Der Weinort Deutschkreutz. Nüchtern betrachtet.

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Foto: A.Z.

30 Fakten, die Sie über das Rotweinzentrum wissen sollten.

Der Wein ist im Mittelburgenland aus Tourismus, Wirtschaft und Gesellschaft nicht wegzudenken. Aushängeschild ist die Rotweinsorte Blaufränkisch, sie hat dem „Blaufränkischland“, wie die Weinbauregion genannt wird, ihren Namen gegeben. Der Hauptort ist Deutschkreutz. Hans Tesch hat für BURGENLAND MITTE bei Funktionären, Winzern und in Dokumenten recherchiert; er bringt 30 Fakten, die Sie kennen sollten.

1. Die Größe

Die Weinbaufläche beträgt 720 Hektar. Das sind 38 % der Weinbaufläche des gesamten Blaufränkischlandes (1.900 ha), 6 % der Rebfläche des gesamten Burgenlandes (12.300 ha) und 1,6 % der Weinbaufläche Österreichs (45.500 ha). Die Deutsch­kreutzer Winzer bewirtschaften mehr als 1.500 Weingärten mit einer Gesamtfläche, die etwa halb so groß ist wie das Weinbaugebiet Wachau.

2. Die Top-Lagen

Jeder Winzer „schwört“ auf sein Weinbaugebiet. Unbestritten zu den besten Lagen gehören die Rieden Hochberg, Mitterberg, Goldberg, Fabian, Siglos, Satz, Kart und Steinriegel.

3. Die Böden

Vorherrschend sind mittelschwere bis schwer sandige Lehmböden mit großer Wasserspeicherfähigkeit, was in trockenen Jahren sehr positiv ist. In den Toplagen findet man Kalksandstein im Untergrund, der Mineralität und Würze bringt. Auf dem Hotter des Ortsteiles Girm befinden sich sehr gute Weißweinlagen.

4. Das Mikro-Klima

Das Deutschkreutzer Weinbaugebiet ist das einzige im Bezirk, das vom Neusiedler See beeinflusst wird. Immerhin sind es nur sieben Kilometer Luftlinie zum ungarischen Teil des Sees. Das bewirkt zum Beispiel einen Vegetationsvorsprung von meist zehn Tagen gegenüber dem benachbarten Weinbaugebiet Horitschon. Und es ermöglicht sogar die Produktion von extrasüßen
Trockenbeerenauslesen.

5. Die Rebsorten 

Auf mehr als der Hälfte der Flächen findet man die Rotwein-Sorten Blaufränkisch und Zweigelt. Dazu kommen Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und St. Laurent. Der Anteil der Weißweinsorten macht rund ein Sechstel der Gesamtfläche aus. Es dominiert der Grüne Veltliner, dazu kommen Chardonnay, Sauvignon Blanc und Welsch­riesling. Der Blaufränkische ist die Paradesorte, doch nirgendwo sonst im Bezirk gibt es einen so hohen Weißwein-Anteil.

6. Die Weinbauern

Der örtliche Weinbauverein zählt 75 Mitglieder. Rund 30 von ihnen erzeugen Wein, füllen ihn in Flaschen und vermarkten diese selbst. Drei Weinbauern sind ganz große Weinproduzenten, die ihren Wein „im Gebinde“ verkaufen, was dazu führt, dass jeder fünfte Liter Deutschkreutzer Wein den Ort in Tankwagen verlässt. Ein paar Weinbauern erzeugen keinen Wein; sie verkaufen die Trauben an Händler oder Weinbau-Kollegen.

Obmann des Weinbauvereines ist Albert Gesellmann. Er sieht im Ort eine positive Entwicklung: „In den letzten zehn Jahren hat zwar jeder dritte Winzer aufgegeben, allerdings haben sich dadurch die bewirtschafteten Flächen der verbleibenden Betriebe vergrößert. Und positiv ist auch, dass unsere Betriebe in Familienbesitz geblieben sind.“

Ein anderer Spitzenwinzer aus Deutschkreutz, Walter Kirnbauer, steht an der Spitze aller Winzer der Region; er ist Präsident des Verbandes Blaufränkischland.

