Wo Liszt seine Liebe fand

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Der fesche Franz Liszt. Foto: Franz Hanfstaengl

In der Ukraine lernte der in Raiding geborene – heute weltbekannte Komponist – Franz Liszt die Gräfin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein kennen und lieben. Der Raidinger Lisztverein war auf Spurensuche in Czernowitz und Lemberg.

45 Lisztfreunde haben sich aufgemacht, vom Mittelpunkt des Burgenlandes zum Mittelpunkt Europas – mehr als 700 Kilometer entfernt. In der altösterreichischen Stadt Czernowitz, wieder 200 Kilometer weiter, erinnert vieles an die alten Zeiten der Donau-Monarchie. Beim Rundgang in der 250.000-Einwohner-Stadt schlendern die Reisenden durch vertrautes Ambiente. Die pastellfarbenen Häuserfassaden mit Fenstern und Toren könnten in einer altösterreichischen Kurstadt zu finden sein. Immerhin, Czernowitz wurde vor 250 Jahren erstmals Teil der Habsburger-Monarchie. Franz Liszt hat hier vor genau 170 Jahren Konzerte gegeben. Der Pianist wohnte damals im Schwarzen Adler auf dem Rathausplatz. Und  genau dort erinnert eine Skulptur an die damaligen musikalischen Highlights.

Die Gräfin traf er beim Konzert

In Czernowitz war der 36-jährige Liszt schon sehr verliebt. Drei Monate vorher hat der Künstler nämlich seine große Liebe getroffen. Liszt hat in Kiew nach einem vielbejubelten Konzert die Gräfin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein kennengelernt. Die sehr reiche Frau war Sponsorin der Veranstaltung und im Publikum anwesend. Beim Treffen danach hat es gefunkt. Liszt, der gerade sein Verhältnis mit der Mutter seiner drei Kinder endgültig aufgelöst hatte, wurde von der Gräfin auf deren Anwesen in Woronince eingeladen. Liszt genoss die Tage, wird berichtet. Noch heute zeugen davon Liszts Kompositionen, wie die Ukrainische Ballade, die er Carolynes Tochter Marie gewidmet hatte. Vom Gut in Woronince ist heute nichts mehr erhalten, wird berichtet.

„Starke Persönlichkeit“

Manfred Fuchs, der als Obmann des Raidinger Franz Liszt Vereines die Reise organisiert hatte, sieht sein Ziel erfüllt: „Die Gräfin war eine starke Persönlichkeit und eine wichtige in Liszts Künstlerleben. Sie gab ihm, nicht zuletzt durch ihr Vermögen, Ruhe und Sicherheit. Und sie animierte ihn zum intensiven Komponieren.“

Höhepunkt der Spurensuche des Lisztvereines war die Stadt Lemberg, die Hauptstadt des damaligen Galizien. Der Reiseführer hat bewusst den Rundgang abgeändert. Foto-Stopp in der „Lisztstraße“, einer kleinen Gasse mitten in der Großstadt mit 750.000 Einwohnern. Gewohnt hat Liszt im damaligen „Hotel de la Russie“. An der Stelle des damals ersten Hotels am Platz steht heute wieder eines. Und die Reisegruppe registriert die damalige Berühmtheit Franz Liszts.

Liszts Liebestraum auf Orgel und Panflöte

Liszts Musik erwartet die Reisenden im Exklusiv-Konzert in der städtischen Orgelhalle. Liszts „Liebestraum Nr. 3“ auf Orgel und Panflöte. Ein einmaliger Konzertgenuss. Lisztvereins-Obmann Manfred Fuchs setzt mit den Liszt-Reisen die Initiativen seiner Vorgänger Prof. Johann Erhardt, Hans Tesch und Gerhard Winkler fort: Budapest, Wien, Weimar, Bayreuth, Rom, St. Petersburg, Paris, Weimar und Bayreuth – und jetzt die Ukraine. „Geplant sind im nächsten Jahr, dem 50sten Jahr nach der Gründung des Vereines, Reisen nach Lissabon und Gibraltar“, erklärt Fuchs.

Religionen friedlich nebeneinander 

Lemberg allein war die Reise wert. Überall prachtvolle Fassaden, ein prunkvolles Opernhaus und ein „Wiener Kaffeehaus“, in dem Kaiser Franz Joseph von der Wand lacht. Es war ein Kontakt mit einem anderen Kulturkreis, in dem auch drei verschiedene Religionen friedlich nebeneinander leben.

Mit dem Abschluss der ukrainischen Spurensuche hätte jedenfalls auch Franz Liszt seine Freude gehabt. Auf der Heimreise spielte in Ungarn eine Zigeunerkapelle ungarische Weisen.