Der große Trinkwasser-Report

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Es kommt tief aus der Erde oder sickert aus dem Berg. Es ist weich oder hart, ganz billig oder immer noch günstig. Lesen Sie interessante Fakten zum wichtigsten Lebensmittel, das direkt aus unserer Region zu uns ins Haus kommt.

Œ1) Wasserverband Mittleres Burgenland (Grundwasser) 2) Wasser- und Abwasserverband Lockenhaus und Umgebung (Quellwasser) 3) Wasserversorgung Oberpullendorf  4) Wassergenossenschaft Pilgersdorf 5) Wassergenossenschaft Langeck 6) Wassergenossenschaft Glashütten ’7) Wassergenossenschaft Weingraben
Œ1) Wasserverband Mittleres Burgenland (Grundwasser)
2) Wasser- und Abwasserverband Lockenhaus und Umgebung (Quellwasser)
3) Wasserversorgung Oberpullendorf
4) Wassergenossenschaft Pilgersdorf
5) Wassergenossenschaft Langeck
6) Wassergenossenschaft Glashütten
’7) Wassergenossenschaft Weingraben

Grundwasser oder Quellwasser? Diese Frage stellt sich einem Lokalbesucher, wenn er im Mittelburgenland ein Glas Leitungswasser zum Kaffee serviert bekommt. Bei der Kirchenwirtin in Deutschkreutz ist es Grundwasser, beim Backhendl-Wirt in Steinberg-Dörfl ist es Quellwasser. Im nordöstlichen Bereich des Bezirkes stammt das Trinkwasser aus tiefen Brunnen in Lackendorf und Neckenmarkt, in den südwestlichen Regionen aus verschiedenen Quellen des Gebirgsmassivs Geschriebenstein. Gefördert und verteilt wird das meiste Wasser von zwei großen Verbänden, zu denen sich jeweils mehrere Gemeinden zusammengeschlossen haben. Einzelne Orte versorgen sich selbst – wie auch die Bezirkshauptstadt Oberpullendorf. (Siehe Grafik Seite 19)

Der größte Wasserversorger hat seine Zentrale in Lackendorf

Im Bezirk gibt es – laut Studie – in Lacken­dorf und Haschendorf das meiste Wasser, das in größeren Mengen förderungswürdig ist. Deshalb gibt es in diesen beiden Gebieten die Brunnen des „Wasserverbandes Mittleres Burgenland“, des Zusammenschlusses von 18 Gemeinden. Der Verband versorgt Haushalte wie Betriebe, insgesamt 24.800 Einwohner, das sind 2 von 3 Einwohnern des Bezirkes. Verbands­obmann Friedrich Kreisits, Bürgermeister von Unterfrauenhaid, ist zufrieden mit dem gegenwärtigen Standard: „Wir versorgen die Bevölkerung mit frischem und klarem Wasser in ausgezeichneter Qualität und stellen eine lückenlose Versorgung der Mitgliedsgemeinden sicher.“

Laufend wird investiert. Im vergangenen Jahr wurden im Brunnenfeld Lackendorf zwei Brunnenbohrungen erfolgreich abgeteuft. Derzeit werden noch abschließende Baumaßnahmen durchgeführt. Der Probe­betrieb läuft bereits, und bis Jahresende rechnet man mit dem Abschluss der Bewilligungs- und Überprüfungsverfahren.

Derzeit kommen zwei Drittel des Wassers aus dem Brunnenfeld Lackendorf, ein Drittel aus dem Brunnenfeld Neckenmarkt. Die Wassergewinnung erfolgt – wenn man die kleine Quelle in Sieggraben vernachlässigt – zu praktisch 100 Prozent aus insgesamt 12 sogenannten Vertikalfilterbrunnen, die wasserführenden Schichten befinden sich in einer Tiefe von 40 bis 230 Metern unter der Geländeoberkante. Wobei man sich dabei nicht einen riesigen unterirdischen See vorstellen kann, sondern eine Gesteinsschicht, in der sich zwischen den Steinchen Wasser angesammelt hat und ansammelt.

Im Brunnenfeld Lackendorf, das vergleichsweise größer ist als ein Fußballplatz, werden 7 Brunnen genutzt. Das Wasser aus dem tiefsten Brunnen wird aus 230 Metern heraufgepumpt und muss hinsichtlich Mangan und Eisen aufbereitet werden. Im Brunnenfeld Neckenmarkt wurden 10 Brunnen geschlagen, aus fünfen davon wird Wasser entnommen. Das meiste Wasser kommt aus 100 Metern Tiefe. Und wie alt ist es? „300 bis 8.000 Jahre alt“, wird in der Verbandszentrale Geologen zitiert.

