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Hans Tesch

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IMG_7210Ein stilles Wasser schlägt starke Wellen. In der Juli-Nummer des Magazins „Konsument“ wird ein Test des Vereins für Konsumenteninformation VKI veröffentlicht, bei dem sogenannte stille Mineralwässer untersucht und Trinkwasser aus der Wasserleitung gegenübergestellt wurden. Den letzten Platz im Test von 12 Wässern belegt in einer Aufstellung Waldquelle aus Kobersdorf. Die Geschäftsführung in Kobersdorf wehrt sich gegen den Vorwurf mangelnder Qualität. Hans Tesch hat für BURGENLAND MITTE mit der Qualitätsmanagerin gesprochen. Diplom-Ingenieurin Kerstin Guttmann, die Leiterin der Qualitätssicherung beim Mineralwasser-Abfüller, stellt sich der Kritik und ist sichtlich erbost über die Veröffentlichung eines solchen Testurteiles.

Hans Tesch: Was sagen Sie zur Feststellung, ein Drittel der getesteten Wässer – darunter die Waldquelle – sei wörtlich „mit bedenklichen Keimen belastet“?

Kerstin Guttmann: „Der Test ist einfach falsch. Die kritisierten Keime sind vollkommen unbedenklich. Sie sind in jedem Lebensmittel drin und auch in der Luft, sie werden eingeatmet. Und weil sie unbedenklich sind, gibt es dafür auch keinen Grenz-wert, der überschritten werden könnte.“

Hans Tesch: Was werfen Sie den Testern konkret vor?

Kerstin Guttmann: „Sie vergleichen bei der Keimzahl Trinkwasser mit Mineralwasser. Das darf nicht verglichen werden. Trinkwasser darf behandelt werden! Stilles Mineralwasser hingegen ist ein natürliches Produkt. Man darf keine Chemie zusetzen, keine UV-Bestrahlung durchführen, keine Filtrationen vornehmen usw. Das ist alles nicht erlaubt.“

Hans Tesch: Was war dann los mit den 1,5-Liter-PET-Flaschen Waldquelle still, die im November abgefüllt wurden?

Foto: Waldquelle
Foto: Waldquelle

Kerstin Guttmann: „Zehn Flaschen wurden vom VKI kontrolliert. Wir haben sofort einen Kontroll-Test machen lassen. Wir haben von derselben Charge, abgefüllt zur selben Uhrzeit, vier Flaschen kontrollieren lassen, von einem akkreditierten Labor in Klosterneuburg. Die Ergebnisse waren unterschiedlich, aber alle Keimwerte waren weit niedriger als beim VKI-Test. Bei zwei Flaschen waren sogar null Keime festgestellt worden.“

Hans Tesch: Wie erklären Sie sich diese Diskrepanzen?

Kerstin Guttmann: „Mineralwasser ist ein natürliches, frisches und lebendiges Produkt, es lebt und ist nicht steril. Keime kann man also erklären. Wie es allerdings zu solch unterschiedlichen Testergebnissen kommen kann, kann ich mir nicht erklären. Leider liegen uns die VKI-Tests auch nicht im Original vor. Eine Erklärung ist somit einfach schwierig.“

Hans Tesch: Das heißt, für Sie ist das Mineralwasser, das Sie abfüllen, in Ordnung?

Kerstin Guttmann: „Mineralwasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. Einmal pro Quartal ist jedes Produkt, das wir abfüllen, zu überprüfen, und zwar innerhalb von 12 Stunden nach der Abfüllung. Es hat – das bestätigt uns die LVA, die Lebensmittelversuchsanstalt in Klosterneuburg – in den letzten Jahren keinen Anlass für eine Beanstandung gegeben.“ (Anm.: Die Analysen sind auf www.waldquelle.at ersichtlich.)

Hans Tesch: Werden Sie jetzt die Kontrollen verschärfen?

Kerstin Guttmann: Außerhalb dieser Quartalskontrollen wird im Abfüllbetrieb während jeder Füllung laufend kontrolliert. Alle zwei Stunden untersuchen wir unser Waldquelle Mineralwasser. Zudem werden die Brunnen, die Brunnenleitung, die Tanks – der gesamte Weg bis zur Flasche – überprüft. Und auch der burgenländische Lebensmittelinspektor kontrolliert laufend – auf ‚gesundheitsschädliche‘ Keime. Weil diese relevant sind, gibt es für sie auch Grenzwerte. Eine ‚Gesamtkeimzahl‘, wie sie der Test ausweist, ist nicht entscheidend.“

Hans Tesch: Wird es irgendwelche Konsequenzen im Betrieb geben?

Kerstin Guttmann: „Es wird keine Konsequenzen geben, weil der Test falsch ist.

Hans Tesch: Abseits der Keim-Vorwürfe: Ist das Kobersdorfer Mineralwasser vor Verunreinigungen sicher? 

Kerstin Guttmann: „Waldquelle entspringt am Fuße des Paulibergs, des letzten der erloschenen Vulkane Österreichs. Das Mineralwasser wird aus drei verschiedenen Quellen in Kobersdorf entnommen, gepumpt wird aus Tiefen von 60 bis mehr als 200 Metern. Abgefüllt wird direkt bei den Quellen. Gegen den Eintrag von Oberflächenwasser oder Verunreinigungen sind diese Quellen geologisch abgeschirmt. Außerdem wurde 2014 ein 76 ha großes Brunnenschutzgebiet umgesetzt.“

Waldquelle Mineralwasser ist – hinter Vöslauer – die Nummer zwei am österreichischen Mineralwassermarkt. Mit 42 Millionen Liter liegen die Kobersdorfer beim meistverkauften Gebinde – der 1,5-Liter-PET-Flasche spritzig – sogar auf Platz 1 in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt ca. 80 Mitarbeiter.

Die Waldquelle wurde vor fast 200 Jahren erstmals registriert und befand sich ursprünglich im Besitz der Familie Esterházy. Heute gehört Waldquelle – über die tschechische Carlsbader Mineralwasser AG – Alessandro Pasquale aus einer italienisch-schweizerischen Unternehmerfamilie.

DI Kerstin Guttmann, 37 Jahre alt, aus Mattersburg: Sie hat an der Universität für Bodenkultur in Wien Lebensmittel- und Biotechnologie studiert. Seit acht Jahren arbeitet sie für Waldquelle in Kobersdorf. Im Labor arbeitet sie zusammen mit drei Angestellten und einer Studentin.

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Pfnier-Lehrlinge vor Zentrale: Motivationstreffen mit Chef Frank Pfnier (2. von rechts), Arbeiterbetriebsratsobmann Michael Mohl (ganz rechts). Für ein gutes Zeugnis gibt es eine Prämie.

Viele Unternehmen brauchen Fachkräfte. Doch diese werden rar. Ein Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel ist die Lehrlingsausbildung. Allerdings – auch im Mittelburgenland – bilden immer weniger Betriebe selbst aus. Und die, die Lehrlinge ausbilden, wollen nur die besten jungen Leute. Unterstützung bei der Suche bekommen die Betriebe und die Lehrlinge nun vom Arbeitsmarktservice, der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer. Im Bezirk Oberpullendorf startet ein neues Projekt, das im nächsten Jahr in den anderen Bezirken eingesetzt werden soll. Ein Lokalaugenschein von Hans Tesch.

Betriebsrundgang bei ALU-SOMMER in Stoob. Die Firma macht Aluminium-Glas-Fassaden und Sonderkonstruktionen – hauptsächlich für Bauten in Österreich und Deutschland. Selbstbewusst präsentiert der Österreich-Geschäftsführer DI Mag. Hans Tritremmel die innerbetriebliche Lehrwerkstätte. „Hier lernen die Lehrlinge an echten Werkstücken“, erklärt er stolz. „Individuallösungen erfordern Fachkräfte. Die gibt es für uns nicht am Arbeitsmarkt. Wir bauen sehr viel in Handarbeit. Das ist noch echte Werkstattfertigung.“

ALU-SOMMER bildet Fachkräfte selbst aus

275 Beschäftigte arbeiten in Stoob – 35 im Werksableger in Sopron. Fast keine Hilfsarbeiter, fast ausschließlich Facharbeiter mit abgeschlossener Berufsausbildung und Qualifizierung sind im Haus. An Lehrlingen beschäftigt ALU-SOMMER seit Jahren durchschnittlich 20 Jugendliche. Jahr für Jahr werden 4 bis 6 neue Lehrlinge aufgenommen. Die meisten kommen aus den Gemeinden des Bezirks. „Der Lehrling ist für uns eine wertvolle Unterstützung. Wir brauchen Facharbeiter. Und der Weg dazu ist, selbst auszubilden“, sagt Geschäftsführer Tritremmel.

Größter Lehrherr

Als regelmäßiger und größter Ausbilder der Region kennt der Geschäftsführer die kritische Situation bei den Schulabgängern: „Wir haben circa 15 Bewerber jedes Jahr. 3 bis 5 Bewerber sind super bis sehr gut. 1 bis 2 bekommen dann zusätzlich noch eine Chance. Bei mehr als der Hälfte ist die schulische Ausbildung leider mangelhaft, Grundkenntnisse fehlen.“ Und Tritremmel spricht aus, was viele Lehrherren immer wieder – über Rechnen, Schreiben und Lesen hinaus – kritisieren: Die Grundwerte wie Leistungsbereitschaft oder Benehmen würden fehlen. „Eine solide Basis ist unverzichtbar. Ohne diese nehmen wir keinen Lehrling auf.“ ALU-SOMMER ist als guter Lehrlingsausbilder bekannt und findet noch genügend Lehrlinge. Auch mit Hilfe und fachlicher Unterstützung des Arbeitsmarktservice.

18 Lehrlinge sind jetzt, Mitte 2017, im Unternehmen. Ausgebildet wird hier seit 45 Jahren, insgesamt gibt es mehr als 200 Absolventen: 160 Metallbautechniker, 10 Technische Zeichner, 30 mit einer Doppellehre. Darunter 11 Frauen mit kaufmännischer Lehre, 3 Technische Zeichnerinnen und 5 als klassische Metallbearbeitungstechnikerinnen. ALU-SOMMER, wo gerade – 51 Jahre nach der Gründung – ein Rekord an Aufträgen verzeichnet wird, gilt als attraktiver Arbeitsplatz. Etwa jeder zweite ausgelernte Lehrling ist im Unternehmen als Facharbeiter geblieben. 10 Gesellen haben auch die Meisterprüfung abgelegt.

Weniger Betriebe bilden aus

Das System der Lehrlingsausbildung in Österreich gilt als mustergültig für viele andere Länder. Wir haben eine duale Ausbildung, d. h. die praktische Ausbildung erfolgt in den Betrieben, die theoretische in der Berufsschule. Das funktioniert. Doch eine Entwicklung macht Sorgen: Die Anzahl der Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden, nimmt seit Jahren ab – österreichweit, im Burgenland und auch im Mittelburgenland. Im Vorjahr waren es hier nur noch 49 Unternehmen, die einen neuen Lehrling aufgenommen haben. Und ähnlich ist es heuer bestellt. Das ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass 15-Jährige aus dem Bezirk in der Region keinen Lehrplatz finden.

AMS hilft bei Lehrplatzsuche und bei Lehrlingssuche

Die Situation klingt verzwickt! Mehr als 100 Jugendliche im Bezirk wollen Anfang Juli eine Lehre beginnen, aber nur 22 offene Stellen werden beim AMS angeboten. „Das sind zu wenige; auch wenn man davon ausgehen kann, dass nur etwa jeder zweite Lehrplatz über das AMS vermittelt wird“, argumentiert Jutta Mohl, die Leiterin der Bezirksstelle des AMS. Es haben heuer nämlich auch weniger Betriebe als im Vorjahr einen neuen Lehrling aufgenommen. „Und die Berufswünsche passen immer weniger oft mit den angebotenen Stellen zusammen“, analysiert Mohl. Es gelte also auch, mehr Auswahlmöglichkeiten zu schaffen.

„Wir rennen Lehrstellen nach!“

Ein neues Projekt, eine neue Aktion, soll im Bezirk neue Lehrstellen bringen. Betreiber des Muster-Projektes sind das Arbeitsmarktservice (AMS), die Wirtschaftskammer (WK) und die Arbeiterkammer (AK).  Ziel des Projektes ist es, neue Lehrstellen zu schaffen – bei Unternehmen, die noch nie Lehrlinge ausgebildet haben, und bei Unternehmen, die in den letzten fünf Jahren keine Lehrlinge mehr ausgebildet haben. Das Projekt sieht vor, dass Unternehmerinnen und Unternehmer in die AMS-Stelle in Oberpullendorf eingeladen und informiert werden. Danach wollen Vertreter von AMS, Wirtschaftskammer und AK Betriebsbesuche machen und dabei vor Ort konkret über Unterstützungsleistungen und Förderungen Auskunft geben. AMS-Leiterin Jutta Mohl: „Mein Ziel ist es, 15 neue betriebliche Lehrstellen zu aktivieren. Und ich bin optimistisch.“ Im nächsten Jahr soll diese Vorgangsweise in den anderen Bezirken praktiziert werden.

