Wolfgang Böck: „Ich bin ein Narr – im positiven Sinne.“

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Foto: zVg Schlossspiele

Alter: 64, Sternzeichen: Steinbock, Aszendent: Skorpion

Lebenslauf
Geb. 1953 in Linz; Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz mit Auszeichnung abgeschlossen; lebt in Wien und Draßburg im Burgenland. Viele Preise und Auszeichnungen, unter anderem drei Mal den Fernsehpreis „Romy“ für den „Beliebtesten Serienstar“ und „Beliebtesten Schauspieler“. Seit 30 Jahren freier Schauspieler mit Verpflichtungen am Theater in der Josefstadt, Volkstheater Wien, Schauspielhaus Zürich, Opernhaus Graz, Renaissancetheater Berlin, an der Volksoper Wien und bei den Salzburger Festspielen; zahlreiche Film- und Fernsehengagements.

Wolfgang Böck ist Gründungsmitglied des Wald4tler Hoftheaters und setzt sich als MPS-Botschafter für öffentliches Bewusstsein über die angeborene Stoffwechselerkrankung MukoPolySaccharidosen (MPS) ein. Drei Bücher sind entstanden nach kulinarisch-kulturellen Reisen mit Autor Günther Schatzdorfer, und er tritt mit Band mit dem Konzertprogramm „boeck.privat@habtsmigern.ade“ auf. Seit 14 Jahren ist Wolfgang Böck künstlerischer Leiter der Schloss-Spiele Kobersdorf.

Das bin ich
„ … ein Narr im positiven Sinne, nicht den Regeln angepasst. Das geht ja gar nicht anders in meinem Beruf. Man muss Kind bleiben, und wenn man eine kindliche Seele hat, dann wirkt man natürlich auf die Umwelt irgendwie verrückt – auch wenn man 64 Jahre alt ist.“

Mein Markenzeichen
„Ich versuche, so ehrlich wie möglich meinen Beruf auszuüben. Ohne Sperenzchen. Ich versuche immer, den Figuren, die ich spiele, auf den Grund zu kommen, und sie als Menschen erkennbar zu machen. Viele Leute sagen, sie erkennen mich an meiner Stimme – scheint auch ein Markenzeichen zu sein. Und ich bin ein bodenständiger Mensch. Ich hab in all den Jahren den Boden unter den Füßen nicht verloren – auch bei großen Erfolgen.“

Viele sagen über ihn: „Ein Mensch mit einem Tschik in der Hand.“

Was mich besonders geprägt hat
„Da gibt es verschiedene Dinge, im Positiven wie im Negativen. Die Begegnung mit meiner Frau war ein entscheidender Wendepunkt in meinem Leben. Weil, wenn man das Glück hat, dass man jemandem begegnet, mit dem man dann so lange Jahre beisammen ist, einen Sohn hat und nach 30 Jahren noch immer Spaß miteinander hat, dann ist das ein Glücksfall. Das war auch deshalb ein prägender Moment, weil es meinen Lebensweg mitbestimmt hat.“

Mein Stolz
„Ich bin stolz auf meine Integrität, die ich mir erhalten konnte über all die Jahre. Was gar nicht so einfach ist, wie man meinen möchte. Und ich bin immer wieder stolz auf meine Arbeit. Wenn ich Kobersdorf hernehme: wenn wir jeden Sommer eine schöne Produktion zusammenbringen, bin ich stolz, nicht nur auf mich selbst, sondern auf die ganze Truppe.“

Meine bekannteste Rolle
„Ich hab so viele Rollen in meinem Leben gespielt. Natürlich machen die Rollen im Fernsehen, in einer Serie, bekannt. Wenn es glückt, eine Figur so zu kreieren, wie es mir mit dem Kieberer Trautmann geschehen ist, gibt das ein gewisses Branding.“ Zusatz: Für seine authentische Darstellung dieses „Gruppeninspektors“ wurde Wolfgang Böck von der Vereinigung der Bundeskriminalbeamten Österreichs zum „Ehrenkieberer“ ernannt und von Exekutivbeamten mit der „Goldenen TV Handschelle“ ausgezeichnet.