7. Bio-Weine sind die Ausnahme

Die Deutschkreutzer bleiben bei der traditionellen, umweltschonenden Produktion. Walter Kirnbauer und Gerhard Pfneisl zum Beispiel streichen ihre „zertifiziert nachhaltige“ Produktionsmethode hervor, Albert Gesellmann ist seit zwei Jahren kontrollierter Bio-Winzer, das Weingut Hans Igler bewirtschaftet 10 der 40 Hektar biologisch, Silvia Heinrich produziert in Jahren mit normaler Witterung „biologisch“, und weitere Betriebe arbeiten gerade an der Umstellung auf Bio. „Orange“-Weine sind in Deutschkreutz kein Thema, ausgenommen für Bernhard Ernst, der maischevergorenen Weißwein macht.

8. Exporte bis nach China

Die Chinesen sind Rotweintrinker. Silvia Heinrich sowie Josef und Horst Gager beliefern sie bereits intensiv. Das Volumen der Exporte ist für einzelne Winzer nennenswert. So liefert Albert Gesellmann 20 bis 25 Prozent eines Weinjahrgangs ins Ausland, hauptsächlich nach Deutschland, in die Schweiz, nach Dänemark und Australien. Walter Kirnbauer ist stolz auf seine Schweiz-Exporte, für Waltraud Reisner-Igler  stehen Deutschland, die Schweiz und Belgien an vorderster Stelle und Monika Strehn nennt Deutschland und die USA als Lieferländer. Klein, aber stark im Export, ist der Newcomer Bernhard Ernst; er ist stolz auf einen Exportanteil von „60 Prozent“.

9. Wo der Boss eine Frau ist

In praktisch allen Weinbaubetrieben spielen die Frauen eine wesentliche Rolle, vielfach bei der Arbeit im Weingarten, häufig bei Buchhaltung und Organisation. In drei – höchst erfolgreichen – Betrieben gibt eine Frau als Chefin den Ton an. Waltraud Reisner-Igler hat den Betrieb von ihrem Vater Hans Igler übernommen, bewirtschaftet 40 Hektar und führt ihn gemeinsam mit Sohn Clemens – unterstützt vom Gatten Wolfgang Reisner.

Silvia Heinrich leitet in Eigenverantwortung das 36 Hektar umfassende Weingut, das ihr Vater Johann aufgebaut hat. Mehr über die innovative Winzerin unter Punkt 13, unter „11 Frauen und ihre Weine“.

Und Monika Strehn ist Chefin im 50 Hektar großen Betrieb der Familie, in dem auch ihre Tochter und die beiden Söhne mitarbeiten.

10. Die Top-Winzer

Ein Erfolg hat viele Komponenten. Ein Teil ist die öffentliche Anerkennung der Leistung. Früher waren es die Goldmedaillen bei den Prämierungen. Für die heutigen Top-Winzer sind es vor allem die Reihungen und Platzierungen ihrer Weine und ihres Betriebes in den großen Fachmagazinen.

An der Spitze der vielfach ausgezeichneten Winzer steht für Deutschkreutz und auch für das Mittelburgenland Albert Gesellmann. Das Wein- und Gourmet-Magazin Falstaff reiht ihn unter die „Top 10 Österreichs“ und Vinaria, nach Eigendefinition Österreichs Zeitschrift für Weinkultur, gibt ihm die Höchstbewertung von 5 Kronen, die nur noch weitere 14 Winzer in ganz Österreich erhalten haben. Es folgen eine Reihe von höchst prämierten und oft gereihten Betrieben; in Anlehnung an das Vinaria-Magazin sind es Hans Igler, Silvia Heinrich, Walter Kirnbauer, Josef Gager, Bernhard Ernst, Pfneisl United Vineyards, Josef und Maria Reumann, Grenzlandhof Reumann und Josef Igler. Mit Auszeichnungen glänzen auch die meisten anderen Winzer; so hat Rudolf Dorner im Vorjahr mit einem Pinot Noir den Landessieger gestellt.