Pfnier-Bau bekämpft Facharbeitermangel 

In der Firmenzentrale der Baufirma Pfnier herrscht Ende Juni Feierlaune. Alle 18 Lehrlinge wurden von Frank Pfnier junior, dem Vertreter des vor 70 Jahren gegründeten Familienunternehmens, zum jährlich stattfindenden „Motivationstreffen“ eingeladen. Es ist ein lockeres Austauschen von Informationen und Meinungen – und für ein gutes Zeugnis gibt es eine „Prämie“ im Kuvert. Der Unternehmenssprecher ist stolz auf die Erfolge seiner Leute bei den Lehrlingswettbewerben. Heuer kann er einem Lehrling sogar zum „Landessieger der Jungmaurer“ gratulieren.

Die Baufirma stellt jedes Jahr sechs bis sieben neue Lehrlinge ein. „Der Facharbeitermangel in der Branche ist nicht zu leugnen. Wir reagieren darauf, indem wir Lehrlinge aufnehmen und ausbilden“, erklärt der 46-jährige Frank Pfnier, der nach der HTL-Matura die Baumeister-Prüfung abgelegt hat. „Lehrlinge sind eine Sparkasse. Wenn ich nicht in Lehrlinge investiere, habe ich keine Facharbeiter. Von der Ausbildung kommt also etwas zurück!“ Mehr als ein Drittel der Lehrlinge bleibe. Ein gewisser Teil bildet sich fort, geht in die Polierschule und leitet dann Baustellen. Der Bauleiter aus der Chef-Etage erwähnt aber auch einige mit der Lehre verbundenen Belastungen: „Lehrlinge müssen im Winter durchbeschäftigt werden. Und sie müssen beaufsichtigt werden. Auch wenn es keine Arbeit auf Baustellen gibt.“ Auch aus diesen Gründen gehe Pfnier bei der Auswahl der Lehrlinge zielgerichtet vor: „Wir nutzen die Vorauswahl durch das AMS, das Casting. Und ich schaue mir auch die Familien an, aus denen die Bewerber kommen. Ein natürlicher Bezug zum Anpacken, zu Schaufel und Krampen ist vorteilhaft. Und auf Umgangsformen legen wir auch Wert, auf Höflichkeit oder Disziplin zum Beispiel.“ Wirklich aussuchen könne er sich die Lehrlinge aus den Bewerbern allerdings nicht jedes Jahr. „Wir hatten schon 6 Lehrlinge mit 5 Auszeichnungen in der Berufsschule und in einem anderen Jahr 6 Lehrlinge mit 5 Wiederholungsprüfungen.“ Pfnier stützt sich auf Lehrlinge, die meist aus dem Bezirk kommen. Zum Stammpersonal zählen auch Leute aus Ungarn; diese machen 10 Prozent der Belegschaft aus.

Wirtschaftskammer wird eigene Lehrbetriebsberater beschäftigen 

Dr. Harald Schermann, Direktor-Stellvertreter in der Wirtschaftskammer, arbeitet aktiv am Projekt mit, bei dem Unternehmen wieder oder erstmals Lehrplätze anbieten. „Wir wollen den Betrieben helfen, damit sie zu guten Lehrlingen kommen –und dadurch auch den Lehrlingen helfen, den richtigen Lehrbetrieb zu finden. Konkret werden wir 2 bis 3 Lehrbetriebsberater beschäftigen, die in die Betriebe gehen und den Unternehmern bei allem helfen, was mit der Ausbildung zu tun hat: bei der Suche, bei der Ausbildung bis zu den Förderungsmöglichkeiten.“  Derzeit werden diese Berater gesucht.

 Das Burgenland soll wieder zu einem Land der guten Lehrausbildung werden. 

Die Wirtschaftskammer sucht auch nach praktischen Lösungen für die Hinfahrten und Heimfahrten, sodass Lehrlinge eine Lehrstelle auch annehmen können. Harald Schermann: „Das Burgenland soll wieder zu einem Land der guten Lehrlingsausbildung werden. Wir waren es schon einmal.“ Ein Problem stelle das schlechte Image der Lehre dar! Prinzipiell werde die duale Ausbildung, mit der man gute Berufsaussichten hat, aber als zeitgemäß angesehen.

Wer keinen Betrieb findet, kann Lehre im BUZ machen.

Wer in einem Betrieb keine passende Lehrstelle findet oder bei Aufnahmeverfahren nicht genommen wird, muss nicht verzagen. Im BUZ (Burgenländisches Schulungszentrum) in Neutal gibt es öffentlich geförderte, außerbetriebliche Lehrstellen. Vor 42 Jahren wurde das BUZ für Umschulungen von arbeitssuchenden Erwachsenen gegründet, heute bietet es auch Ausbildungsplätze für Jugendliche an. In Neutal können förderungswürdige Jugendliche vom Berufs­orientierungskurs bis zur Lehre einiges machen. Ende Juni waren 47 Lehrlinge in Ausbildung, 14 Jugendliche in einem meist 10 Wochen dauernden „Berufsorientierungscheck“ und 21 Jugendliche in der sogenannten „Produktionsschule“, um schulische und soziale sowie persönliche Kompetenzen nachzuholen und um danach eine Ausbildung starten zu können. Eine direkte Bewerbung beim BUZ ist grundsätzlich nicht möglich, es erfolgt eine Vermittlung durch das AMS.

Einstieg jederzeit möglich

Der Geschäftsführer des BUZ, Mag. (FH) Christian Vlasich, auch Bürgermeister von Lockenhaus, beschreibt seine Institution als Ort, in der eine Ausbildung für jede und jeden ermöglicht wird: „Ein jederzeitiger Einstieg – für jeden Beruf – ist möglich. Kein anderes Bildungsinstitut ist so flexibel wie wir. Wir haben ein modulares System. Bei uns ist ein Start wöchentlich bis monatlich möglich.“ In Neutal könne man also auch die Ausbildung zum Goldschmied starten. „Die Jugendlichen werden gefordert und gefördert. Ziel ist die Vermittlung auf dem freien Arbeitsmarkt zu einer betrieblichen Lehrstelle. Die Übergangszeit wird produktiv genutzt, mit gezielter Ausbildung verbracht. Der Jugendliche verliert keine Zeit, er hat einen durchgängigen Lehrvertrag“, beschreibt Vlasich die Vorteile. Die BUZ-Lehrlinge könnten im Rahmen der Lehre für sie passende Betriebe durch Praktika kennenlernen – und Fertigkeiten und Kenntnisse erwerben.

Die Jugendlichen kommen aus dem ganzen Burgenland und können im angeschlossenen Wohnheim untergebracht werden. Der BUZ-Lehrplatz wird über das AMS zugewiesen bzw. vermittelt. Die Gelder kommen von der öffentlichen Hand, hauptsächlich vom AMS, daneben gibt es direkte Förderungen vom Sozialministerium und – für bestimmte Maßnahmen – vom Land Burgenland. Angeboten werden neben den Lehrausbildungen für Jugendliche Maßnahmen für Erwachsene – für beruflichen Wiedereinstieg sowie für Aus- und Weiterbildung.

Ziel ist Vermittlung zu Betrieben

In Neutal besteht für förderungsbedürftige Jugendliche die Möglichkeit, einen Lehrabschluss in Metalltechnik und Gastronomie zu machen. Die Gründe: Sie konnten auf keinen Lehrplatz vermittelt werden, und sie hatten am Ende der Pflichtschule sonderpädagogischen Förderbedarf, keinen positiven Hauptschulabschluss oder eine Behinderung. Die integrative Lehrausbildung findet entweder als Lehrausbildung mit einer verlängerten Lehrzeit oder in Form einer Teillehre statt.

Geschäftsführer Vlasich sieht die BUZ-Aktivitäten als Hilfe zur Selbsthilfe: „Im Durchschnitt bleiben von den 50 Jugendlichen, die bei uns eine Lehre beginnen, nur neun bis zu ihrem Lehrabschluss, das spricht für eine erfolgreiche Vermittlung in den Jahren davor.“

Das System lässt keinen im Stich

Im Bezirk finden – durch das Umschulungszentrum – alle Lehrlinge einen „Lehrplatz“. Und wenn die „Suchaktion“ nach neuen betrieblichen Lehrstellen im Herbst gut anläuft, wird es mehr Angebote von Unternehmen geben. Das wäre ein guter Start zum „Ausbildungsplatz Burgenland“.

Fazit: Immer weniger Jugendliche drängen auf den Arbeitsmarkt. Dennoch wird der Kampf um die Lehre intensiver: Das AMS kämpft um mehr Lehrplätze bei Betrieben. Betriebe kämpfen um gute Lehrlinge. Lehrlinge kämpfen um den passenden Lehrplatz. Und das Schulungszentrum BUZ stellt außerbetriebliche Lehrplätze zur Verfügung. Ein System, das im Bezirk hilft, den Fachkräftemangel nicht akut werden zu lassen und das den Jugendlichen eine Zukunft mit einem Arbeitsplatz in Aussicht stellt.

Warum Betriebe keine Lehrlinge ausbilden
(aus Online-Umfrage der Wirtschaftskammer Burgenland)

• zu hohe Kosten für die Lehrlingsausbildung
• zu lange Abwesenheitszeiten des Lehrlings
• einschränkende rechtliche Bestimmungen
• Einschränkende Arbeitszeitregelungen und Sicherheitsvorschriften verhindern, dass Lehrlinge für einen Beruf typische Arbeiten erlernen können.
• Lehrverhältnisse können auch bei massiven Problemen nur schwer gelöst werden.
• Ausbildung von Lehrlingen nimmt zu viel Zeit in Anspruch (v. a. in kleinen Betrieben).
• mangelnde soziale Kompetenzen der Jugendlichen
• mangelndes Engagement, geringes Interesse am Beruf
• unzureichende Grundkompetenzen der Jugendlichen in Deutsch und Mathematik
• geringes Interesse mancher Lehrlinge am Beruf
• das schlechte Image der Lehre

Die größten „Lehrherren“ des Bezirkes

18 ALU-SOMMER, Stoob
18 Pfnier, Oberpullendorf
11 Sonnentherme Lutzmannsburg
8 Installateur-Haustechnik Scheu, Neckenmarkt
8 OBI/Bauwelt Koch, Oberpullendorf
7 BECOM, Hochstrass
7 Billa
6 Bio Vollwertbäckerei Gradwohl, Weppersdorf
6 STRABAG, Markt St. Martin
5 ALL IN RED Hotel Thomas Angerer, Lutzmannsburg
5 KROSCHU, Oberpullendorf
5 Spar-Märkte Supper, Horitschon und Deutschkreutz
4 BMW Kohla-Strauss, Stoob-Süd/Oberpullendorf
4 Friseursalon Bauer, Oberpullendorf
4 Horitschoner Werkzeugbau HWB
4 KFZ Joszt, Steinberg-Dörfl
4 M&P Holzbau, Draßmarkt
4 Maler Tritremmel, Kalkgruben
3 Artner Artissimo, Weppersdorf
3 DM-Drogeriemärkte
3 Elektro Lehrner, Horitschon
3 KÖLLY Bau, Deutschkreutz
3 Pfneiszl-Bau, Draßmarkt
3 KFZ Roman Pfneisl, Neutal
3 Tischlerei Ecker, Raiding
3 Wiesenthal, Oberpullendorf

(Anzahl der Lehrlinge  Ende Juni;
Quelle Wirtschaftskammer Burgenland und Eigenrecherche)

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HBI Barbara Reitter, Referentin für die Feuerwehrjugend im Bezirkskommando Oberpullendorf
HBI Barbara Reitter, Referentin für die Feuerwehrjugend im Bezirkskommando Oberpullendorf

Barbara Reitter, Referentin für die Feuerwehrjugend im Bezirkskommando, ist stolz auf die Positionierung ihrer exakt 286 männlichen und 122 weiblichen Schützlinge: „Wir haben die meisten jugendlichen Mitglieder aller sieben Bezirke, wir stellen im Land bei Bewerben und Prüfungen die meisten Teilnehmer und auch beim Jugendlager sind wir am stärksten vertreten.“ Die Kobersdorferin ist selbst tatkräftig und unterstützend unterwegs. Die Spitzenposition des Bezirks führt sie aber auch auf die aktiven Jugendbetreuer der Ortsfeuerwehren zurück. „Sie müssen viel Zeit und Arbeit investieren, sie müssen sich Urlaub für die Veranstaltungen und Wettbewerbe nehmen. Und das alles freiwillig und unentgeltlich“, erwähnt die Bezirksreferentin ganz ausdrücklich.

Unterrabnitz führt vor Neckenmarkt und Weppersdorf

 Neckenmarkter waren schon zweimal Weltmeister! Aktueller Betreuer Roland Trimmel (ganz rechts)
Neckenmarkter waren schon zweimal Weltmeister! Aktueller Betreuer Roland Trimmel (ganz rechts)

Es sind nicht die Gemeinden mit den meisten Einwohnern, die die größten Feuerwehrjugendgruppen stellen. Wie die Auflistung (siehe … ) zeigt, gibt es im Bezirk 41 Feuerwehrjugendgruppen. Die meisten Mitglieder haben Unterrabnitz, Neckenmarkt und Weppersdorf.