Mein Lieblingsspruch
„Man ist immer wieder inspiriert von dem, was man gerade in seiner Arbeit macht. Im Stück „Der zerbrochne Krug“ geht es letztlich um die Wahrheit, um die Wahrheitsfindung und – wenn man es vonseiten meiner Rolle, des Dorfrichters Adam, sieht – um die Wahrheitsvertuschung. Sie soll nur ja nicht ans Tageslicht kommen, das hätte fatale Folgen. Mark Twain soll das gesagt haben: Die Wahrheit ist unser kostbarstes Gut, lasst uns sparsam damit umgehen!“

Mein Ort zum Entspannen
„Den hab ich wirklich. Es sind mein Domizil, das ich in Draßburg habe, und ganz speziell der Neusiedler See. Ich hab ein Boot in Oggau und wann immer ich Zeit habe, verbringe ich sie am See draußen. Das ist wirklich leiwand. Der See ist Natur, Entspannung, Abenteuer, Freude. Den See liebe ich sehr.“

Lehren meines Lebens
„Man muss die Dinge grundsätzlich hinterfragen, und man muss auch den Erfolg hinterfragen. Natürlich ist es schön, wenn man Erfolg hat, wenn man sehr, sehr viel Erfolg hat. Man muss aber dem Erfolg eine gewisse Wertigkeit geben. Als mir die Medienpräsenz mit dem ‚Trautmann‘ passiert ist, war ich schon relativ alt – keine 20 oder 25 mehr. Dann wär‘s vielleicht schwieriger gewesen, weil da könnte man das Gefühl haben, man ist wer.“

Meine Versäumnisse
„Ich habe nichts versäumt. Ich bin durchaus mit meinem Leben so zufrieden, wie es ist.“

Mein Ausgleich
„Das Motorradfahren, unter anderem. Mit dem Segeln hab ich wieder aufgehört – aber auf den See hinausfahren mit einem Boot, das ist Ausgleich, Entspannung pur. Motorradlfahren ist lustig. Ich hab’ Spaß dabei, meine alten Autos zu bewegen. Gartenarbeit ist Ausgleich für mich. Und ich lese gerne.“

Mein Lebensmotto
„Den Tag genießen. Carpe diem. Es ist der Tag, so wie er ist, zu genießen – und auch zu nützen. Das lernt man, wenn man älter wird. Dann wird einem die Endlichkeit bewusst, dass es aus ist irgendwann einmal. Deshalb sollte man den Tag, den Augenblick genießen, auch für den Moment leben. Und man sollte mit den Mitmenschen gut umgehen. Was mich wirklich traurig machen würde, wäre, wenn ich – gewollt oder ungewollt – jemanden verletzt hätte, und ich könnte das nicht mehr gutmachen.“

Mein Talisman
„Für meine Arbeit habe ich keinen Talisman. Allerdings trage ich einen Ohrring, den ich vor vielen Jahren als junger Mann von einer Frau geschenkt bekommen habe. Den trage ich. Den hab’ ich auch schon manchmal verloren, hab‘ ihn aber immer wieder gefunden, erstaunlicherweise. An dem hänge ich.“ Den traditionellen Aberglauben der Bühnenschaffenden praktiziert Wolfgang Böck sehr wohl: „Pfeifen auf der Bühne bringt Unglück! Essen auf der Bühne – außer wenn es die Rolle verlangt – geht nicht; die Bühne ist gleichsam ein heiliger Raum! Und für Glückwünsche (’Toi, toi, toi’ zum Beispiel) darf man sich nicht bedanken. ‚Wird schon schief gehen‘, ist meine passende Antwort.“

Mein Anspruch als Intendant
„… in Kobersdorf nicht nur erstklassiges und handwerklich-professionelles Theater zu bieten, sondern auch eine ausgewogene Verbindung zwischen Kunst und Genuss.“

Mein Wunsch für die Schloss-Spiele
„Jede Besucherin und jeder Besucher sollte unser Gelände nach der Aufführung verlassen mit dem Gefühl, einen schönen Theaterabend genossen zu haben. Mit allem Drum und Dran, das wir im Kobersdorfer Schloss anbieten können. Dafür bemühen wir uns auch heuer vom 4. bis zum 30. Juli. Am Stück sollte es nicht liegen. Das Stück ist stark. ‚Der zerbrochne Krug‘ von Heinrich von Kleist ist eine berühmte Komödie, die seit mehr als 200 Jahren auf den Bühnen dieser Welt Bestand hat.“