Der Crowdfunding-Revolutionär Heini Staudinger in Weppersdorf

von -
18
Fotos: Wolfgang Riepl

Der Waldviertler Unternehmer hat sich mit der Finanzmarktaufsicht angelegt. Er wurde verurteilt, weil er sich Geld von Freunden geholt hat – statt von der Bank. Heini Staudinger hat weiter gekämpft. Und jetzt gibt es ein neues Gesetz für alternative Finanzierungsformen.

Foto-Termin mit Heini Staudinger nach dem Film und dem Impuls-Vortrag von Marianne Gugler (ganz re.) über moderne Genossenschaften.
Foto-Termin mit Heini Staudinger nach dem Film und dem Impuls-Vortrag von Marianne Gugler (ganz re.) über moderne Genossenschaften.

Mangels anderer Finanzierungsquellen – seine Hausbank wollte die Erweiterung seiner Schuhproduktionsstätte im Waldviertler Schrems nicht finanzieren – lieh er sich das Geld in kleinen Beträgen von Freunden und Kunden. Die FMA, die staatliche Finanzmarktaufsicht, vermutete illegale Bankgeschäfte. Als Staudinger sich weigerte sein – zu diesem Zeitpunkt noch illegales – Finanzierungsmodell auf ein gesetzeskonformes umzustellen, wurde er zu 10.000 Euro Strafe verdonnert. Sein Kampf um die Zulassung alternativer Finanzierungsformen ist in einem Film dokumentiert. „Das Leben ist keine Generalprobe“ wurde in der Alten Evangelischen Schule in Weppersdorf auf Einladung der Grünen Wirtschaft vorgeführt. Heini Staudinger war dabei.

Kunden und Freunde als Finanzierungsquelle

Seine hartnäckige und auch öffentliche Art, mit seinem Rechtsstreit umzugehen, hat seinem Unternehmen „GEA“ nicht nur mediale Aufmerksamkeit gebracht. Die GEA-Umsätze mit Schuhen, Möbel, Naturmatratzen und Accessoires sowie die Mitarbeiterzahl in den 44 Filialen haben sich zwischen 2012 und 2015 verdreifacht. „Nicht nur ich wurde durch meinen Streit mit der FMA bekannt. Bis dahin wusste kaum ein Österreicher, dass es eine Finanzmarktaufsicht gibt“, gibt sich Staudinger in der Weppersdorfer Diskussionsrunde zynisch.

Verantwortungsvolles Wirtschaften

Heini Staudinger spricht nicht nur leidenschaftlich über seine Lebens- und Wirtschafts-Philosophie, er lebt sie vor. „Mehr als die Hälfte der österreichischen Schuhmacherlehrlinge wurden  in unserem Betrieb ausgebildet. Wir sind maßgeblich daran beteiligt, dass dieser Lehrberuf in Österreich nicht ausgestorben ist,“ so der GEA-Gründer. Auch bei der Leder-Produktion setzt er auf unternehmerische Verantwortung: Das für die Produktion der „Waldviertler“-Schuhe verwendete Leder stammt ausschließlich aus deutscher Produktion. Eine Ausnahme in der Schuhindustrie, wo die Lederlieferanten in der Regel aus China oder Afghanistan kommen. Länder, die nicht unbedingt für menschliche und umweltbewusste Produktionsbedingungen bekannt sind.

Neues Gesetz regelt alternative Finanzierung

Es ist wohl auch Heini Staudingers Sturheit im Umgang mit den Finanzbehörden zu verdanken, dass es heute ein Gesetz gibt, das sogenannte „Alternative Finanzierungsformen“ regelt. Eine Finanzierungsform, die sich immer größer werdender Beliebtheit erfreut, ist in diesem Gesetz geregelt: „Crowdfunding“, zu Deutsch „Schwarmfinanzierung“. Die Wirtschaftskammer Österreich geht in einem Online-Artikel vom 12.12.2016 von einem mittelfristigen Crowdfunding-Volumen in der Höhe von 320 Millionen Euro pro Jahr aus.

Schutz für Anleger

Bei der gesetzlichen Regelung der sogenannten alternativen Finanzierungsformen stand in erster Linie der Schutz der Anleger oder Investoren im Vordergrund. Gegenstand des Alternativfinanzierungsgesetzes (AltFG) ist das Sammeln von Geldern über ein öffentliches Angebot, das sich an 150 oder mehr Anleger wendet. Das neue Gesetz legt fest, dass pro Emission nicht mehr als 1,5 Millionen Euro gesammelt werden dürfen. Die Herausgeber der alternativen Finanzierungsinstrumente müssen sich darüber hinaus an Informationspflichten halten, die an jene von Aktienemissionen angelehnt sind.  Weiters schreibt das AltFG vor, dass von einem einzelnen Privatanleger maximal 5.000 Euro oder alternativ höchstens das Doppelte des durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens und nicht mehr als zehn Prozent seines Finanzanlagevermögens pro Jahr in ein Projekt investiert werden können.

Heini Staudinger diskutiert gerne. Nicht nur bei Filmvorführungen wie in Weppersdorf. Gerne spricht der 64-Jährige – so wird erzählt – mit seinen noch schulpflichtigen Nichten und Neffen über seine Prinzipien im Wirtschaftsleben, die lauten: 1. Scheiß di net au! und 2. Bitte, sei net so deppat! Was er den Jugendlichen vermitteln will, gilt auch für die erwachsenen Zuhörer: dass nichts im Leben uns mehr hindert als die Angst.

Ähnliche Artikel

86