Michael Morth, der Jugendbetreuer der Unterrabnitzer: „Die Jugendlichen sind motiviert und kümmern sich selbst um mehr Mitglieder. 10-Jährige werben bei uns in der Volksschule 9-Jährige an.“ Von den 27 sind 19 Burschen und 8 Mädchen.

Die Neckenmarkter Feuerwehrjugend hat derzeit 24 Mitglieder und die glorreichste Vergangenheit aller Jugendgruppen im Burgenland. Jugendbetreuer Roland Trimmel: „1976 wurde erstmals eine Jugendgruppe gegründet, 5 Jahre danach lieferten wir schon die Sensation. In Böblingen in Deutschland wurden wir Weltmeister. Und sieben Jahre danach holten wir in Warschau in Polen nochmals den Weltmeister-Titel. Nicht zu vergessen: 14 Mal hintereinander waren wir auch Landessieger.“ Solche Erfolge bringen natürlich ein entsprechendes Image – und erleichtern die Nachwuchssuche. Trimmel überlässt dennoch nichts dem Zufall: „Ich halte viel von der persönlichen Ansprache ab dem zehnten Lebensjahr. Da mache ich Hausbesuche und spreche mit den Eltern und den Jugendlichen.“

Die drittmeisten Mitglieder hat mit 21 Jugendlichen Weppersdorf. Klaus Kallinger, Kommandant und zugleich Jugendbetreuer, betont sein Erfolgsrezept: „Wer will, kann der Jugendgruppe beitreten. Wir nehmen gerne alle Jugendlichen auf, auch wenn sie nicht allzu sportlich oder körperlich beeinträchtigt sind. Die Feuerwehr grenzt nicht aus.“

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Kobersdorferin leitet Jugendarbeit 

Barbara Reitter:  im Hauptjob Bus-Chauffeurin
Barbara Reitter:
im Hauptjob Bus-Chauffeurin

Die Erfolge kommen nicht von ungefähr. Es steckt der große Einsatz und die Begeisterung vieler dahinter. Verantwortlich für den Erfolg bei der Feuerwehrjugend ist Barbara Reitter. Die 32-Jährige ist die Frau an der Spitze der 400 Feuerwehrjugendlichen im Bezirk. Die Kobersdorferin wurde vor zwei Jahren zur Hauptbrandinspektorin ernannt. Sie gehört somit zu den zwei höchstrangigen Frauen im burgenländischen Feuerwehrwesen. Frau Reitter hat im Vorjahr ihren Bürojob bei der Firma Blaguss getauscht. Sie ist heute Autobus-Chauffeurin. Und ihre gesamte Freizeit gehört der Feuerwehr: „Das ist wie ein zweiter Job. Und das ist wie eine Familie. Es entstehen viele Bekanntschaften und Freundschaften.“

Beim Beginn in der Funktion als Bezirksreferentin gab es im Bezirk 32 Jugendgruppen, heute sind es 41 – bei 63 Feuerwehren. Das Ziel von Barbara Reitter ist es, weitere Jugendgruppen zu gründen. Aber nicht nur das. „Die gute Ausbildung unserer Jugendlichen, die bei den Bundesbewerben sichtbar wird, soll verstärkt werden, und wir müssen darauf achten, dass der Zusammenhalt weiter passt und dass die Kameradschaft weiter so gepflegt wird“, sagt die Jugendreferentin.

Immer mehr Frauen

Sichtlich erfreut ist Barbara Reitter auch über die Zunahme des Frauen-Anteils: „Jedes vierte Feuerwehrmitglied ist heute eine Frau. Bei der Jugend im Bezirk sind es sogar 30 Prozent. Das Klischee, Frauen bräuchten wir nicht bei der Feuerwehr, ist zum Glück im Verschwinden.“

Jugendliche lernen Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft

Oberbrandrat (OBR) Martin Reidl, Bezirksfeuerwehrkommandant
Oberbrandrat (OBR) Martin Reidl, Bezirksfeuerwehrkommandant
Kommandant Klaus Kallinger, Weppersdorf
Kommandant Klaus Kallinger, Weppersdorf

Oberbrandrat (OBR) Martin Reidl aus Lutzmannsburg ist Bezirksfeuerwehrkommandant. Er sieht die Feuerwehrjugend als ersten Schritt zur Ortsfeuerwehr. Aber nicht nur das. Reidl ist stolz, dass die Feuerwehr den Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten kann: „Wir bringen den Jugendlichen etwas bei. Und wir können den Jugendlichen für deren ganzes Leben etwas mitgeben – im idealistischen Sinn. Wo sonst lernt man heute noch Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft?“

 

Ab 9 ist man dabei

Jugendliche dürfen der Feuerwehr beitreten, wenn sie sich im zehnten Lebensjahr befinden – also nach dem neunten Geburtstag. Die Feuerwehrjugend dauert dann vom zehnten bis zum sechzehnten Lebensjahr. Mit 16 werden die Jugendlichen bei der Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr in den Aktivstand überstellt – oder scheiden aus der Feuerwehr aus.

Feuerwehrjugend lädt zur Wanderung am 30. August

Feuerwehrkommandant und Fachbearbeiter im Landeskommando Markus Wessely aus Horitschon lädt zur Wanderung mit dem goldenen Strahlrohr.
Feuerwehrkommandant und Fachbearbeiter im Landeskommando Markus Wessely aus Horitschon lädt zur Wanderung mit dem goldenen Strahlrohr.

Mit der „Challenge“, einer Wanderung durch alle Bezirke des Burgenlandes, will die Feuerwehr Ende August auf ihre Jugendarbeit aufmerksam machen. Mit einem goldenen Strahlrohr – getragen von jeweils einer Gruppe aus dem Bezirk – geht es am Mittwoch, den 30. August durchs Mittelburgenland.

„Gestartet wird in der Früh in Lockenhaus, dann geht es über Unterrabnitz, Draßmarkt und Neutal nach Weppersdorf. Dort sollen am Abend alle gemeinsam ankommen.“

Die gesamte Strecke ist circa 30 Kilometer lang, doch können und sollen sich die Teilnehmer ihren eigenen Startpunkt und Schwierigkeitsgrad festlegen, ihre eigene „Challenge“, also Herausforderung festlegen.

Die Einstiegsstationen sind im Internet – www.strahlrohr17.at – angeführt. Man kann zum Beispiel auch nur von Neutal nach Weppersdorf wandern.

Das Landesfeuerwehrkommando verspricht sich viel von der „Challenge“. „Die jungen Feuerwehrleute können auf lockere Art und Weise Kontakte mit Jugendlichen anderer Wehren knüpfen. Und wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass in der Feuerwehr Spaß Platz hat“, erläutert der im Landeskommando dafür zuständige DI (FH) Markus Wessely, Abschnittsbrandinspektor aus Horitschon, den Sinn dieser Freizeitaktivität. Und er lädt zu dieser Wanderung auch alle Erwachsenen ein, mit der Jugend mitzumarschieren. „Es ist zugleich eine Werbung für mehr Mitglieder in der Feuerwehrjugend. Wir erhoffen uns einen Zuwachs an Jugendlichen für das gesamte Burgenland“, sagt Wessely.

 

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Foto: zVg

Mitten im Hochsommer schlägt die Stunde des Rotweines in zwei traditionellen Weinbaugemeinden des Blaufränkischlandes. Am ersten Augustwochenende in Lutzmannsburg beim „Internationalen Rotweinerlebnis“ am Dorfanger mit einem echten „Blauen Montag“ als Abschluss, am Wochenende danach in Neckenmarkt bei den „Rotweintagen“ mit zwei Tagen der offenen Kellertüren. Die Entscheidung fällt Weinfreunden nicht schwer: Sie besuchen beide Veranstaltungen. Aus gutem Grund, auch wegen vieler Gemeinsamkeiten: Beide Weinbaugebiete zählen zu den besten Rotweingebieten Österreichs; die Rieden befinden sich jeweils direkt an der Grenze zu Ungarn. Beide Gemeinden sind von Traditionen und Brauchtum geprägt; was im katholischen Neckenmarkt das Fahnenschwingen, ist im – zu 37 % – evangelischen Lutzmannsburg das Volkstanzen und Laientheater. In beiden Ortschaften (Neckenmarkt 1.700 – Lutzmannsburg 900 Einwohner) sind junge Winzergenerationen am Werk, die sich erfolgreich am Markt behaupten. Aber so kostbar in beiden Orten die Weine sind, so unterscheiden sie sich doch in vielerlei Hinsicht. Hans Tesch bringt ein paar Fakten – im steckbriefartigen Vergleich.

NECKENMARKT

Rotwein-Zentrum mit 13 % Weißwein-Fläche. 550 Hektar insgesamt; 280 ha Blaufränkisch, 170 Hektar Zweigelt, 50 Hektar weitere Rotwein-Sorten.

Besonders günstige Bodenverhältnisse und verschiedenartige geologische Gegebenheiten sind die Basis für die Qualität der Neckenmarkter Weine. Die Reben wachsen auf kristallinem Verwitterungsschiefer, Schwämmböden, Schiefer-Löss, Lehm, Kalk und sandigem Lehm. Dazu kommen die Südhanglagen, die eine optimale Reife der Trauben begünstigen.

15 Betriebe füllen Wein in Flaschen und vermarkten ihn selbst. Der Winzerkeller ist der mit Abstand größte Betrieb, er verarbeitet die Trauben von ca. 300 Hektar Weinbaufläche, die von 120 Mitgliedern bewirtschaftet werden.

Die Bio-Ausrichtung ist nicht sehr ausgeprägt. Nur ca. 4 % der Fläche werden biologisch bewirtschaftet.

LUTZMANNSBURG

Mit 71 % höchster Blaufränkisch-Anteil aller Gemeinden. 161 Hektar Weinbaufläche insgesamt; davon 115 Hektar Blaufränkisch und 28 Hektar Zweigelt. 2 (in Worten: zwei) Hektar Weißwein.

Die großen Rotweine von Lutzmannsburg wachsen auf tiefgründigen, schweren Lehmböden mit teils nennenswertem Löss- und Sandanteil und vereinzelt geringen Anteilen von Tonerde und Kalk-
einschlüssen. Die Weingärten sind vom Ort aus nicht zu sehen; sie befinden sich auf dem sonnenverwöhnten Lutzmannsburger Weingebirge auf ca. 230 Metern Seehöhe oberhalb der Ortschaft.

11 Flaschen füllende Betriebe. Weitere 11 Weinbauern liefern die Trauben an die Genossenschaft in Horitschon.

Der Anteil der Bio-Fläche macht 8 % der gesamten Fläche aus, das sind ca. 13 Hektar. (Weingut Moric – Roland Velich; allerdings nicht zertifizert!)

Auszeichnungen

NECKENMARKT

Der Weinbauverein ist stolz auf die vielen und unterschiedlichen Auszeichnungen. Obmann Gerald Wieder: „Neckenmarkt ist die höchstprämierte Rotweingemeinde Österreichs!“ Beispiele aus den letzten Jahren – übermittelt vom Weinbauverein – sollen das unterstreichen:

 Weingut Heribert Bayer
Vinaria Trophy Gold für Cuvée In Signo Leonis 2014; Gault&Millau 19/20 Punkten für In Signo Sagittarii 2008; Falstaff 95 Punkte für Herzblut 2012

Weingut HUFNAGEL
SALON-Sieger 2007; Landessieger-Finalist 2015 und 2017

Weingut Juliane Wieder
Finalist Landesprämierung 2017 mit Cuvée Georg; SALON 2017 mit Blaufränkisch Bodigraben Mittelburgenland DAC Reserve 2015 und Cuvée Georg; Falstaff Rotweinguide 2017 92 Punkte mit Blaufränkisch Hochberg 2014; A la Carte 2017 93 Punkte mit Mittelburgenland DAC Reserve 2011

 Weingut Tesch
Landessieger 2017 mit Blaufränkisch Selection 2013; Falstaff Reserve-Trophy-Sieger 2016 mit Patriot 2012; SALON-Sieger 2014 mit Blaufränkisch DAC Hochberg 2012

Weingut Hundsdorfer
Landessieger 2014; Falstaff Sortensieger 2014; erster 3-fach-Landessieger des Burgenlandes in der Geschichte der Landesprämierung mit Blaufränkisch, Zweigelt und Merlot.

