Das Geheimnis der gelben Felder

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Nirgendwo im Burgenland leuchten Ende April bis Mitte Mai mehr Ackerflächen goldgelb als im Mittelburgenland. Die Bauern bauen hier verstärkt Raps an. Gründe für den leuchtenden Blütenteppich gibt es viele. Und wer auf höhere Erträge tippt, liegt nicht ganz falsch.

Gute Gründe für große Flächen

DI Johann Eichberger,  Landwirtschaftskammer  Oberpullendorf
DI Johann Eichberger,
Landwirtschaftskammer
Oberpullendorf

200 Landwirte der Region freuen sich über ihre wogenden gelben Flächen. 3.350 Hektar sind es, die Autofahrern und Wanderern ins Auge stechen. In keinem anderen Bezirk sind es so viele. Immerhin, fast jeder sechste Hektar Ackerland ist hier mit der Ölfrucht Raps bepflanzt worden. Zentrum des Rapsanbaues ist der Osten des Bezirkes, es sind die Gemeinden Nikitsch, Großwarasdorf, Deutschkreutz, Neckenmarkt, Raiding, Neutal und Markt St. Martin.

Die EU fördert

Ein wichtiger Grund für den Rapsanbau sind EU-Fördergelder, die im Rahmen des Umweltprogrammes ÖPUL vergeben werden. Eine wesentliche Voraussetzung für Förderungen ist nämlich der Anbau von „Alternativen“ zu Getreide und Mais. Ein Bauer, der EU-Subventionen möchte, muss mindestens 25 Prozent seiner Ackerfläche mit Alternativen bebauen. Und Raps sei eine solche Alternativ-Frucht, erklärt Dipl.Ing. Johann Eichberger, der Bezirksreferent der Landwirtschaftskammer in Oberpullendorf: „Raps passt im Bezirk gut in die Fruchtfolge und fühlt sich hier klimatisch wohl. Raps ist auch eine gute Vorfrucht für Weizen – und wird daher auch gerne angebaut.“ Im Bezirk nehmen 9 von 10 Bauern am Umweltprogramm teil.

Nur Sojabohnen wären Alternative

Die Alternativen zu Raps wären – entsprechend dem ÖPUL-Fördersystem – Sonnenblumen und Sojabohnen. Sonnenblumen werden von den Bauern vernachlässigt und nur noch auf 450 Hektar gepflanzt, weil diese schlecht nachgefragt und zu einem schlechten Preis zu verkaufen sind. Sojabohnen sind hingegen im Kommen. Sie machen heuer im Bezirk flächenmäßig schon mehr als 2.000 Hektar aus.

Raps bringt Rendite

Mit Raps ist beim Verkauf mehr einzunehmen. „Bei guten Erträgen ist in der Regel ein höherer Fixkosten-Deckungsbeitrag als bei Getreide erzielbar“, berichtet Eichberger. Der Kammerangestellte merkt hier jedoch an, dass Raps durch den mehrmals notwendigen Pflanzenschutz sehr aufwändig ist. Nachsatz: „Zuckerrüben waren bisher eine bessere, aber wegen der Zucker­quote eine begrenzte Alternative. Zuckerrüben haben aufgrund des gesunkenen Preises an Wirtschaftlichkeit eingebüßt.“

Biodiesel hat Boom ausgelöst

Begonnen wurde mit dem intensiveren Rapsanbau in Österreich bereits in den 80er-Jahren, markant ausgeweitet wurde die Fläche dann in den 90er-Jahren. Ausschlaggebend dafür war der hohe Erdölpreis. Dieser hat dazu geführt, dass man mit Biodiesel eine günstige Alternative schaffen wollte, beziehungsweise Biodiesel als Beimischung zu Diesel einsetzen wollte. Und für den Biodiesel brauchte man Raps­methylester, der durch Auspressen aus Raps gewonnen wird. Die Produktion von Biodiesel ist allerdings in den letzten 10 Jahren starkt geschwankt – zuletzt wurde wieder deutlich mehr produziert. Starke Schwankungen haben die Bauern in den letzten Jahren allerdings auch bei den Preisen für Raps gesehen. Derzeit geht der Preis wieder in die Höhe. Die Bauern könnten heuer – laut Agrarmarkt Informations System von Anfang Mai – für Raps das Doppelte bekommen als für Brotweizen.

Das wird aus der gelben Pracht

DSC_0349Schon mitten in der Blüte sind die vielseitigen Rapspflanzen sehr nützlich. Die
gelben Blüten liefern den Bienen den Nektar für die Honigproduktion. Nach der Blüte entwickeln sich die braunschwarzen Samenkörner, aus denen nach der Ernte in speziellen Ölmühlen Rapsöl gewonnen wird. Dieses Öl wird hauptsächlich zu Biodiesel verarbeitet oder als Beigabe zu Diesel verwendet. Ein großer Teil des Rapsöls wird als beliebtes Speiseöl genutzt. Und in der Industrie wird Rapsöl verwendet, um
pharmazeutische oder chemische Produkte herzustellen, zum Beispiel Grundstoffe für Farben. Ein Nebenprodukt beim Auspressen der Samen in den Ölmühlen ist übrigens als Futtermittel gefragt.

Schaden durch späten Schnee

Doch was könnte auf den gelben Feldern im heurigen Sommer geerntet werden? Haben die Frosttage im April Spuren hinterlassen? Laut Experten dürfte der Frost keine größeren Schäden angerichtet haben. Vielmehr waren es der späte und schwere Schnee sowie der Wind, die den Rapspflanzen zugesetzt haben. Doch zum Glück gilt der Raps als robust und kann sich gut regenerien. Die gelben Felder könnten heuer einen guten Ertrag bringen.