„Der Test ist einfach falsch!“ Waldquelle Kobersdorf ist verärgert über das schlechte Abschneiden im VKI-Wasservergleich.

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IMG_7210Ein stilles Wasser schlägt starke Wellen. In der Juli-Nummer des Magazins „Konsument“ wird ein Test des Vereins für Konsumenteninformation VKI veröffentlicht, bei dem sogenannte stille Mineralwässer untersucht und Trinkwasser aus der Wasserleitung gegenübergestellt wurden. Den letzten Platz im Test von 12 Wässern belegt in einer Aufstellung Waldquelle aus Kobersdorf. Die Geschäftsführung in Kobersdorf wehrt sich gegen den Vorwurf mangelnder Qualität. Hans Tesch hat für BURGENLAND MITTE mit der Qualitätsmanagerin gesprochen. Diplom-Ingenieurin Kerstin Guttmann, die Leiterin der Qualitätssicherung beim Mineralwasser-Abfüller, stellt sich der Kritik und ist sichtlich erbost über die Veröffentlichung eines solchen Testurteiles.

Hans Tesch: Was sagen Sie zur Feststellung, ein Drittel der getesteten Wässer – darunter die Waldquelle – sei wörtlich „mit bedenklichen Keimen belastet“?

Kerstin Guttmann: „Der Test ist einfach falsch. Die kritisierten Keime sind vollkommen unbedenklich. Sie sind in jedem Lebensmittel drin und auch in der Luft, sie werden eingeatmet. Und weil sie unbedenklich sind, gibt es dafür auch keinen Grenz-wert, der überschritten werden könnte.“

Hans Tesch: Was werfen Sie den Testern konkret vor?

Kerstin Guttmann: „Sie vergleichen bei der Keimzahl Trinkwasser mit Mineralwasser. Das darf nicht verglichen werden. Trinkwasser darf behandelt werden! Stilles Mineralwasser hingegen ist ein natürliches Produkt. Man darf keine Chemie zusetzen, keine UV-Bestrahlung durchführen, keine Filtrationen vornehmen usw. Das ist alles nicht erlaubt.“

Hans Tesch: Was war dann los mit den 1,5-Liter-PET-Flaschen Waldquelle still, die im November abgefüllt wurden?

Foto: Waldquelle
Foto: Waldquelle

Kerstin Guttmann: „Zehn Flaschen wurden vom VKI kontrolliert. Wir haben sofort einen Kontroll-Test machen lassen. Wir haben von derselben Charge, abgefüllt zur selben Uhrzeit, vier Flaschen kontrollieren lassen, von einem akkreditierten Labor in Klosterneuburg. Die Ergebnisse waren unterschiedlich, aber alle Keimwerte waren weit niedriger als beim VKI-Test. Bei zwei Flaschen waren sogar null Keime festgestellt worden.“

Hans Tesch: Wie erklären Sie sich diese Diskrepanzen?

Kerstin Guttmann: „Mineralwasser ist ein natürliches, frisches und lebendiges Produkt, es lebt und ist nicht steril. Keime kann man also erklären. Wie es allerdings zu solch unterschiedlichen Testergebnissen kommen kann, kann ich mir nicht erklären. Leider liegen uns die VKI-Tests auch nicht im Original vor. Eine Erklärung ist somit einfach schwierig.“

Hans Tesch: Das heißt, für Sie ist das Mineralwasser, das Sie abfüllen, in Ordnung?

Kerstin Guttmann: „Mineralwasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. Einmal pro Quartal ist jedes Produkt, das wir abfüllen, zu überprüfen, und zwar innerhalb von 12 Stunden nach der Abfüllung. Es hat – das bestätigt uns die LVA, die Lebensmittelversuchsanstalt in Klosterneuburg – in den letzten Jahren keinen Anlass für eine Beanstandung gegeben.“ (Anm.: Die Analysen sind auf www.waldquelle.at ersichtlich.)

Hans Tesch: Werden Sie jetzt die Kontrollen verschärfen?

Kerstin Guttmann: Außerhalb dieser Quartalskontrollen wird im Abfüllbetrieb während jeder Füllung laufend kontrolliert. Alle zwei Stunden untersuchen wir unser Waldquelle Mineralwasser. Zudem werden die Brunnen, die Brunnenleitung, die Tanks – der gesamte Weg bis zur Flasche – überprüft. Und auch der burgenländische Lebensmittelinspektor kontrolliert laufend – auf ‚gesundheitsschädliche‘ Keime. Weil diese relevant sind, gibt es für sie auch Grenzwerte. Eine ‚Gesamtkeimzahl‘, wie sie der Test ausweist, ist nicht entscheidend.“

Hans Tesch: Wird es irgendwelche Konsequenzen im Betrieb geben?

Kerstin Guttmann: „Es wird keine Konsequenzen geben, weil der Test falsch ist.

Hans Tesch: Abseits der Keim-Vorwürfe: Ist das Kobersdorfer Mineralwasser vor Verunreinigungen sicher? 

Kerstin Guttmann: „Waldquelle entspringt am Fuße des Paulibergs, des letzten der erloschenen Vulkane Österreichs. Das Mineralwasser wird aus drei verschiedenen Quellen in Kobersdorf entnommen, gepumpt wird aus Tiefen von 60 bis mehr als 200 Metern. Abgefüllt wird direkt bei den Quellen. Gegen den Eintrag von Oberflächenwasser oder Verunreinigungen sind diese Quellen geologisch abgeschirmt. Außerdem wurde 2014 ein 76 ha großes Brunnenschutzgebiet umgesetzt.“

Waldquelle Mineralwasser ist – hinter Vöslauer – die Nummer zwei am österreichischen Mineralwassermarkt. Mit 42 Millionen Liter liegen die Kobersdorfer beim meistverkauften Gebinde – der 1,5-Liter-PET-Flasche spritzig – sogar auf Platz 1 in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt ca. 80 Mitarbeiter.

Die Waldquelle wurde vor fast 200 Jahren erstmals registriert und befand sich ursprünglich im Besitz der Familie Esterházy. Heute gehört Waldquelle – über die tschechische Carlsbader Mineralwasser AG – Alessandro Pasquale aus einer italienisch-schweizerischen Unternehmerfamilie.

DI Kerstin Guttmann, 37 Jahre alt, aus Mattersburg: Sie hat an der Universität für Bodenkultur in Wien Lebensmittel- und Biotechnologie studiert. Seit acht Jahren arbeitet sie für Waldquelle in Kobersdorf. Im Labor arbeitet sie zusammen mit drei Angestellten und einer Studentin.

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