Weingut Lang
Betriebserfolg „Winzer des Jahres“ 2015; Landessieger 2014 und 2015

Weingut Wellanschitz
2014: 4 Sterne im Falstaff Guide für das Weingut; 2015 und 2016: 3. Blaufränkisch-Falstaff-Sortensieger mit Well; 2016: A la Carte Grand-Cru-Sieger mit Blaufränkisch 2015

Winzerkeller Neckenmarkt
Landessieger 2017 mit Blaufränkisch Classic DAC; 10 x Gold bei Landesweinprämierung 2017; DAC-Trophy-Sieger mit Blaufränkisch Himmelsthron 2015; 2. Sieger im SALON Österreich Wein

LUTZMANNSBURG

Es gibt sie, den „Lutschburger Blaufränkisch“ und andere typisch Lutzmannsburger Weine mit individueller Handschrift! Das sagen die Winzer. Und dass sich die Qualität ihrer Weine auch überregional sehen lassen kann, beweisen die Erfolge bei Prämierungen – zuletzt die 15 Gold-Medaillen bei der Burgenländischen Landesweinprämierung 2017.  Hier einige – vom Weinbauverein genannten – Auszeichnungen:

Weinbau Edwin Weber
SALON Österreich Wein; 4 x Gold bei der Landeswein-
prämierung 2017; Landessieger 2013 in der Kategorie
Blaufränkisch Klassik

Rotweingut Prickler
SALON-Sieger; Landessieger; 12 x SALON Österreich Wein und 5 x Gold bei der Landesweinprämierung 2017

Weingut Familie Weber
2 x Falstaff-Sieger; 2 x SALON-Österreich-Wein-Sieger;
Gault&Millau- und A-la-Carte-Sieger; 2 Goldmedaillen Vinalies Internationales Paris; 2 x Prague Wine Champion; 3 x Gold bei der Landesweinprämierung 2017

Weingut Familie Toth
Goldmedaillen in Laibach und bei burgenländischen Prämierungen; Silber bei awc vienna; BOKU-Wein-Sieger 2011; Platz 2 bei der Profil-Prämierung Mittelburgenland DAC 2014 und mehrere Falstaffbewertungen; 2 x Gold bei der Landesweinprämierung 2017

Weinbau Christian Rohrer
Goldmedaille Landesweinprämierung 2017

Weinbau Familie Hans Rohrer
Profil-Prämierung 2015: Platz 2 für Mittelburgenland DAC

Veranstaltungen

NECKENMARKT

Highlight der Veranstaltungen sind Mitte August die Rotweintage mit den Tagen der offenen Kellertür; nach der Weinlese „Sturm und Klang“ bei der Donatuskapelle und rund um den 11. November heißt es „Martini! Gan(s)z anders!“
Die Vinothek im 350 Jahre alten Gewölbekeller ist ganzjährig geöffnet.

Vor 49 Jahren wurde aus der Not heraus eine Winzer­genossenschaft gegründet. Heute zählt diese –
in Winzerkeller Neckenmarkt umbenannte – zu den starken und
erfolgreichen in ganz Österreich. Jährlich werden im Durchschnitt 2,5 Millionen Kilogramm Weintrauben übernommen, angeliefert von den rund 120 Mitgliedern. Im Winzerkeller werden rund 5 % der gesamten Rotweinmenge Österreichs produziert. Ein Großteil des Weines wird „im Hochpreissegment“ im Gebinde verkauft. Seit gut 15 Jahren werden Spitzenweine – auch in Barriquefässern ausgebaut – in Flaschen gefüllt und erfolgreich vermarktet. Die Auszeichnungen (siehe links) können sich sehen lassen.

LUTZMANNSBURG

Die Veranstaltungen spiegeln den Weg des Weines vom Weingarten bis in den Weinkeller wider: Ende Mai gibt es die Weinblüten-Wanderung, Anfang August das Internationale Rotweinerlebnis am Dorfanger und Anfang November laden die Winzer zum Tag der offenen Kellertür. Es gibt die Vinotheksverkostung und den Verkauf im Thermenhotel Vier Jahreszeiten sowie im Saftladen und Weindepot Apfelhof Rohrer.

Vor 50 Jahren wurde in Lutzmannsburg eine Winzergenossenschaft gegründet, vor 21 Jahren wurde diese – aus wirtschaftlichen Gründen – mit der Winzergenossenschaft Horitschon fusioniert – danach erfolgte eine Umbenennung in Vereinte Winzer Blaufränkischland. Derzeit liefern rund 30 Vertragswinzer aus Lutzmannsburg ihre sorgfältig kultivierten und von Hand geernteten Trauben für die Sonberg-Weine, eine eigene Weinlinie der Vereinten Winzer in Horitschon. Die Winzergenossenschaft Lutzmannsburg ist im heutigen Weinhaus Sonnberg aufgegangen.

Wandern im Weinort

NECKENMARKT

Der „Wein-Stein-Weg“ lockt, ein neuer Wanderweg durch die Weingegenden. Ausgehend von der Ortsmitte führt ein 18 km langer Rundwanderweg in die herrlichen Weinrieden. Steine aus dem Neckenmarkter Steinbruch, die mit Infotafeln versehen sind, informieren über die einzelnen Rieden, Rebsorten und das
jeweilige Terroir. An Panoramapunkten schildern zusätzliche Infotafeln lokale Geschichten und beschreiben die Umgebung. Es geht vorbei an Kapellen, Grillplätzen, Biotopen, einem Grenzturm, am „Russenfriedhof“ und an historischen Fundorten wie dem einzigartigen „Kultobjekt von Haschendorf“. Man kann sich verschieden lange Routen zusammenstellen, bei manchen Stücken sind immerhin bis zu 120 Höhenmeter zu überwinden. Streckenweise kann man auf der Originaltrasse der römischen Bernsteinstraße wandern.

Die Weinrieden kennenlernen können Besucher auch auf den gut ausgebauten und beschilderten Radwegen, Pferdefreunden steht für ihre Erkundung das Reitwegenetz hilfreich zur Seite.

LUTZMANNSBURG

Der Naturerlebnisweg Alter Mühlbach lädt zum Spaziergang ein. Es ist ein Rundweg, 6,5 Kilometer lang. Dazu wurde der ehemalige Mühlbach, dessen Wasser einst Antrieb für vier Lodenmühlen war,
in das bestehende Fuß- und Radwegenetz eingebunden. Die neu gestaltete Natur- und Kulturlandschaft am und um den Mühlbach fungiert darüber hinaus auch als Bindeglied zwischen Sonnentherme und Dorf.

Der Wanderer wird auch über die Winzer des Ortes informiert, bei der Station „Unverkennbares Rotweinerlebnis“. Entlang einer Allee mit Weinstelen ranken verschiedene – für die Region typische – Weinreben empor.

Die touristische Seite des Weinortes

NECKENMARKT

In allen Weinbaubetrieben gibt es Führungen und Verkostungen – an den Tagen der offenen Kellertür und nach Vereinbarung. Den Neckenmarkter Wein kennenlernen kann man auch in der Ortsvinothek, im Gasthaus zur Traube sowie in den traditionellen Buschenschenken.

Einen Überblick über die Geschichte der Weinbaugemeinde kann man sich im Fahnenschwinger- und Weinbaumuseum verschaffen. Übersichtlich dargestellt ist darinnen das berühmte Brauchtum des Fahnenschwingens. An die frühen Zeiten der Weinwirtschaft erinnern Geräte, Gegenstände und Arbeitsweise. Außerhalb des Museums ist ein realer Vergleich von „wilden Reben“ und der heutigen Rebstock-Kultur möglich.

Sehenswert ist das noch immer hoch gehaltene Faschingsbrauchtum mit dem Brucktanz und dem Kipferlauswerfen. Highlight des Jahres ist das Fahnenschwingen, abgehalten immer am Sonntag nach Fronleichnam. Dabei wird – von einem ausgewählten Burschen des Ortes – die historische Fahne geschwungen, die den tapferen Neckenmarkter vom Grafen Esterházy geschenkt wurde – als Dank für die Unterstützung bei der Rettung des Schlosses Lackenbach vor rund 400 Jahren.

 

LUTZMANNSBURG

Unabhängig von der Jahreszeit kann man das Rotweinerlebnis auch ganz individuell in der Vinothek, den Gasthöfen, bei den Heurigen und den Lutzmannsburger Winzerfamilien genießen. Beim persönlichen Gespräch über die Weine und ihre Entstehung erfährt man viel Informatives, manch spannendes Detail oder eine besondere Geschichte, die den Weincharakter und die individuelle Handschrift des jeweiligen Winzers unterstreichen.

Oben auf dem Hochplateau gibt es einen Ausichtshügel, der über das Meer von Weinreben hinweg einen traumhaften Rundumblick ermöglicht – zum Günser Gebirge mit dem Geschriebenstein, bis zum Schneeberg, auf das Rosaliagebirge und bis weit in die ungarische Tiefebene hinein. Nächtigungsmöglichkeiten für alle Bedürfnisse und Ansprüche sind hier ausreichend vorhanden, von liebevoll gestalteten Privatzimmern über Frühstückspensionen bis hin zum Campingplatz und zu den 4-Sterne- und All-inclusive-Hotels.

Lutzmannsburg gilt bei Insidern und Gästen als schönster Ort des Bezirkes. Im Ortskern kann man gut erhaltene und sorgfältig renovierte Biedermeier-Fassaden und Arkaden bewundern, von denen noch verhältnismäßig viel gut erhalten sind. Gepflegte Grünanlagen und Parks im Dorf laden zum Verweilen ein.

Worauf die Winzer hier stolz sind

NECKENMARKT

Die Neckenmarkter sind sich bewusst, dass die Gäste ihre Gastfreundschaft und Geselligkeit schätzen. Und sie sind stolz auf die Qualität ihrer Weine und die (siehe Seite 22) Prämierungen und Auszeichnungen. Der „Fahnenschwinger“ ist zum Symbol der Marktgemeinde geworden. Er steht als Willkommensgruß an der Bundesstraße Weppersdorf–Deutschkreutz, prangt als Mosaikbild an der Volksschule, schmückt den Eingang zum neuen Rathaus und tritt als Werbeträger für den Wein in Erscheinung. Und eine über drei Meter hohe Bronzeskulptur des Neckenmarkter Fahnenschwingers begrüßt alle Besucher des Ortes.

Auf Initiative von Betriebsleiter Gerald Wieder vom Winzerkeller Neckenmarkt sind alle Neckenmarkter Winzer übereingekommen, ihre Weine in eine eigens entworfene Flasche zu füllen. Diese neue Flasche ist mit dem Symbol des Neckenmarkter Fahnenschwingers ausgestattet und soll die eindeutige Herkunft und auch die eigene Charakteristik der Weine aus Neckenmarkt verdeutlichen.

Der Fahnenschwinger ist das Symbol in unserem Dorf für Mut, Würde, Einigkeit, Hochachtung und Respekt für unsere Vorfahren, auf das wir sehr stolz sind.

LUTZMANNSBURG

Lutzmannsburger Winzer sind stolz darauf, im Mittelburgenland den höchsten Anteil an alten Reben zu haben; 40 Jahre und älter, bis über 110 Jahre alt sollen sie sein. Weingärten vom Beginn des 20. Jahrhunderts sind noch erhalten und stehen im Ertrag.

Erfreulich wird die gute Ausbildung der JungwinzerGeneration bewertet. Und stolz ist man auf die Weine mit der individuellen Handschrift – es gibt eine große Vielfalt innerhalb des relativ kleinen Weinbauortes, mit unterschiedlichen weinphilosophischen Zugängen, und trotzdem alle auf hohem Niveau. Betriebe sind großteils mit moderner Kellereitechnik ausgestattet – Weinproduktion nach „State of the Art“;
daneben gibt es noch bzw. wieder bewusst sehr traditionell arbeitende Betriebe (heute nennt man das „Naturwein“).

Ausnahmewinzer bekennt sich zu beiden Orten

Foto: Andreas Durst
Foto: Andreas Durst

Neckenmarkt oder Lutzmannsburg? Nicht nur Fakten sprechen für beide Orte. Auch der international erfolgreiche „Ausnahmewinzer“ Roland Velich – ein Seewinkler, der in Neckenmarkt fünf bis acht Hektar bewirtschaften lässt und in Lutzmannsburg einen Betrieb und 14 Hektar Weingärten besitzt – schwört auf beide Orte: „Das sind zwei außergewöhnliche Terroirs. Weinlagen, die nicht unterschiedlicher sein können. Geologisch, klimatisch und historisch. Aber in beiden Orten gibt es uraltes Rebmaterial und grandiose Lagen. Die Weine lassen ihre Herkunft erkennen.“ Neckenmarkt werde noch vom Neusiedler See beeinflusst, Lutzmannsburg sei von einem Hochplateau bestimmt, wo den ganzen Tag die Sonne scheinen kann. Beide hätten nichts mit schweren Lehmböden des Mittelburgenlandes zu tun. „Den Charakter des Lutzmannsburger Weines gibt es kein zweites Mal. Lutzmannsburg ist dem Barolo-Gebiet extrem ähnlich“, analysiert Velich. Und Neckenmarkt? „Neckenmarkt ähnelt dem nördlichen Rhône-Gebiet in Frankreich. Vielleicht können wir einmal sagen, der berühmte Wein ‚Hermitage‘ erinnert an Neckenmarkt.“

Roland Velich rangiert – nach dem US-Weinmagazin „Wine & Spirits“ – unter den 100 Top-Weingütern der Welt. Einer der Hauptgründe sind seine Weine „Blaufränkisch Alte Reben“ aus beiden Orten, online zu kaufen, um die 80 Euro die Flasche. In den beiden Weinbaugemeinden hält sich Velich eher zurück. Das Image beider Orte liegt ihm aber sehr am Herzen: „Die Namen ‚Neckenmarkt‘ und ‚Lutzmannsburg‘ stehen in den besten Restaurants der Welt – auf den Flaschenetiketten – ganz groß geschrieben. Schön, wenn man etwas dazu beiträgt.“

Die Winzer laden ein

Im August besteht die Möglichkeit, die interessante Welt zweier großer Rotweinorte Österreichs zu erleben. Die Weinrieden und die Weingüter, die Weinbauern und die Weine. Also auf nach Neckenmarkt und Lutzmannsburg! Die Winzer warten.