Quellwasser aus burgenländischen Bergen

Vor der Mangan-Aufbereitungsanlage – von links: Ing. Christian Zörfuss aus Neckenmarkt, Betriebsleiter-Stv., Ing. Ernst Pauschenwein aus Pöttelsdorf, Betriebsleiter und DI (FH) Christian Kucevic aus Neckenmarkt, Techniker
Vor der Mangan-Aufbereitungsanlage – von links: Ing. Christian Zörfuss aus Neckenmarkt, Betriebsleiter-Stv., Ing. Ernst Pauschenwein aus Pöttelsdorf, Betriebsleiter und DI (FH) Christian Kucevic aus Neckenmarkt, Techniker

Wasser ist auch Geschmackssache. Beim Wasserverband Lockenhaus, mit der Zentrale in Klostermarienberg, schätzt man das Quellwasser aus dem Gebirgsmassiv des Geschriebenstein. „Wir liefern unseren Kunden 100 Prozent reines Quellwasser. Wir könnten auch Grundwasser fördern, tun dies aber nicht“, beschreibt der Geschäftsführer des Verbandes, Felix Jestl, die Philosophie. Der Verband habe traditionelle Quellgebiete, die sehr ergiebig sind: „Unser Wasser ist ein Mischwasser aus mehr als 20 unterschiedlichen Quellen, die am Ende eines Taleinschnittes austreten.“ Beim Austritt aus dem Gestein oder beim Heraussickern aus dem Gebirge ist das Wasser unterschiedlich alt. Es könne etliche Jahre alt sein, aber auch nur eineinhalb Jahre, weiß der langjährige Angestellte zu berichten. Bei der Fördermenge muss der Verband von 7 Gemeinden vor allem an den Wochenenden gerüstet sein, wenn zusätzlich hunderte Zweitwohnungsbesitzer den Wasserhahn aufdrehen.

Oberpullendorf versorgt sich selbst

Rudolf Geißler, Bürgermeister  Oberpullendorf
Rudolf Geißler, Bürgermeister
Oberpullendorf

Die Wasserversorgung ist im Bezirks­vorort Oberpullendorf seit jeher ein Thema. Und man bleibt bei der alten Philosophie: Wir versorgen uns selbst mit Trinkwasser, mit Grundwasser aus Mitterpullendorf. Die Stadtgemeinde Oberpullendorf verfügt über 4 Brunnen, von denen 3 aktiv genutzt werden. Die Brunnen sind 70 Meter tief. Im Normalfall kann die Stadtgemeinde damit ihre mehr als 3.000 Bewohner und die vielen Betriebe versorgen. Kritisch können jedoch immer wieder die Sommermonate Juli und August werden, weiß Stadtamtsleiter Christian Stibi aus der Vergangenheit. So musste zuletzt vor zwei Jahren eine große Menge Wasser zugekauft werden. Zum Glück ist das technisch kein Problem, weil Oberpullendorf einen Ringschluss mit dem Wasserverband Mittleres Burgenland hat.

Für Bürgermeister Rudolf Geißler ist die Trinkwasserversorgung „ein sehr sensibles Thema“. Geißler beruft sich auf eine Studie, die die Stadtgemeinde über die Wasserreserven hat machen lassen. „Auf lange Sicht wären ein Wasserzukauf fix einzukalkulieren oder neue Brunnen zu erschließen. Brunnen zu graben ist aber ein großes Risiko. Nach Kosten von 200.000 bis 300.000 Euro gibt es noch immer keine Sicherheit, dass wirklich Wasser gefördert werden kann“, gibt der Bürgermeister zu bedenken. Eigenständig bleiben und Zukäufe tätigen zu müssen komme sehr teuer, weil die Zukäufe zu deutlich erhöhten Wasserpreisen erfolgen. „Im Moment ist der Zusammenschluss jedoch kein Thema. Wir müssen jetzt einmal eine perfekte Versorgung gewährleisten. Das Netz ist zu sanieren, auf den neuesten Stand zu bringen, unabhängig davon, ob künftig ein Zusammenschluss angedacht wird“, argumentiert Bürgermeister Geißler.