11. Next generation

In einigen Betrieben drängen Töchter und Söhne vor und kämpfen um ihren Platz im Weingut.

Clemens Reisner, Enkel des Rotweinpioniers Hans Igler, lenkt – nach Praktika in Bordeaux und Australien – die Arbeiten in den Weingärten und im Keller. Er geht aber zusätzlich einen eigenständigen Weg innerhalb des renommierten Familien-Weingutes. Er bewirtschaftet eigene Weingärten mit 45 Jahre alten Reben. Er setzt auf Blaufränkisch reinsortig, lässt die Weine länger vergären, praktiziert die temperaturkontrollierte Vergärung – und vermarktet seine Produkte als eigene Serie.

Lisa Pfneisl sorgt für Öffentlichkeit mit einem „Wrapped Wine“, einem bodenständigen – in bestimmten Jahren sogar ungefilterten – Wein in 100-Prozent-Altglasflasche und eingewickelt in ausgesuchtem Recyclingpapier. Das Weinkonzept beschreibt die 27-jährige Deutschkreutzerin, die im Familienweingut in Kleinmutschen arbeitet, mit nachhaltig, ökologisch, bodenständig, vegan und trendig. Und der Name der Wein-Serie deutet auf sie selbst hin: „Offspring“, was soviel wie Nachwuchs bedeutet.

Auf eine andere Weise sorgen die Geschwister Pia Strehn (Marketing), Patrick Pfneisl (Kellermeister) und Andy Pfneisl (Koch) dafür, dass das Weingut ihrer Mutter Monika positiv im Mittelpunkt steht. Sie haben die Idee eines kreativen Nobel-Heurigens verwirklicht und damit das gastronomische Angebot des Ortes und der Region bereichert. Sie punkten mit außergewöhnlichen Speisen, besonderem Ambiente im ansprechenden Gutshof und einem exzellenten Service. Und sogar die Spitzenweine des Hauses gibt es glasweise zu verkosten. Gelungen ist ein regelrechter Blitz-Start. Vom Wein- und Genuss-Magazin Falstaff wurde der Heurige Strehn als bester Heuriger des Mittelburgenlandes gereiht.

Weinbauvereinsobmann und Spitzenwinzer Albert Gesellmann sieht darüberhinaus weiteren engagierten Winzer-Nachwuchs im Ort und nennt als Beispiele die Namen Mario Felder, Christian Kirnbauer und
Michael Kovacs.

12. Der „junge Wilde“ 

Ein Musterbeispiel für einen radikalen Neu-Anfang zeigt Bernhard Ernst vor. Er hat den elterlichen Betrieb adaptiert und ein typisches „Garagenweingut“ daraus gemacht. Er arbeitet nach alten Methoden und führt die Vergärung – wie früher – in kleinen offenen Bottichen durch: „Keine Konzentration des Mostes, kein Einsatz von Holzchips, künstlichen Tanninen, Reinzuchthefen oder Bakterien. Alle Weine werden spontan vergoren, lange auf der Hefe gelagert und je nach Jahrgang unfiltriert abgefüllt.“ Seinen exklusiven Blaufränkisch verkauft er um 100 Euro die Flasche – und hält das für angebracht. Cuvée Jahrgang 2009, Blaufränkisch von Goldberg und Hochberg, 6,5 % Säure, trocken mit 1,4 Gramm Restzucker, aber hohem Alkoholgehalt von 14 Prozent. Ernst übertrifft als ehrgeiziger junger Winemaker – beim Preis – die Großen der Rotweinszene. Mit 60 % hat er einen der höchsten Exportanteile im Burgenland.