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Lebenslauf

Freischaffende Künstlerin; geboren am 25. 11. 1955; lebt und arbeitet in ihrem Bauernhaus in Hammer bei Lockenhaus und auf Schloss Hohenburg in der Steiermark. In zweiter Ehe mit dem Wissenschafter und Physiker Dr. Ernst Winklhofer verheiratet. Eine Tochter; Gloria, aus der Ehe mit Künstlerkollegen Franz Gager.

Anfang der 80er-Jahre mit dem Malen begonnen; Ausstellungen im In- und Ausland. Bekannt geworden durch das Motiv „Verliebte Katzen“, die als Kunstdruckkarten für den Wiener Tierschutzverein, für UNICEF, den WWF usw. veröffentlicht wurden. Ab 1990 „intuitive Malerei“, großformatige Bilder, gemalt mit Öl und Acryl auf Leinen. Abstrakte Landschaften, die im Inneren entstehen, beeinflusst von der Schönheit der Natur. Seit 10 Jahren fotografiert sie „Himmel und Erde“. Es geht ihr nicht um die perfekte Technik, sondern um den „perfekten Augenblick“!

So bin ich
„Zuerst das Positive: Ich achte die Natur, ich begegne ihr mit großer Demut. Ich bin wahrheitsliebend, Falschheit ist mir zuwider. Ich bin meinen Freunden gegenüber zu 100 % loyal. Ich verachte Menschen, die ihre Macht an schwächeren Lebewesen beweisen und demonstrieren müssen. Die negativen Eigenschaften: Ich rede manchmal, bevor ich denke, das sagt eh schon alles!“

Meine Wurzeln
„… sind in Lockenhaus. Meinen Großvater nannte man den „Wildererkönig“. Es mag eigenartig klingen, aber ich bin stolz auf ihn. Er hat nur geschossen, um seine 9-köpfige Familie während der Zwischenkriegszeit zu ernähren – und nicht, um zu töten.

Mein Stolz
„… ist ganz eindeutig meine schöne, intelligente und empathische Tochter Gloria! Sie studiert sehr erfolgreich Medizin und wird heuer sogar in der bekannten Herzklinik Heidelberg famulieren. Sie feiert übrigens am selben Tag Geburtstag wie ich.“

Wofür ich mich begeistern kann
„… für die Schöpfung.“

Mein Lebensmotto und meine Erkenntnis
„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“

Mein Lieblingsspruch
„Die verstehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären lässt.“
(Maria von Ebner-Eschenbach)

Meine Pläne
„Jubiläumsausstellung – 35 Jahre – auf Burg Lockenhaus im Mai 2018.“

Meine großen Träume
„Ich habe alles, was ich mir je erträumt habe.“

Meine Wünsche für mein Leben
„… Gesundheit für meine Lieben und für mich und ein zufriedenes, selbstbestimmtes langes Leben.“

Mein Halt
„Mein Ehemann Ernst Winklhofer.“

Meine Zweifel
„Zweifel habe ich nicht, aber viele Ängste, die sich hauptsächlich um das Wohl meiner Familie drehen.“

Wofür ich mich interessiere
„… für die Anthroposophie von Rudolf Steiner und für die Biografien von herausragenden Menschen.“

Mein Fluchtort
„… das ist der Wald meiner Heimat; den durchstreife ich am liebsten mit meinem Hund oder mit meinem Pferd. Leider geht es fast nie mit beiden Tieren gleichzeitig, weil es zu viele Verbote und Einschränkungen in unseren Wäldern gibt und natürlich auch Gefahren, die ich nicht herausfordern will.“

Mein Markenzeichen
„Vielleicht meine dunklen Sonnenbrillen, die ich fast bei jedem Wetter trage? Oder meine etwas exaltierte Art?“

Mein Sonnenschein
„Immer meine aktuellen Tiere; im Moment der English-Setter-Rüde Maxi und die Quarter-Horse-Stute Fini, ein bestausgebildetes Western-Turnierpferd, dem ich im Mittelburgenland eine letzte Heimat biete.“

Mein Lieblingsgetränk
„Wasser und Wein – getrennt, nicht vermischt.“

Mein Talisman
„Habe ich nicht, aber ich bin sehr gläubig – nicht zu verwechseln mit religiös.“

Meine Hobbys
„Lesen! Gutes Essen, Gespräche mit Freunden und Tango Argentino tanzen mit meinem Mann.“

Mein Ausgleich
„Ich muss mich immer bewegen, ich gehe viel, im Sommer schwimme ich oft, und gelegentlich gehe ich reiten.“

Mein Lieblingsort
„Mein Bauernhaus in Hammer und
auf Schloss Hohenburg,
acht Kilometer südlich von
Voitsberg in der Weststeiermark.“

Mein liebster Urlaubsort 
„… keinen bestimmten. Überall, wo es noch unberührte Natur gibt, z. B. an einem naturbelassenen See oder an einem leeren Strand. Hin und wieder mache ich Städtereisen, wo ich dann stundenlang umherlaufe, um alles „aufzusaugen“. Eine meiner liebsten Städte ist Amsterdam, seit ich vor 40 Jahren das erste Mal dort war.“

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Zwei Farben sind das Markenzeichen von Harro Pirch: Neapelgelb und Chromoxidgrün.

Die Schar ist bunt. Die Künstler kommen aus Neckenmarkt ebenso wie aus Südkorea. Jedes Jahr im Sommer. Ins kleine Unterrabnitz. „Eine große Familie“ nennt sie der Hausherr Harro Pirch, dessen Malerwochen zur Institution geworden sind.

Manfred Leirer aus Neckenmarkt mit Kollegin aus Holland:„Man kommt aus dem eigenen Atelier hinaus – pflegt den Gedankenaustausch international. Man trifft auf die Welt.“
Manfred Leirer aus Neckenmarkt mit Kollegin aus Holland:„Man kommt aus dem eigenen Atelier hinaus – pflegt den Gedankenaustausch international. Man trifft auf die Welt.“

Die Künstlerpersönlichkeiten kommen gerne und genießen die Stimmung und die Möglichkeiten. Die Idee ist fast 50 Jahre alt, wirkt aber genau so frisch wie damals, meint der kreative Impulsgeber der jährlich stattfindenden Rabnitztaler Malerwochen Harro Pirch: „Die Künstler sollen sich ausleben können. Motto gibt es bewusst keines. Ein Atelier steht bereit, sie brauchen sich um nichts zu kümmern. Sie können unbeschwert malen.“ Und sie können Meinungen austauschen.

 Mit Händen und Füßen

Manfred Leirer, Künstler und Kunsterzieher mit Malstudio in Neckenmarkt, schätzt die „Begegnungen mit der Welt“, wie er es andeutet: „Man schaut Kolleginnen und Kollegen bei deren Arbeiten über die Schulter. Argumentiert und kritisiert. Muss umgekehrt auch Kritik annehmen und aushalten.“ Das Zusammentreffen mit Kreativen, denen man noch nie begegnet ist, sei einzigartig, auch weil die Verständigung oft sehr elementar sei: „Mit dem Südkoreaner klappt es auch perfekt ohne Sprache, mit wenigen Worten in Englisch – mit Händen und Füßen drücken wir uns aus.“

Eine Malerin aus Venedig

Dem „unbekannten“ Lee Myoung-Bok stehen die „alten Bekannten“ gegenüber, wie der Aquarellist und gelernte Holzbildhauer Gustav Just, das holländische Künstlerpaar Mieke Verhaar und Fred Mooij, Manfred Leirer, der burgenländische Autor Gerhard Altmann, Harro Pirch und dessen Tochter Constanze. „Und erstmals kommt eine Italienerin“, ist Harro Pirch erwartungsvoll. Claudia Zuriato, eine 42-jährige Venezianerin, könnte neue Facetten in den Künstlerkreis einbringen: „Eine freischaffende Künstlerin, deren Malereien ins Surreale gehen. Das wird interessant.“

Ausstellung als Abschluss

Was wirklich daraus wird, wenn der Südkoreaner unter den Nussbäumen malt, die Holländer die künstlerische Diskussion des letzten Sommers wieder aufgreifen und der Burgenländer mit Texten Impulse gibt, das bleibt nicht geheim. Am letzten Donnerstag im Juli gibt es die Vernissage zur Ausstellung der Werke, die hier in Unterrabnitz entstanden sind. Im und um das vor 350 Jahren erbaute Turmhaus in Unterrabnitz. Harro Pirch lädt zu sich ein.

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Becki odrezak und Bratwurst. Pivo und Spritzer. Urlaubsstimmung am Sportplatz in Frakanava/Frankenau. Und die Tamburica-Gruppe Granicari aus Filež/Nikitsch spielte auf. Eine passende Gelegenheit, miteinander auf Kroatisch die letzten Neuigkeiten auszutauschen oder als Gast aus der Umgebung einen unterhaltsamen Abend zu verbringen – und einem Tamburica-Ensemble aus der Region zu lauschen. Es war einer von acht Abenden, an denen Gruppen aus den Nachbargemeinden in kroatischen Orten aufspielen. „Tamburica am Lagerfeuer“ wird vom Kroatischen Kulturverein organisiert. Die nächsten Termine der traditionellen Sommer-Events: 21. 7. in Mali Borištof/Kleinwarasdorf (Tamburica Frakanava), 27. 7. in Mjenovo/Kroatisch Minihof (Harmonija), 11. 8. in Filež/Nikitsch (Brezovci), 14. 8. in Gerištof/Kroatisch Geresdorf (Lole) und 1. 9. in Šuševo/Nebersdorf (Harmonija).

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Bürgermeister und Kindergärten hoffen auf starke Geburtenjahrgänge

Markus Landauer: „Im Kindergarten wächst die Zukunft unserer Gemeinde heran. Die Pädagogen bekommen jede mögliche Unterstützung.“ Foto: zVg
Markus Landauer: „Im Kindergarten wächst die Zukunft unserer Gemeinde heran. Die Pädagogen bekommen jede mögliche Unterstützung.“ Foto: zVg

Die Kindergärten sind die erste Bildungseinrichtung für die Zukunft junger Menschen. In den Kindergärten zeigt sich aber auch die Zukunft einer Region. Und hier herrscht bei uns kein Grund zum Jubeln. Jahr für Jahr sind es weniger Kinder, die in Kinderkrippen, Kindergärten und Horten eingeschrieben sind.

Knapp 1.300 Kinder besuchen derzeit die Kinderbetreuungseinrichtungen des Bezirkes. Ähnlich viele wie vor einem Jahr. Schaut man aber genauer hin, ist der Trend eindeutig negativ. Den 44 Kindergärten der Region fehlen die Kinder.

Betreuungseinrichtungen wären vorhanden. Für die jüngsten Kinder gibt es sogenannte Krippen in sieben Ortschaften, in Deutschkreuz, Klostermarienberg, Lackendorf, Neutal, Oberloisdorf, Oberpullendorf und Steinberg-Dörfl. Dazu kommen 21 Kindergärten, 13 alterserweiterte Kindergärten und 3 Horte, nämlich in Großwarasdorf, Lutzmannsburg und Oberloisdorf. Die überwiegende Mehrzahl der Betreuungseinrichtungen für die Kleinen wird von den Gemeinden geführt, nur vereinzelt – in Deutschkreutz, Lackendorf, Unterfrauenhaid, Oberpullendorf und Kaisersdorf – sind es die Pfarren, die Caritas oder private Vereine, die die Einrichtungen betreiben.

Die meisten Kinder gibt es in den Gemeinden Deutschkreutz (77), Oberpullendorf (71), Steinberg (70) und Lockenhaus (66). Die wenigsten Kinder, nämlich 11, werden in Oberpetersdorf betreut. Eine Momentaufnahme: BURGENLAND MITTE zeigt anhand der Zahlen des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, in welchen Ortschaften es heuer mehr, gleich viele oder weniger Kinder in den Kindergärten und den „alterserweiterten“ Kindergärten gibt.

Lokalaugenschein im Kindergarten „Melinda Esterházy“

9In vielen Orten des Bezirkes Oberpullendorf klagen die Verantwortlichen, es gäbe zu wenige Kinder, immer mehr Familien blieben kinderlos. Nicht so in Raiding. Bürgermeister Markus Landauer hat bei der letzten Bürgerversammlung stolz verkündet, dass Raiding demnächst auf einen Kinderrekord zusteuere.

Zufriedene Gesichter auch bei den drei Kindergartenpädagoginnen und den zwei Helferinnen. Sie sind mehr als ausgelastet. Aktuell sind es 33 Kinder, die sie zu betreuen haben. 33 ist eine relativ hohe Zahl, hat Raiding doch nicht einmal 1.000 Einwohner. Die Chefin Alexandra Pekovits ist angesichts der Kinderzahlen optimistisch: „Demnächst kommen wahrscheinlich noch zwei dazu. Und für das nächste Kindergartenjahr sind bereits 39 Kinder eingeschrieben. Wobei eine Familie, die zugezogen ist, ihre zwei Kinder noch nicht angemeldet hat.“ Und eine weitere Familie habe auch schon bezüglich eines Kindergartenplatzes angefragt.