„Pilgersdorfer Selbständigkeit wird teuer erkauft!“

Ewald Bürger, Bürgermeister Pilgersdorf
Ewald Bürger, Bürgermeister Pilgersdorf

Für gleich sieben Ortsteile muss die Gemeinde Pilgersdorf eine funktionierende Wasserversorgung gewährleisten. Die 1.760 Einwohner und die etwa 400 Personen mit Zweitwohnsitz verteilen sich auf Pilgersdorf, Bubendorf, Deutsch Gerisdorf, Steinbach, Kogl, Lebenbrunn und Salmannsdorf – die kleinste Ortschaft mit 150 Einwohnern. Bürgermeister Ewald Bürger: „Es gibt einen Gemeinderatsbeschluss, bei der Wasserversorgung selbständig zu bleiben.“ Die Gemeinderäte und die Bevölkerung sehen den Vorteil der Eigenständigkeit im niedrigen Wasserpreis, der derzeit bei einem Euro pro Kubikmeter liegt, also 1000 Liter hochqualitatives Trinkwasser für einen Euro. Bürgermeister Bürger gibt allerdings zu bedenken, dass dieser Preis nicht für den hohen Aufwand, der mit einer qualitativ hochwertigen Wasserversorgung verbunden ist, reiche: „Die Wasserversorgung ist eine enorme Belastung für die Gemeinde, finanziell wie arbeitstechnisch. Drei Beschäftigte, zwei Wassermeister und ein Wasserwart arbeiten fast nur für die Wasserversorgung.“

Die Selbständigkeit wird hier jedenfalls bis auf die Ebene der kleinen Ortsteile gelebt: Nicht nur die Gemeinde Pilgersdorf, auch Kogl und Salmannsdorf haben eine eigene Wassergenossenschaft.

Glashütten mit eigenem Netz

IMG_3736Eigenständigkeit wird auch im Lockenhauser Ortsteil Glashütten groß geschrieben, wo 350 Einwohner zu versorgen sind. Dafür wurde vor Jahrzehnten schon eine Genossenschaft gegründet, die heute 120 Haushalte versorgt. Ortsvorsteher Georg Stifter beschreibt das System kompakt: „Es gibt zwei Quellfassungen, einen Hauptbehälter und keine Pumpen. Alles funktioniert und die Leitungen selbst sind auch schon saniert.“ Abgerechnet werde über die Gemeinde. Die Eigenständigkeit werde nicht aufgegeben – auch wegen des günstigen Wassertarifes. „13 Euro 20 zahlt jeder Haushalt im halben Jahr für die Instandsetzung des Netzes. Und 70 Cent pro Kubikmeter Wasser“, rechnet Stifter vor. Der Wasserpreis sei also, grob gesprochen, um die Hälfte billiger als bei den großen Versorgern.

Langecker brauchen keine Wasseruhr

IMG_3819_bearbDer kleinste Wasser-Versorgunger der Region ist in Langeck, einem Ortsteil von Lockenhaus, aktiv. Die örtliche Wassergenossenschaft versorgt über 110 Anschlüsse die 280 Einwohner mit frischem Quellwasser. Obmann Adolf Lackner schwärmt davon, dass das Wasser bei ihnen in Strömen fließt: „Von den 3 Quellen außerhalb der Ortschaft rinnt das Wasser rund vier Kilometer zum Hochbehälter und von dort – ohne eine Filteranlage passiert zu haben – weiter zu den Haushalten. Seit 20 Jahren, seitdem ich Obmann bin, in gleich hoher Qualität, mit ungefähr 6 Härtegraden.“ Aus dem Berg in die Küche. Ohne Pumpen, ohne Aufbereitung.

Auch beim Preis ist Langeck rekordverdächtig. Für die Wasserleitung bis zum Grundstück verlangt die Genossenschaft einmalig 1.950 Euro. Jährlich sind 75 Euro pro Haushalt und 15 Euro pro Person zu zahlen. Ein Zwei-Personen-Haushalt hat also 105 Euro an Kosten pro Jahr. Egal, wieviel er – zum Beispiel wegen seines Swimmingpools – verbraucht. Das wird auch gar nicht gemessen, denn eine Wasseruhr haben die Langecker nicht. Liefern doch die eigenen Quellen täglich zig-tausende Liter Wasser mehr, als die kleine Ortschaft braucht. „Jeder dritte Liter fließt als Überlauf in den Bach.“

Weingraben hat eigene Wasserleitung

Obmann Friedrich Kreisits am Absperrschieber eines von 7 Brunnen in Lackendorf
Obmann Friedrich Kreisits am Absperrschieber eines von 7 Brunnen in Lackendorf

Nicht so gesegnet mit sprudelnden Quellen, aber selbständig mit eigener Wasserleitung ist Weingraben. Aus zwei Quellen werden die 350 Einwohner versorgt. Bürgermeister Peter Kohlmann, der auch für die Ortsleitungen zuständig ist, lobt sein eigenes Wasser: „Wir haben eher weiches Wasser, die Qualität ist einwandfrei.“ Um eine sichere Versorgung zu gewährleisten, habe er das Ortsnetz mit einer Versorgungsleitung des Wasserverbandes Lockenhaus verbinden lassen. „Für die Spitzenabdeckung im Sommer oder bei Engpässen ist jetzt vorgesorgt“, gibt sich der Bürgermeister zufrieden. Durch die teureren Zukäufe vom Wasserverband Lockenhaus variiert eben der Preis während des Jahres. Im Winter zahlen die Weingrabener 1,30 Euro pro Kubikmeter, im Sommer 1,76 Euro.