13. Die Deutschkreutzerin unter den „11 Frauen und ihre Weine“    

Jeder Weinort hat seine Aushängeschilder. Silvia Heinrich ist es auf ihre charmante und kompetente Art. Sie ist die einzige Deutschkreutzerin, die zum österreichweiten Zusammenschluss „11 Frauen & ihre Weine“ gehört. Diese machen – nach Selbstbeschreibung – einen Wein, „den viele Männer gerne machen würden“. Die Deutschkreutzerin schätzt die „ehrliche Freundschaft“ und die Hilfe, die die Winzerinnen einander geben. Für Silvia Heinrich ist Winzerin zu sein nicht Beruf, sondern Berufung. Und für sie ist es ein „Schatz“, den Blaufränkisch als Hauptsorte zu haben. Ihr Ziel: Spezialisierung auf reinsortigen Blaufränkisch. Die Basis ist vorhanden: 80 Prozent ihrer Reben sind Blaufränkisch – zu verkosten in sieben Ausbaustufen.

Auch beim Vermarkten ist Silvia Heinrich kreativ und engagiert. 30 Prozent ihres Weines liefert sie ins Ausland, einen beachtlichen Teil davon nach China. „Rotwein wärmt Herz und Körper und bringt Glück“, sagen – laut Winzerin – die Chinesen. Im Inland ist eine Verkaufsschiene der Zusammenschluss der Vitikult-Winzer. Der Plan war, einen Wein um 10 Euro anzubieten, der jedoch mehr kann. Begonnen hat Vitikult vor 14 Jahren mit neun Betrieben, jetzt sind es nur noch drei. Silvia Heinrich ist als Letzte aus Deutschkreutz noch dabei.

14. Der Rotwein-Pionier

Der Deutschkreutzer Hans Igler gilt als Leitfigur des Rotweines im Burgenland und als einer der Pioniere in ganz Österreich. Der 1994 Verstorbene hat mit seinem Können und seinem Experimentiergeist österreichweit auf Deutschkreutz und die Rotweinregion Mittelburgenland aufmerksam gemacht. Er war es, der sich Anfang der achtziger Jahre aus Frankreich kleine, gebrauchte Eichenfässer, sogenannte Barriques, liefern hat lassen, um zu testen, wie sich der mittelburgenländische Rotwein in diesem Fass ausbauen lässt. Er war es auch, der in Österreich begonnen hat, den Säureabbau biologisch durchzuführen. Hans Igler hat mit seinen Spitzenweinen von einer Fachjury mehrmals die Auszeichnung „Falstaff-Sieger“ für den besten österreichischen Rotwein zuerkannt bekommen. Er war ein charismatischer Lehrmeister für viele burgenländische Weinbauern.

15. Deutschkreutz vorne – und vorne dabei

Deutschkreutz hat – mit Hans Igler – die ersten Falstaff-Sieger in Österreich gestellt. Er und andere Deutschkreutzer haben maßgeblich daran mitgearbeitet, die Stilrichtung der Rotwein-Cuvée zu beeinflussen. Walter Kirnbauer bezeichnet seinen Spitzenwein „Das Phantom“ stolz als erste Rotwein-Cuvée Österreichs. Andere Cuvée-Highlights der ersten Stunde sind Vulcano (Hans Igler), Opus Eximium (Albert Gesellmann) oder Quattro (Josef Gager).

16. Die Architektur der Weingüter und Keller 

Zum perfekten Weinerlebnis gehört nicht nur der Wein selbst, sondern auch der Platz, wo der Wein „wohnt“. In Deutschkreutz gibt es eine Reihe von sehenswerten Weingütern, Verkostungsräumen und Kellern, in denen fachkundige Führungen gemacht und kommentierte Verkostungen durchgeführt werden. Es sind nicht romantische Kellergewölbe, die locken. Es sind vorbildlich restaurierte historische Räumlichkeiten ebenso, wie neue Bauten innovativer Architekten. Adressen zum Architektur-Schauen: das moderne „Chateau“ von K+K Kirnbauer mit dem dominanten Barriquekeller in der unteren und der traumhaften Ausblicksterrasse in der oberen Etage; der beeindruckende Barriquekeller von Albert Gesellmann im kalifornischen Stil, der vor 300 Jahren erbaute historische Schaflerhof von Reisner-Igler, in dem die Barriquefässer wie in einer Kathedrale aufgebahrt wirken, der moderne Designer-Bau von Josef Gager neben der katholischen Kirche oder das Weingut Pfneisl, eine innen wie außen schwarze Box mit riesiger Glasfront, inmitten von Weingärten in Kleinmutschen.