Mehr Mädchen als Buben

Was in Raiding auffällt, ist die Überzahl an Mädchen. „Momentan haben wir 20 Mädchen und 13 Buben, ab Herbst werden wir 27 Mädchen und 12 Buben betreuen dürfen. Also kommen dann auf einen Buben zwei Mädchen“, meint lächelnd Alexandra Pekovits, die seit zwölf Jahren im Kindergarten arbeitet und ihn seit neun Jahren leitet. Sie ist mit den Möglichkeiten in Raiding zufrieden. Die Qualität der Kinderbetreuung in einer Kindergartengruppe lasse sich nicht nur an Hand von Kinderzahlen bewerten, meint sie. „Ein entscheidender Faktor ist geeignetes, engagiertes Personal – fachlich und personell kompetent – das in einem harmonischen Team arbeitet! Denn ein solches anerkanntes Team zeigt auch rechtzeitig Missstände oder Leistungsgrenzen auf und findet Unterstützung beim Kindergartenbetreiber. In unserem Fall klappt das perfekt bei der Gemeinde Raiding. Wir sind alle ein Team, das sich gegenseitig hilft und unterstützt.“

Ab zweieinhalb Jahren können Eltern ihr Kind in den örtlichen Kindergarten bringen. Und auch über Mittag – mit Mittagessen – betreuen lassen. Eine Pädagogin hat motopädagogische Ausbildung und fördert mit speziellen Übungen die motorischen Fähigkeiten bestimmter Kinder. Außerdem läuft im Raidinger Kindergarten das Sonderprojekt „Unter 7- Über 70“: Kinder im Alter von unter 7 Jahren besuchen einmal pro Woche Menschen mit über 70 Jahren im Pflegeheim Drescher. Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder Freude am gemeinsamen Musizieren und am Zusammensein mit der Großelterngeneration haben. Ein Bild voll Lebensqualität. Eine Gemeinschaft, in der jeder seinen Platz hat. Und Kindergartenkinder, die aus diesen Begegnungen wertvolle Impulse bekommen.

Sie kümmern sich um den Raidinger Nachwuchs – von links: Elfriede Krenn – Helferin, Marlies Nußbaumer – Leiterin Halbtagesgruppe, Alexandra Pekovits – Leiterin Kindergarten Raiding, Doris Hofer – Leiterin Ganztagesgruppe (gemeinsam mit Chefin), Sandra Wiedeschitz – Integrationskindergärtnerin. Foto: Foto Tschank
Sie kümmern sich um den Raidinger Nachwuchs – von links: Elfriede Krenn – Helferin, Marlies Nußbaumer – Leiterin Halbtagesgruppe, Alexandra Pekovits – Leiterin Kindergarten Raiding, Doris Hofer – Leiterin
Ganztagesgruppe (gemeinsam mit Chefin), Sandra Wiedeschitz – Integrationskindergärtnerin. Foto: Foto Tschank

 

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Foto: zVg Schlossspiele

Alter: 64, Sternzeichen: Steinbock, Aszendent: Skorpion

Lebenslauf
Geb. 1953 in Linz; Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz mit Auszeichnung abgeschlossen; lebt in Wien und Draßburg im Burgenland. Viele Preise und Auszeichnungen, unter anderem drei Mal den Fernsehpreis „Romy“ für den „Beliebtesten Serienstar“ und „Beliebtesten Schauspieler“. Seit 30 Jahren freier Schauspieler mit Verpflichtungen am Theater in der Josefstadt, Volkstheater Wien, Schauspielhaus Zürich, Opernhaus Graz, Renaissancetheater Berlin, an der Volksoper Wien und bei den Salzburger Festspielen; zahlreiche Film- und Fernsehengagements.

Wolfgang Böck ist Gründungsmitglied des Wald4tler Hoftheaters und setzt sich als MPS-Botschafter für öffentliches Bewusstsein über die angeborene Stoffwechselerkrankung MukoPolySaccharidosen (MPS) ein. Drei Bücher sind entstanden nach kulinarisch-kulturellen Reisen mit Autor Günther Schatzdorfer, und er tritt mit Band mit dem Konzertprogramm „boeck.privat@habtsmigern.ade“ auf. Seit 14 Jahren ist Wolfgang Böck künstlerischer Leiter der Schloss-Spiele Kobersdorf.

Das bin ich
„ … ein Narr im positiven Sinne, nicht den Regeln angepasst. Das geht ja gar nicht anders in meinem Beruf. Man muss Kind bleiben, und wenn man eine kindliche Seele hat, dann wirkt man natürlich auf die Umwelt irgendwie verrückt – auch wenn man 64 Jahre alt ist.“

Mein Markenzeichen
„Ich versuche, so ehrlich wie möglich meinen Beruf auszuüben. Ohne Sperenzchen. Ich versuche immer, den Figuren, die ich spiele, auf den Grund zu kommen, und sie als Menschen erkennbar zu machen. Viele Leute sagen, sie erkennen mich an meiner Stimme – scheint auch ein Markenzeichen zu sein. Und ich bin ein bodenständiger Mensch. Ich hab in all den Jahren den Boden unter den Füßen nicht verloren – auch bei großen Erfolgen.“

Viele sagen über ihn: „Ein Mensch mit einem Tschik in der Hand.“

Was mich besonders geprägt hat
„Da gibt es verschiedene Dinge, im Positiven wie im Negativen. Die Begegnung mit meiner Frau war ein entscheidender Wendepunkt in meinem Leben. Weil, wenn man das Glück hat, dass man jemandem begegnet, mit dem man dann so lange Jahre beisammen ist, einen Sohn hat und nach 30 Jahren noch immer Spaß miteinander hat, dann ist das ein Glücksfall. Das war auch deshalb ein prägender Moment, weil es meinen Lebensweg mitbestimmt hat.“

Mein Stolz
„Ich bin stolz auf meine Integrität, die ich mir erhalten konnte über all die Jahre. Was gar nicht so einfach ist, wie man meinen möchte. Und ich bin immer wieder stolz auf meine Arbeit. Wenn ich Kobersdorf hernehme: wenn wir jeden Sommer eine schöne Produktion zusammenbringen, bin ich stolz, nicht nur auf mich selbst, sondern auf die ganze Truppe.“

Meine bekannteste Rolle
„Ich hab so viele Rollen in meinem Leben gespielt. Natürlich machen die Rollen im Fernsehen, in einer Serie, bekannt. Wenn es glückt, eine Figur so zu kreieren, wie es mir mit dem Kieberer Trautmann geschehen ist, gibt das ein gewisses Branding.“ Zusatz: Für seine authentische Darstellung dieses „Gruppeninspektors“ wurde Wolfgang Böck von der Vereinigung der Bundeskriminalbeamten Österreichs zum „Ehrenkieberer“ ernannt und von Exekutivbeamten mit der „Goldenen TV Handschelle“ ausgezeichnet.

Mein Lieblingsspruch
„Man ist immer wieder inspiriert von dem, was man gerade in seiner Arbeit macht. Im Stück „Der zerbrochne Krug“ geht es letztlich um die Wahrheit, um die Wahrheitsfindung und – wenn man es vonseiten meiner Rolle, des Dorfrichters Adam, sieht – um die Wahrheitsvertuschung. Sie soll nur ja nicht ans Tageslicht kommen, das hätte fatale Folgen. Mark Twain soll das gesagt haben: Die Wahrheit ist unser kostbarstes Gut, lasst uns sparsam damit umgehen!“

Mein Ort zum Entspannen
„Den hab ich wirklich. Es sind mein Domizil, das ich in Draßburg habe, und ganz speziell der Neusiedler See. Ich hab ein Boot in Oggau und wann immer ich Zeit habe, verbringe ich sie am See draußen. Das ist wirklich leiwand. Der See ist Natur, Entspannung, Abenteuer, Freude. Den See liebe ich sehr.“

Lehren meines Lebens
„Man muss die Dinge grundsätzlich hinterfragen, und man muss auch den Erfolg hinterfragen. Natürlich ist es schön, wenn man Erfolg hat, wenn man sehr, sehr viel Erfolg hat. Man muss aber dem Erfolg eine gewisse Wertigkeit geben. Als mir die Medienpräsenz mit dem ‚Trautmann‘ passiert ist, war ich schon relativ alt – keine 20 oder 25 mehr. Dann wär‘s vielleicht schwieriger gewesen, weil da könnte man das Gefühl haben, man ist wer.“

Meine Versäumnisse
„Ich habe nichts versäumt. Ich bin durchaus mit meinem Leben so zufrieden, wie es ist.“

Mein Ausgleich
„Das Motorradfahren, unter anderem. Mit dem Segeln hab ich wieder aufgehört – aber auf den See hinausfahren mit einem Boot, das ist Ausgleich, Entspannung pur. Motorradlfahren ist lustig. Ich hab’ Spaß dabei, meine alten Autos zu bewegen. Gartenarbeit ist Ausgleich für mich. Und ich lese gerne.“

Mein Lebensmotto
„Den Tag genießen. Carpe diem. Es ist der Tag, so wie er ist, zu genießen – und auch zu nützen. Das lernt man, wenn man älter wird. Dann wird einem die Endlichkeit bewusst, dass es aus ist irgendwann einmal. Deshalb sollte man den Tag, den Augenblick genießen, auch für den Moment leben. Und man sollte mit den Mitmenschen gut umgehen. Was mich wirklich traurig machen würde, wäre, wenn ich – gewollt oder ungewollt – jemanden verletzt hätte, und ich könnte das nicht mehr gutmachen.“

Mein Talisman
„Für meine Arbeit habe ich keinen Talisman. Allerdings trage ich einen Ohrring, den ich vor vielen Jahren als junger Mann von einer Frau geschenkt bekommen habe. Den trage ich. Den hab’ ich auch schon manchmal verloren, hab‘ ihn aber immer wieder gefunden, erstaunlicherweise. An dem hänge ich.“ Den traditionellen Aberglauben der Bühnenschaffenden praktiziert Wolfgang Böck sehr wohl: „Pfeifen auf der Bühne bringt Unglück! Essen auf der Bühne – außer wenn es die Rolle verlangt – geht nicht; die Bühne ist gleichsam ein heiliger Raum! Und für Glückwünsche (’Toi, toi, toi’ zum Beispiel) darf man sich nicht bedanken. ‚Wird schon schief gehen‘, ist meine passende Antwort.“

Mein Anspruch als Intendant
„… in Kobersdorf nicht nur erstklassiges und handwerklich-professionelles Theater zu bieten, sondern auch eine ausgewogene Verbindung zwischen Kunst und Genuss.“

Mein Wunsch für die Schloss-Spiele
„Jede Besucherin und jeder Besucher sollte unser Gelände nach der Aufführung verlassen mit dem Gefühl, einen schönen Theaterabend genossen zu haben. Mit allem Drum und Dran, das wir im Kobersdorfer Schloss anbieten können. Dafür bemühen wir uns auch heuer vom 4. bis zum 30. Juli. Am Stück sollte es nicht liegen. Das Stück ist stark. ‚Der zerbrochne Krug‘ von Heinrich von Kleist ist eine berühmte Komödie, die seit mehr als 200 Jahren auf den Bühnen dieser Welt Bestand hat.“

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Foto: A.Z.

30 Fakten, die Sie über das Rotweinzentrum wissen sollten.

Der Wein ist im Mittelburgenland aus Tourismus, Wirtschaft und Gesellschaft nicht wegzudenken. Aushängeschild ist die Rotweinsorte Blaufränkisch, sie hat dem „Blaufränkischland“, wie die Weinbauregion genannt wird, ihren Namen gegeben. Der Hauptort ist Deutschkreutz. Hans Tesch hat für BURGENLAND MITTE bei Funktionären, Winzern und in Dokumenten recherchiert; er bringt 30 Fakten, die Sie kennen sollten.

1. Die Größe

Die Weinbaufläche beträgt 720 Hektar. Das sind 38 % der Weinbaufläche des gesamten Blaufränkischlandes (1.900 ha), 6 % der Rebfläche des gesamten Burgenlandes (12.300 ha) und 1,6 % der Weinbaufläche Österreichs (45.500 ha). Die Deutsch­kreutzer Winzer bewirtschaften mehr als 1.500 Weingärten mit einer Gesamtfläche, die etwa halb so groß ist wie das Weinbaugebiet Wachau.

2. Die Top-Lagen

Jeder Winzer „schwört“ auf sein Weinbaugebiet. Unbestritten zu den besten Lagen gehören die Rieden Hochberg, Mitterberg, Goldberg, Fabian, Siglos, Satz, Kart und Steinriegel.

3. Die Böden

Vorherrschend sind mittelschwere bis schwer sandige Lehmböden mit großer Wasserspeicherfähigkeit, was in trockenen Jahren sehr positiv ist. In den Toplagen findet man Kalksandstein im Untergrund, der Mineralität und Würze bringt. Auf dem Hotter des Ortsteiles Girm befinden sich sehr gute Weißweinlagen.

