der Nachbarortschaft“, wundert sich die heute 4-fache Mutter über ihre eigene Liebesgeschichte.

Hunderte Partnervorschläge haben im weltweiten Netz auf die beiden gewartet. Fündig geworden sind die Mittelburgenländer beim Profil des jeweils anderen aus der Heimat. Und – was bei diesem Thema gar nicht üblich ist – sie sprechen selbstbewusst über ihre ungewöhnliche Art des Kennenlernens: „Gut angefühlt hat es sich vom ersten Mail an“, schwärmen Eva Maria und Anton rückblickend: „Die Chemie hat einfach gestimmt. Das haben wir beide beim ersten Treffen schon gespürt.“ Der Rest ist im Hochzeits-Fotobuch festgehalten. Die Liebe geht tatsächlich oft verschlungene Pfade. Auch im Internet.

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