17. Heurigentradition

Thomas Weber, Inge Leser, die Familie Zistler, Friedl Reumann oder Martin Gradwohl. Alles durchwegs kleine Weinbauern, die ein paar Mal im Jahr ihren Buschenschank-Betrieb für zwei bis drei Wochen aufsperren.  Serviert werden regional-typische Schmankerl und gepflegte Eigenbauweine. Insider wissen, dass in Deutschkreutz – fast immer – irgend ein Heuriger geöffnet hat. Und seit zwei Jahren gibt es auch das Schenkhaus der Familie Strehn, das mit kulinarischen Überraschungen punktet. Sogar Weinbergschnecken, Gazpacho, Gänse-Maki oder Delikatessen vom Schaf standen schon auf der Speisekarte.

18. Wohnen im Weingut 

Wer eine Weinverkostung wirklich genießen will, braucht ein „Taxi“ oder eine Unterkunft für danach. In Deutschkreutz bieten die Weingüter Gager und Heinrich sowie der Blaufränkischhof Zistler Gästezimmer direkt im Weingut an. Zielführende Adressen, auch für einen Urlaub am Weinbauernhof.

19. Vinatrium-Gebietsvinothek     

Die Weinfreunde freut’s. Es gibt einen Keller, in dem Weine von 50 Winzern des gesamten Blaufränkischlandes zu verkosten und zu Ab-Hof-Preisen zu kaufen sind. In der Gebietsvinothek lagern mehr als 400 verschiedene Weine, darunter die Top-Rotweine Österreichs. Ein großes Verdienst der Gemeinde Deutschkreutz, auf das Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Manfred Kölly stolz hinweist: „Die Gemeinde hat das historische Gebäude mit dem Gewölbekeller gekauft und rund eine Million Euro investiert. Die Gemeinde stellt das Gebäude zur Verfügung, primär den Deutschkreutzer Winzern, aber darüber hinaus den Winzern der gesamten Region. Damit wurde ein Angebot geschaffen, das nicht nur die Weinwirtschaft, sondern auch den Tourismus in Deutschkreutz belebt.“ Im Hause – genannt Vinatrium – untergebracht ist außerdem eine „Wein-Lounge“ und einer der attraktivsten großen Veranstaltungsräume der Region.

20. Weinfestival und „Offene Kellertüren“  

Alljährlich am zweiten Juli-Wochenende findet das Rotweinfestival Mittelburgenland statt. Eine der größten Weinveranstaltungen des Burgenlandes. Täglich präsentieren Spitzenwinzer aus dem Blaufränkischland mitten im Ort ihre Weine – begleitet von stimmiger Musik. Während des Festivals gibt es zwei „Tage der Offenen Kellertür“. So kann man Weine verkosten, das Ambiente des Weinguts kennenlernen und sich mit den Produzenten über Qualitäten, Tannine und Besonderheiten unterhalten. Am Festival, das heuer am 13. Juli beginnt, nehmen 20 Deutschkreutzer Winzer teil.  Darüber hinaus präsentieren sich auch einzelne Kollegen aus Neckenmarkt, Horitschon, Raiding, Draßmarkt, Kleinmutschen und Lutzmannsburg.

21. Wo einem die hohe Geistlichkeit zuprostet 

Die Deutschkreutzer wissen zu feiern. Ob Weintaufen oder Kellersegnungen, ob im Kreise der Weinritter oder mit hunderten Gästen bei der Eröffnung des Weinfestivals. Und immer wieder sind Prominente dabei. Ein oft gesehener Gast und Zelebrant ist Toni Faber, der Dompfarrer von St. Stephan in Wien. Er hat den Neubau des Weingutes Gager gesegnet und zuletzt den jungen Wein von Maria und Hans Hofstädter getauft. Und beim Weinfestival ist Toni Faber Ehrengast. Ebenso der römisch-katholische Ortspfarrer von Deutschkreutz, Franz Brei. Der „singende Pfarrer“ segnet die Deutschkreutzer Weine alljährlich am 27. Dezember, am Festtag des Heiligen Apostels
Johannes.