4. Das Mikro-Klima

Das Deutschkreutzer Weinbaugebiet ist das einzige im Bezirk, das vom Neusiedler See beeinflusst wird. Immerhin sind es nur sieben Kilometer Luftlinie zum ungarischen Teil des Sees. Das bewirkt zum Beispiel einen Vegetationsvorsprung von meist zehn Tagen gegenüber dem benachbarten Weinbaugebiet Horitschon. Und es ermöglicht sogar die Produktion von extrasüßen
Trockenbeerenauslesen.

5. Die Rebsorten 

Auf mehr als der Hälfte der Flächen findet man die Rotwein-Sorten Blaufränkisch und Zweigelt. Dazu kommen Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und St. Laurent. Der Anteil der Weißweinsorten macht rund ein Sechstel der Gesamtfläche aus. Es dominiert der Grüne Veltliner, dazu kommen Chardonnay, Sauvignon Blanc und Welsch­riesling. Der Blaufränkische ist die Paradesorte, doch nirgendwo sonst im Bezirk gibt es einen so hohen Weißwein-Anteil.

6. Die Weinbauern

Der örtliche Weinbauverein zählt 75 Mitglieder. Rund 30 von ihnen erzeugen Wein, füllen ihn in Flaschen und vermarkten diese selbst. Drei Weinbauern sind ganz große Weinproduzenten, die ihren Wein „im Gebinde“ verkaufen, was dazu führt, dass jeder fünfte Liter Deutschkreutzer Wein den Ort in Tankwagen verlässt. Ein paar Weinbauern erzeugen keinen Wein; sie verkaufen die Trauben an Händler oder Weinbau-Kollegen.

Obmann des Weinbauvereines ist Albert Gesellmann. Er sieht im Ort eine positive Entwicklung: „In den letzten zehn Jahren hat zwar jeder dritte Winzer aufgegeben, allerdings haben sich dadurch die bewirtschafteten Flächen der verbleibenden Betriebe vergrößert. Und positiv ist auch, dass unsere Betriebe in Familienbesitz geblieben sind.“

Ein anderer Spitzenwinzer aus Deutschkreutz, Walter Kirnbauer, steht an der Spitze aller Winzer der Region; er ist Präsident des Verbandes Blaufränkischland.

7. Bio-Weine sind die Ausnahme

Die Deutschkreutzer bleiben bei der traditionellen, umweltschonenden Produktion. Walter Kirnbauer und Gerhard Pfneisl zum Beispiel streichen ihre „zertifiziert nachhaltige“ Produktionsmethode hervor, Albert Gesellmann ist seit zwei Jahren kontrollierter Bio-Winzer, das Weingut Hans Igler bewirtschaftet 10 der 40 Hektar biologisch, Silvia Heinrich produziert in Jahren mit normaler Witterung „biologisch“, und weitere Betriebe arbeiten gerade an der Umstellung auf Bio. „Orange“-Weine sind in Deutschkreutz kein Thema, ausgenommen für Bernhard Ernst, der maischevergorenen Weißwein macht.

8. Exporte bis nach China

Die Chinesen sind Rotweintrinker. Silvia Heinrich sowie Josef und Horst Gager beliefern sie bereits intensiv. Das Volumen der Exporte ist für einzelne Winzer nennenswert. So liefert Albert Gesellmann 20 bis 25 Prozent eines Weinjahrgangs ins Ausland, hauptsächlich nach Deutschland, in die Schweiz, nach Dänemark und Australien. Walter Kirnbauer ist stolz auf seine Schweiz-Exporte, für Waltraud Reisner-Igler  stehen Deutschland, die Schweiz und Belgien an vorderster Stelle und Monika Strehn nennt Deutschland und die USA als Lieferländer. Klein, aber stark im Export, ist der Newcomer Bernhard Ernst; er ist stolz auf einen Exportanteil von „60 Prozent“.

9. Wo der Boss eine Frau ist

In praktisch allen Weinbaubetrieben spielen die Frauen eine wesentliche Rolle, vielfach bei der Arbeit im Weingarten, häufig bei Buchhaltung und Organisation. In drei – höchst erfolgreichen – Betrieben gibt eine Frau als Chefin den Ton an. Waltraud Reisner-Igler hat den Betrieb von ihrem Vater Hans Igler übernommen, bewirtschaftet 40 Hektar und führt ihn gemeinsam mit Sohn Clemens – unterstützt vom Gatten Wolfgang Reisner.

Silvia Heinrich leitet in Eigenverantwortung das 36 Hektar umfassende Weingut, das ihr Vater Johann aufgebaut hat. Mehr über die innovative Winzerin unter Punkt 13, unter „11 Frauen und ihre Weine“.

Und Monika Strehn ist Chefin im 50 Hektar großen Betrieb der Familie, in dem auch ihre Tochter und die beiden Söhne mitarbeiten.

10. Die Top-Winzer

Ein Erfolg hat viele Komponenten. Ein Teil ist die öffentliche Anerkennung der Leistung. Früher waren es die Goldmedaillen bei den Prämierungen. Für die heutigen Top-Winzer sind es vor allem die Reihungen und Platzierungen ihrer Weine und ihres Betriebes in den großen Fachmagazinen.

An der Spitze der vielfach ausgezeichneten Winzer steht für Deutschkreutz und auch für das Mittelburgenland Albert Gesellmann. Das Wein- und Gourmet-Magazin Falstaff reiht ihn unter die „Top 10 Österreichs“ und Vinaria, nach Eigendefinition Österreichs Zeitschrift für Weinkultur, gibt ihm die Höchstbewertung von 5 Kronen, die nur noch weitere 14 Winzer in ganz Österreich erhalten haben. Es folgen eine Reihe von höchst prämierten und oft gereihten Betrieben; in Anlehnung an das Vinaria-Magazin sind es Hans Igler, Silvia Heinrich, Walter Kirnbauer, Josef Gager, Bernhard Ernst, Pfneisl United Vineyards, Josef und Maria Reumann, Grenzlandhof Reumann und Josef Igler. Mit Auszeichnungen glänzen auch die meisten anderen Winzer; so hat Rudolf Dorner im Vorjahr mit einem Pinot Noir den Landessieger gestellt.

11. Next generation

In einigen Betrieben drängen Töchter und Söhne vor und kämpfen um ihren Platz im Weingut.

Clemens Reisner, Enkel des Rotweinpioniers Hans Igler, lenkt – nach Praktika in Bordeaux und Australien – die Arbeiten in den Weingärten und im Keller. Er geht aber zusätzlich einen eigenständigen Weg innerhalb des renommierten Familien-Weingutes. Er bewirtschaftet eigene Weingärten mit 45 Jahre alten Reben. Er setzt auf Blaufränkisch reinsortig, lässt die Weine länger vergären, praktiziert die temperaturkontrollierte Vergärung – und vermarktet seine Produkte als eigene Serie.

Lisa Pfneisl sorgt für Öffentlichkeit mit einem „Wrapped Wine“, einem bodenständigen – in bestimmten Jahren sogar ungefilterten – Wein in 100-Prozent-Altglasflasche und eingewickelt in ausgesuchtem Recyclingpapier. Das Weinkonzept beschreibt die 27-jährige Deutschkreutzerin, die im Familienweingut in Kleinmutschen arbeitet, mit nachhaltig, ökologisch, bodenständig, vegan und trendig. Und der Name der Wein-Serie deutet auf sie selbst hin: „Offspring“, was soviel wie Nachwuchs bedeutet.

Auf eine andere Weise sorgen die Geschwister Pia Strehn (Marketing), Patrick Pfneisl (Kellermeister) und Andy Pfneisl (Koch) dafür, dass das Weingut ihrer Mutter Monika positiv im Mittelpunkt steht. Sie haben die Idee eines kreativen Nobel-Heurigens verwirklicht und damit das gastronomische Angebot des Ortes und der Region bereichert. Sie punkten mit außergewöhnlichen Speisen, besonderem Ambiente im ansprechenden Gutshof und einem exzellenten Service. Und sogar die Spitzenweine des Hauses gibt es glasweise zu verkosten. Gelungen ist ein regelrechter Blitz-Start. Vom Wein- und Genuss-Magazin Falstaff wurde der Heurige Strehn als bester Heuriger des Mittelburgenlandes gereiht.

Weinbauvereinsobmann und Spitzenwinzer Albert Gesellmann sieht darüberhinaus weiteren engagierten Winzer-Nachwuchs im Ort und nennt als Beispiele die Namen Mario Felder, Christian Kirnbauer und
Michael Kovacs.

12. Der „junge Wilde“ 

Ein Musterbeispiel für einen radikalen Neu-Anfang zeigt Bernhard Ernst vor. Er hat den elterlichen Betrieb adaptiert und ein typisches „Garagenweingut“ daraus gemacht. Er arbeitet nach alten Methoden und führt die Vergärung – wie früher – in kleinen offenen Bottichen durch: „Keine Konzentration des Mostes, kein Einsatz von Holzchips, künstlichen Tanninen, Reinzuchthefen oder Bakterien. Alle Weine werden spontan vergoren, lange auf der Hefe gelagert und je nach Jahrgang unfiltriert abgefüllt.“ Seinen exklusiven Blaufränkisch verkauft er um 100 Euro die Flasche – und hält das für angebracht. Cuvée Jahrgang 2009, Blaufränkisch von Goldberg und Hochberg, 6,5 % Säure, trocken mit 1,4 Gramm Restzucker, aber hohem Alkoholgehalt von 14 Prozent. Ernst übertrifft als ehrgeiziger junger Winemaker – beim Preis – die Großen der Rotweinszene. Mit 60 % hat er einen der höchsten Exportanteile im Burgenland.

13. Die Deutschkreutzerin unter den „11 Frauen und ihre Weine“    

Jeder Weinort hat seine Aushängeschilder. Silvia Heinrich ist es auf ihre charmante und kompetente Art. Sie ist die einzige Deutschkreutzerin, die zum österreichweiten Zusammenschluss „11 Frauen & ihre Weine“ gehört. Diese machen – nach Selbstbeschreibung – einen Wein, „den viele Männer gerne machen würden“. Die Deutschkreutzerin schätzt die „ehrliche Freundschaft“ und die Hilfe, die die Winzerinnen einander geben. Für Silvia Heinrich ist Winzerin zu sein nicht Beruf, sondern Berufung. Und für sie ist es ein „Schatz“, den Blaufränkisch als Hauptsorte zu haben. Ihr Ziel: Spezialisierung auf reinsortigen Blaufränkisch. Die Basis ist vorhanden: 80 Prozent ihrer Reben sind Blaufränkisch – zu verkosten in sieben Ausbaustufen.

Auch beim Vermarkten ist Silvia Heinrich kreativ und engagiert. 30 Prozent ihres Weines liefert sie ins Ausland, einen beachtlichen Teil davon nach China. „Rotwein wärmt Herz und Körper und bringt Glück“, sagen – laut Winzerin – die Chinesen. Im Inland ist eine Verkaufsschiene der Zusammenschluss der Vitikult-Winzer. Der Plan war, einen Wein um 10 Euro anzubieten, der jedoch mehr kann. Begonnen hat Vitikult vor 14 Jahren mit neun Betrieben, jetzt sind es nur noch drei. Silvia Heinrich ist als Letzte aus Deutschkreutz noch dabei.

14. Der Rotwein-Pionier

Der Deutschkreutzer Hans Igler gilt als Leitfigur des Rotweines im Burgenland und als einer der Pioniere in ganz Österreich. Der 1994 Verstorbene hat mit seinem Können und seinem Experimentiergeist österreichweit auf Deutschkreutz und die Rotweinregion Mittelburgenland aufmerksam gemacht. Er war es, der sich Anfang der achtziger Jahre aus Frankreich kleine, gebrauchte Eichenfässer, sogenannte Barriques, liefern hat lassen, um zu testen, wie sich der mittelburgenländische Rotwein in diesem Fass ausbauen lässt. Er war es auch, der in Österreich begonnen hat, den Säureabbau biologisch durchzuführen. Hans Igler hat mit seinen Spitzenweinen von einer Fachjury mehrmals die Auszeichnung „Falstaff-Sieger“ für den besten österreichischen Rotwein zuerkannt bekommen. Er war ein charismatischer Lehrmeister für viele burgenländische Weinbauern.

15. Deutschkreutz vorne – und vorne dabei

Deutschkreutz hat – mit Hans Igler – die ersten Falstaff-Sieger in Österreich gestellt. Er und andere Deutschkreutzer haben maßgeblich daran mitgearbeitet, die Stilrichtung der Rotwein-Cuvée zu beeinflussen. Walter Kirnbauer bezeichnet seinen Spitzenwein „Das Phantom“ stolz als erste Rotwein-Cuvée Österreichs. Andere Cuvée-Highlights der ersten Stunde sind Vulcano (Hans Igler), Opus Eximium (Albert Gesellmann) oder Quattro (Josef Gager).