Die Sorgen der Versorger

Stefan  Hauser, Obmann Wasser- und Abwasser­verband  Lockenhaus und  Umgebung
Stefan Hauser, Obmann Wasser- und Abwasser­verband Lockenhaus und
Umgebung

Sanieren und finanzieren, das sind die Herausforderungen, mit denen Obmänner und Geschäftsführer der Verbände sowie die Bürgermeister mit eigener Wasserversorgung konfrontiert sind.

Stefan Hauser, Obmann des Wasserverbandes Lockenhaus und ehemaliger Bürgermeister von Piringsdorf, bringt es für den gesamten Bezirk auf den Punkt: „Das Problem ist offenkundig. Wir brauchen relativ lange Leitungen und haben wenige Verbraucher. Oft müssen wir große Investitionen tätigen – für die Versorgung von ein paar Häusern.“ Der Lockenhauser Verband will dennoch bei seiner moderaten Preispolitik bleiben, den Wasserpreis jährlich um den Verbraucherpreis-Index anzuheben. Dieser macht derzeit 1,68 Euro pro Kubikmeter aus.

Der größte Verband, Mittleres Burgenland, hat im Vorjahr auch seine Mitglieder über die hohen Sanierungskosten informiert: „Für das insgesamt 345 Kilometer lange Leitungsnetz muss man mit Kosten von 138 Millionen Euro aus heutiger Sicht rechnen“, heißt es im Schreiben. Und Obmann Friedrich Kreisits bringt ein konkretes Beispiel für teure Sanierungen: „Wir haben heuer ein Baulos in Weppersdorf mit 2 1/2 Millionen Euro – das, bei 3 Millionen Euro Jahresumsatz.“ Den Zähler-Grundpreis und den Kubikmeterpreis von 1,65 Euro will man nur vorsichtig anheben.

Finanzierungssorgen plagen auch Ewald Bürger in Pilgersdorf: „Wir müssen viel investieren in Quellfassungen, den Hochbehälter und in das umfassende Leitungsnetz, das allein im Ortsteil Pilgersdorf 8 Kilometer ausmacht.“ Der Gemeinde wird nichts anderes übrig bleiben, als entsprechende Zuschüsse zu leisten.

Die Stadtgemeinde Oberpullendorf greift schon tief ins Stadtbudget. Sie gibt laut Bürgermeister 820.000 Euro für die nächsten drei Jahre für das Wasser aus. Derzeit ist man dabei, das Netz in kleinere Abschnitte einzuteilen. Bürgermeister Rudolf Geißler sieht eine gewisse Dringlichkeit: „Die Sanierung beginnen wir im Mai. Wir rechnen dabei mit kurzfristigen Unterbrechungen der Versorgung. Wir tun es, auch wenn es nur noch ein halbes Jahr bis zur Gemeinderatswahl ist.“

Sicherheit hat Vorrang

Ing. Christian Zörfuss, stellvertretender Betriebsleiter in Lackendorf
Ing. Christian Zörfuss, stellvertretender Betriebsleiter in Lackendorf

Das Mittelburgenland gehört zu den bevorzugten Regionen, wo Trinkwasser in genügender Menge und in höchster Qualität vorhanden ist. Durch die beabsichtigten Sanierungen des Leitungsnetzes und durch einzelne weitere Schritte wollen die Verantwortlichen die Versorgung absichern. So baut der Wasserverband Mittleres Burgenland derzeit eine krisensichere Notversorgung auf. Sollte es zu längeren Stromausfällen kommen, will der Verband dennoch seine Pumpen bedienen können, sagt Obmann Friedrich Kreisits: „Wir sind auf den Pumpbetrieb angewiesen. Die Wasserreserve bei einem Strom-Blackout liegt bei ca. 2 Tagen.“

Apropos Versorgungssicherheit. In Zukunft sollen auch die Wasserwerke Sopron und der Wasserleitungsverband Nördliches Burgenland mit dem mittelburgenländischen Netz verbunden werden. Dadurch soll man sich gegenseitig bei Bedarf mit Wasser aushelfen.

Eines wollen alle Versorger erreichen: ein verstärktes Bewusstsein, dass Wasser kostbar ist und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist. Felix Jestl, der Geschäftsführer des Lockenhauser Verbandes, rechnet es laut vor: „Ein Krügerl Bier kostet so viel wie 2.000 Liter Trinkwasser.“

Wasserverband Mittleres Burgenland in Lackendorf
Wasserverband Mittleres Burgenland in Lackendorf

 

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