22. Koscherer Wein

Es hat ihn vor ein paar Jahrzehnten noch gegeben, den nach jüdischen Religionsvorschriften erzeugten Wein. Koscherer Wein wurde vom Weingut Wrann produziert und vermarktet. Historische Basis für den koscheren Wein ist die jüdische Vergangenheit von Deutschkreutz mit der überregional bedeutenden Talmud-Schule. Zelem – das ist der hebräische Name für Deutschkreutz – gehörte zu den jüdischen „Sieben-Gemeinden“, und stand somit – ebenso wie Lackenbach, Kobersdorf, Mattersburg, Eisenstadt, Frauenkirchen und Kittsee – unter der Schutzherrschaft der Esterházys. Das bewirkte einen Zuzug von aus anderen Gebieten vertriebenen Juden. In Deutschkreutz lebten vor gut 150 Jahren bis zu 1.250 Juden, was einem Anteil von knapp 40 Prozent an der Gesamtbevölkerung entsprach. Vor 100 Jahren war Deutschkreutz–Zelem noch die größte Judengemeinde des Burgenlandes. Heute gibt es keinen jüdischen Bewohner und keine Synagoge mehr – und auch keinen koscheren Wein. Übrigens: Die Redewendung, jemandem reinen Wein einschenken, geht auf den koscheren Wein zurück.

23. Winzergenossenschaft wurde privatisiert

Vielen erfolgreichen Winzern stand jahrelang in Deutschkreutz eine glücklose Genossenschaft gegenüber. Die Qualität und der wirtschaftliche Erfolg wollten sich nicht einstellen. Eine geplante Fusion mit den Winzergenossenschaften Horitschon und Neckenmarkt scheiterte. Der Mitgliederschwund und hohe Schulden zwangen zum Handeln. Der Verkauf des „Winzerkellers“ wurde ausgeschrieben. Vor sieben Jahren haben Maria und Michael Höferer Gebäude und Gerätschaften gekauft – und betreiben dort heute ihre „Deutschkreutzer Weinmanufaktur“.

24. Big-Bottle-Winzer

Magnum, Doppelmagnum, Jeroboam, Imperial, Methusalem, Salmanasar, Balthasar, Nebukadnezar – das sind die Bezeichnungen für die Großflaschen von 1,5 Liter bis 15 Liter. Sie machen Eindruck und sind gefragt. Und werden von einigen Winzern in Deutschkreutz gerne für Private und die Gastronomie gefüllt. „Melchior“ nennt sich das 18-Liter-Behältnis, das zum Beispiel Albert Gesellmann mit einem seiner Topweine füllt. Die 27-Liter-Flasche, genannt Goliath, wird jedoch nicht gefüllt; da würde die leere Flasche schon an die 1.000 Euro kosten.

25. Die teuersten Bouteillen

Die besonderen Weine der Deutschkreutzer Top-Betriebe kosten in der 0,75-Liter-Flasche zwischen 30 und 150 Euro. 32 Euro verlangt Waltraud Reisner-Igler für den „Ab Ericio“, 100 Euro der weit weniger bekannte Bernhard Ernst für seinen Exklusiv-Cuvée. Dazwischen liegen der G von Gesellmann mit 56 Euro, der cupido oder elegy von Silvia Heinrich mit 58 Euro und der Forever von K+K Kirnbauer mit 72 Euro. Die teuersten Bouteillen sind jedoch nicht zu haben: Die Cuvée Gager Gold, Ernte 2009, ist im Online-Shop des Weingutes mit 149,90 Euro angeschrieben. Ebenso teuer und nicht zu haben sind die „tre grazie“, die drei Grazien, von Silvia Heinrich. Die Cuvée aus besonders selektierten Trauben der Sorten Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon – gemacht 2009 anlässlich der Geburt von Tochter Anna – ist erstmals im Dezember verkauft worden; ein Händler hat 100 Flaschen innerhalb von 24 Stunden um 150 Euro im Internet versteigert.

