„Mein Mann ist etliche Jahre jünger! Warum nicht?“

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Die Kosmetikerin Beatrice Stiller aus Lackenbach über das Tabu-Thema „junger Mann – ältere Frau“. 

Ganz Europa diskutiert die Präsidentenwahlen in Frankreich. Und überall wird ein Thema mitdiskutiert: Präsident Emmanuel Macron hat eine Frau, die um 25 Jahre älter ist als er. Nach wie vor wundert man sich über einen großen Altersunterschied, wenn die Frau älter ist – nicht aber, wenn es der Mann ist. Auch im Mittelburgenland gibt es vereinzelt Beziehungen, in denen die Frau erheblich älter ist als der Mann. Eine solche Frau hat BURGENLAND MITTE ausfindig gemacht: eine, die im schweizerischen Bern geboren und in Lackenbach bei den Großeltern aufgewachsen ist, die dann als junge Frau in Bern zu arbeiten begonnen hat – und jetzt in Lackenbach als Selbständige arbeitet.

Altersunterschied 13 Jahre

Beatrice Stiller ist eine elegante Erscheinung. Ruhig und gelassen spricht die heute 60 Jahre alte Frau im Kosmetiksalon „C&B“ in Lackenbach, den sie gemeinsam mit Carina Landauer aus Raiding gegründet hat, unaufgeregt über ihren um 13 Jahre jüngeren Lebensgefährten, Toni Pagano: „Ich war 42 Jahre alt und er 29, als wir einander in Bern bei einem Sportfest kennen- gelernt hatten. Wir haben uns verliebt ineinander. Ihm war der Altersunterschied egal. Ich aber habe schon Bedenken gehabt. Wie werden die Freunde reagieren? Wie werden wir beim Ausgehen angeschaut und beurteilt?“ Heute kann sie über diese Bedenken nur noch schmunzeln: „Die Reaktionen im Freundeskreis waren durchwegs positiv. Ich weiß heute aber, dass viele über ihren größeren Altersunterschied nicht reden wollen. Das hat mit der Persönlichkeit zu tun. Wer unsicher ist, der verdrängt das Thema.“

Beatrice und Toni führen eine Fernbeziehung. Sie sehen einander alle zwei Monate. Sie arbeitet als Fußpflegerin und Kosmetikerin in Lackenbach, er als Geschäftsführer im Familienunternehmen, einer Autogarage in Bern und beim Sportclub Young Boys Bern – 950 Kilometer voneinander entfernt. Einmal fährt er ins Burgenland, einmal sie in die Schweiz. Mit Flugzeug oder Zug – und ausnahmsweise mit dem Auto. „Natürlich haben wir vor 14 Jahren Jahren darüber diskutiert, ob es passt, dass ich ins Burgenland ziehe und wir eine Fernbeziehung eingehen. Allerdings war auch er durch seine Fußball-Termine immer wieder für einige Zeit weg von mir. Jetzt bin eben ich zwischendurch weg.“ Sie weiß heute, dass es in einer Beziehung nicht auf den Altersunterschied ankommt: „Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig. Und Gemeinsamkeiten. Wir beide gehen gerne gut essen. Wir können gut miteinander reden über unsere Arbeit. Der Gedankenaustausch funktioniert einfach.“

Der jüngere Partner als Jungbrunnen 

Psychologinnen sind der Meinung, dass beide Partner von einem größeren Altersunterschied profitieren könnten. Beatrice Stiller kann das für sich bestätigen: „Ich habe ihm zum Beispiel zugeredet und ihn darin bestärkt, nach der Profilaufbahn die Fußballtrainer-Lizenz zu machen. Und er ist für mich ein wahrer Jungbrunnen. Ich interessiere mich durch ihn für andere Sachen, weil Gleichaltrige nicht diese Interessen haben.“ Die naheliegende Sorge, dass sich der jüngere Mann eine jüngere Frau sucht, quält Beatrice Stiller nicht: „Wenn er gehen will, geht er. Ob er gleich alt ist oder jünger.“

Für Kolleginnen, Freundinnen und Bekannte, die ähnlich wie sie mit Altersunterschieden konfrontiert sind, hat sie einen Rat parat: „Schiebt eure Bedenken und Zweifel weg. Probiert es einfach!“ Für ihre eigene Zukunft mit dem jüngeren Mann ist die Unternehmerin sogar sehr optimistisch: „Heirat nicht ausgeschlossen.“

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