26. Süßweine

Man würde sie hier nicht vermuten, doch Deutschkreutz hat sie: zuckersüße Prädikatsweine. Spezialist für Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eisweine ist das Weingut Gesellmann, wo schon seinerzeit Engelbert Gesellmann damit brilliert hat. „Der Jahrgang 2013 kommt bald auf den Markt. Und von den Jahrgängen 2014 und 2015 wird es auch Trockenbeerenauslesen geben“, kündigt Albert Gesellmann an. Dass die Deutschkreutzer Süßweine von hoher Qualität sind, zeigen die Auszeichnungen: „2004 haben wir den besten Süßwein Österreichs gestellt. Und in England waren wir vor neuen Jahren mit einem Jahrgang 2004 im Stechen um die Trophy, den besten Süßwein der Welt.“ Gesellmann ist nicht der einzige mit Süßweinen. Aktuell im Online-Shop der Gebietsvinothek erhältlich sind neben der Beerenauslese von Gesellmann, eine Beerenauslese und ein Eiswein vom Weingut Kovacs, ein Eiswein Blaufränkisch vom Grenzlandhof Reumann und zwei Spätlesen vom Weingut2Leser.

27. Spezialitäten rund um  Trauben und Wein

Keinen Trend verschlafen! Daran halten sich viele hier. Es gibt Traubensaft, Traubenkernöl, Wein- und Tresterbrände, hauseigenen Frizzante sowie Winzersekt. Und im Weingut Heinrich bietet die Chefin ein „Traubenkern-Gewürz“ an; selbst in der Sonne getrocknete Traubenkerne vermischt mit Meersalz und Kräutern.

28. Präsentieren geht über Studieren

Die meisten Deutschkreutzer wissen sich zu vermarkten. Selbstbewusstes Auftreten ist ihnen nicht fremd. Ein Beispiel von mehreren: Josef und Maria Reumann gehen den Weg zum exklusiven Produkt. Ihre Weine sind nicht im Lebensmittelhandel erhältlich, man bewirbt sie bei Event-Präsentationen in Hotels und auf Golfplätzen.

29. Sehenswürdigkeiten – wenn die Flaschen Pause machen   

Der Wein zählt in Deutschkreutz viel, er ist aber nicht alles. Es gibt einiges zu sehen und zu besichtigen. Nicht versäumen sollte man das Schloss Deutschkreutz mit der Galerie des Besitzers, des akademischen Malers Prof. Anton Lehmden. Sehenswert ist die römisch-katholische Pfarrkirche mit den Kreuzwegbildern von Prof. Lehmden und das Carl-Goldmark-Museum; eingerichtet im Wohnhaus, in dem der Komponist seine Kindheit und frühe Jugend verbrachte. Wer gerne spazieren geht, dem bieten sich 40 Marterl und Denkmäler an, der Plattenbrunnen in Girm, das Ökoland und der Heilkräuterlehrpfad. Ein Muss für Familien mit Kindern ist das private Gehege von Franz Bauer in der Nähe des Schlosses mit Damhirschen,  Lamas, Nandus und Alpakas.

30. Das Heilwasser für den „Tag danach“: Juvina  

Für Weinkenner ebenso interessant wie für Touristen und Sportler ist die Rudolfsquelle außerhalb des Ortes. Das Mineral- und Heilwasser, abgefüllt unter „Juvina“, lagert nach einer Untersuchung des Geotechnischen Institutes in Wien seit 37.000 Jahren unter der Erde. Nach Angaben des Eigentümers, der Familie Starzinger aus Oberösterreich, ist das Deutschkreutzer Mineralwasser wegen der Kombination der Mineralstoffe das beste Mittel gegen einen „Kater“ am Tag danach.