16. Die Architektur der Weingüter und Keller 

Zum perfekten Weinerlebnis gehört nicht nur der Wein selbst, sondern auch der Platz, wo der Wein „wohnt“. In Deutschkreutz gibt es eine Reihe von sehenswerten Weingütern, Verkostungsräumen und Kellern, in denen fachkundige Führungen gemacht und kommentierte Verkostungen durchgeführt werden. Es sind nicht romantische Kellergewölbe, die locken. Es sind vorbildlich restaurierte historische Räumlichkeiten ebenso, wie neue Bauten innovativer Architekten. Adressen zum Architektur-Schauen: das moderne „Chateau“ von K+K Kirnbauer mit dem dominanten Barriquekeller in der unteren und der traumhaften Ausblicksterrasse in der oberen Etage; der beeindruckende Barriquekeller von Albert Gesellmann im kalifornischen Stil, der vor 300 Jahren erbaute historische Schaflerhof von Reisner-Igler, in dem die Barriquefässer wie in einer Kathedrale aufgebahrt wirken, der moderne Designer-Bau von Josef Gager neben der katholischen Kirche oder das Weingut Pfneisl, eine innen wie außen schwarze Box mit riesiger Glasfront, inmitten von Weingärten in Kleinmutschen.

17. Heurigentradition

Thomas Weber, Inge Leser, die Familie Zistler, Friedl Reumann oder Martin Gradwohl. Alles durchwegs kleine Weinbauern, die ein paar Mal im Jahr ihren Buschenschank-Betrieb für zwei bis drei Wochen aufsperren.  Serviert werden regional-typische Schmankerl und gepflegte Eigenbauweine. Insider wissen, dass in Deutschkreutz – fast immer – irgend ein Heuriger geöffnet hat. Und seit zwei Jahren gibt es auch das Schenkhaus der Familie Strehn, das mit kulinarischen Überraschungen punktet. Sogar Weinbergschnecken, Gazpacho, Gänse-Maki oder Delikatessen vom Schaf standen schon auf der Speisekarte.

18. Wohnen im Weingut 

Wer eine Weinverkostung wirklich genießen will, braucht ein „Taxi“ oder eine Unterkunft für danach. In Deutschkreutz bieten die Weingüter Gager und Heinrich sowie der Blaufränkischhof Zistler Gästezimmer direkt im Weingut an. Zielführende Adressen, auch für einen Urlaub am Weinbauernhof.

19. Vinatrium-Gebietsvinothek     

Die Weinfreunde freut’s. Es gibt einen Keller, in dem Weine von 50 Winzern des gesamten Blaufränkischlandes zu verkosten und zu Ab-Hof-Preisen zu kaufen sind. In der Gebietsvinothek lagern mehr als 400 verschiedene Weine, darunter die Top-Rotweine Österreichs. Ein großes Verdienst der Gemeinde Deutschkreutz, auf das Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Manfred Kölly stolz hinweist: „Die Gemeinde hat das historische Gebäude mit dem Gewölbekeller gekauft und rund eine Million Euro investiert. Die Gemeinde stellt das Gebäude zur Verfügung, primär den Deutschkreutzer Winzern, aber darüber hinaus den Winzern der gesamten Region. Damit wurde ein Angebot geschaffen, das nicht nur die Weinwirtschaft, sondern auch den Tourismus in Deutschkreutz belebt.“ Im Hause – genannt Vinatrium – untergebracht ist außerdem eine „Wein-Lounge“ und einer der attraktivsten großen Veranstaltungsräume der Region.

20. Weinfestival und „Offene Kellertüren“  

Alljährlich am zweiten Juli-Wochenende findet das Rotweinfestival Mittelburgenland statt. Eine der größten Weinveranstaltungen des Burgenlandes. Täglich präsentieren Spitzenwinzer aus dem Blaufränkischland mitten im Ort ihre Weine – begleitet von stimmiger Musik. Während des Festivals gibt es zwei „Tage der Offenen Kellertür“. So kann man Weine verkosten, das Ambiente des Weinguts kennenlernen und sich mit den Produzenten über Qualitäten, Tannine und Besonderheiten unterhalten. Am Festival, das heuer am 13. Juli beginnt, nehmen 20 Deutschkreutzer Winzer teil.  Darüber hinaus präsentieren sich auch einzelne Kollegen aus Neckenmarkt, Horitschon, Raiding, Draßmarkt, Kleinmutschen und Lutzmannsburg.

21. Wo einem die hohe Geistlichkeit zuprostet 

Die Deutschkreutzer wissen zu feiern. Ob Weintaufen oder Kellersegnungen, ob im Kreise der Weinritter oder mit hunderten Gästen bei der Eröffnung des Weinfestivals. Und immer wieder sind Prominente dabei. Ein oft gesehener Gast und Zelebrant ist Toni Faber, der Dompfarrer von St. Stephan in Wien. Er hat den Neubau des Weingutes Gager gesegnet und zuletzt den jungen Wein von Maria und Hans Hofstädter getauft. Und beim Weinfestival ist Toni Faber Ehrengast. Ebenso der römisch-katholische Ortspfarrer von Deutschkreutz, Franz Brei. Der „singende Pfarrer“ segnet die Deutschkreutzer Weine alljährlich am 27. Dezember, am Festtag des Heiligen Apostels
Johannes.

22. Koscherer Wein

Es hat ihn vor ein paar Jahrzehnten noch gegeben, den nach jüdischen Religionsvorschriften erzeugten Wein. Koscherer Wein wurde vom Weingut Wrann produziert und vermarktet. Historische Basis für den koscheren Wein ist die jüdische Vergangenheit von Deutschkreutz mit der überregional bedeutenden Talmud-Schule. Zelem – das ist der hebräische Name für Deutschkreutz – gehörte zu den jüdischen „Sieben-Gemeinden“, und stand somit – ebenso wie Lackenbach, Kobersdorf, Mattersburg, Eisenstadt, Frauenkirchen und Kittsee – unter der Schutzherrschaft der Esterházys. Das bewirkte einen Zuzug von aus anderen Gebieten vertriebenen Juden. In Deutschkreutz lebten vor gut 150 Jahren bis zu 1.250 Juden, was einem Anteil von knapp 40 Prozent an der Gesamtbevölkerung entsprach. Vor 100 Jahren war Deutschkreutz–Zelem noch die größte Judengemeinde des Burgenlandes. Heute gibt es keinen jüdischen Bewohner und keine Synagoge mehr – und auch keinen koscheren Wein. Übrigens: Die Redewendung, jemandem reinen Wein einschenken, geht auf den koscheren Wein zurück.

23. Winzergenossenschaft wurde privatisiert

Vielen erfolgreichen Winzern stand jahrelang in Deutschkreutz eine glücklose Genossenschaft gegenüber. Die Qualität und der wirtschaftliche Erfolg wollten sich nicht einstellen. Eine geplante Fusion mit den Winzergenossenschaften Horitschon und Neckenmarkt scheiterte. Der Mitgliederschwund und hohe Schulden zwangen zum Handeln. Der Verkauf des „Winzerkellers“ wurde ausgeschrieben. Vor sieben Jahren haben Maria und Michael Höferer Gebäude und Gerätschaften gekauft – und betreiben dort heute ihre „Deutschkreutzer Weinmanufaktur“.

24. Big-Bottle-Winzer

Magnum, Doppelmagnum, Jeroboam, Imperial, Methusalem, Salmanasar, Balthasar, Nebukadnezar – das sind die Bezeichnungen für die Großflaschen von 1,5 Liter bis 15 Liter. Sie machen Eindruck und sind gefragt. Und werden von einigen Winzern in Deutschkreutz gerne für Private und die Gastronomie gefüllt. „Melchior“ nennt sich das 18-Liter-Behältnis, das zum Beispiel Albert Gesellmann mit einem seiner Topweine füllt. Die 27-Liter-Flasche, genannt Goliath, wird jedoch nicht gefüllt; da würde die leere Flasche schon an die 1.000 Euro kosten.

25. Die teuersten Bouteillen

Die besonderen Weine der Deutschkreutzer Top-Betriebe kosten in der 0,75-Liter-Flasche zwischen 30 und 150 Euro. 32 Euro verlangt Waltraud Reisner-Igler für den „Ab Ericio“, 100 Euro der weit weniger bekannte Bernhard Ernst für seinen Exklusiv-Cuvée. Dazwischen liegen der G von Gesellmann mit 56 Euro, der cupido oder elegy von Silvia Heinrich mit 58 Euro und der Forever von K+K Kirnbauer mit 72 Euro. Die teuersten Bouteillen sind jedoch nicht zu haben: Die Cuvée Gager Gold, Ernte 2009, ist im Online-Shop des Weingutes mit 149,90 Euro angeschrieben. Ebenso teuer und nicht zu haben sind die „tre grazie“, die drei Grazien, von Silvia Heinrich. Die Cuvée aus besonders selektierten Trauben der Sorten Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon – gemacht 2009 anlässlich der Geburt von Tochter Anna – ist erstmals im Dezember verkauft worden; ein Händler hat 100 Flaschen innerhalb von 24 Stunden um 150 Euro im Internet versteigert.

26. Süßweine

Man würde sie hier nicht vermuten, doch Deutschkreutz hat sie: zuckersüße Prädikatsweine. Spezialist für Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eisweine ist das Weingut Gesellmann, wo schon seinerzeit Engelbert Gesellmann damit brilliert hat. „Der Jahrgang 2013 kommt bald auf den Markt. Und von den Jahrgängen 2014 und 2015 wird es auch Trockenbeerenauslesen geben“, kündigt Albert Gesellmann an. Dass die Deutschkreutzer Süßweine von hoher Qualität sind, zeigen die Auszeichnungen: „2004 haben wir den besten Süßwein Österreichs gestellt. Und in England waren wir vor neuen Jahren mit einem Jahrgang 2004 im Stechen um die Trophy, den besten Süßwein der Welt.“ Gesellmann ist nicht der einzige mit Süßweinen. Aktuell im Online-Shop der Gebietsvinothek erhältlich sind neben der Beerenauslese von Gesellmann, eine Beerenauslese und ein Eiswein vom Weingut Kovacs, ein Eiswein Blaufränkisch vom Grenzlandhof Reumann und zwei Spätlesen vom Weingut2Leser.

27. Spezialitäten rund um  Trauben und Wein

Keinen Trend verschlafen! Daran halten sich viele hier. Es gibt Traubensaft, Traubenkernöl, Wein- und Tresterbrände, hauseigenen Frizzante sowie Winzersekt. Und im Weingut Heinrich bietet die Chefin ein „Traubenkern-Gewürz“ an; selbst in der Sonne getrocknete Traubenkerne vermischt mit Meersalz und Kräutern.

28. Präsentieren geht über Studieren

Die meisten Deutschkreutzer wissen sich zu vermarkten. Selbstbewusstes Auftreten ist ihnen nicht fremd. Ein Beispiel von mehreren: Josef und Maria Reumann gehen den Weg zum exklusiven Produkt. Ihre Weine sind nicht im Lebensmittelhandel erhältlich, man bewirbt sie bei Event-Präsentationen in Hotels und auf Golfplätzen.

29. Sehenswürdigkeiten – wenn die Flaschen Pause machen   

Der Wein zählt in Deutschkreutz viel, er ist aber nicht alles. Es gibt einiges zu sehen und zu besichtigen. Nicht versäumen sollte man das Schloss Deutschkreutz mit der Galerie des Besitzers, des akademischen Malers Prof. Anton Lehmden. Sehenswert ist die römisch-katholische Pfarrkirche mit den Kreuzwegbildern von Prof. Lehmden und das Carl-Goldmark-Museum; eingerichtet im Wohnhaus, in dem der Komponist seine Kindheit und frühe Jugend verbrachte. Wer gerne spazieren geht, dem bieten sich 40 Marterl und Denkmäler an, der Plattenbrunnen in Girm, das Ökoland und der Heilkräuterlehrpfad. Ein Muss für Familien mit Kindern ist das private Gehege von Franz Bauer in der Nähe des Schlosses mit Damhirschen,  Lamas, Nandus und Alpakas.

30. Das Heilwasser für den „Tag danach“: Juvina  

Für Weinkenner ebenso interessant wie für Touristen und Sportler ist die Rudolfsquelle außerhalb des Ortes. Das Mineral- und Heilwasser, abgefüllt unter „Juvina“, lagert nach einer Untersuchung des Geotechnischen Institutes in Wien seit 37.000 Jahren unter der Erde. Nach Angaben des Eigentümers, der Familie Starzinger aus Oberösterreich, ist das Deutschkreutzer Mineralwasser wegen der Kombination der Mineralstoffe das beste Mittel gegen einen „Kater“ am Tag danach.

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10
Foto: Balazs Brocz, Pilvax Studio

Nicolas Altstaedt ist der künstlerische Leiter des Kammermusikfestes Lockenhaus, das alljährlich im Juli stattfindet.

Sternzeichen / Aszendent:
Wassermann

Stationen meines Lebens
„Cellist, Festivalleiter, Dirigent.“ 

So bin ich
„Neugierig.“

Meine Wurzeln
„Deutsch-Französisch.“

Meine Leidenschaft
„Musik“

Mein Instrument
„Violoncello.“

Meine Musiker-Zeit
„Zehrend und erfüllend.“

Mein Halt
„Musik.“

Mein Fluchtort
„Innere Ruhe.“

Mein Weg
„Beständigkeit im Moment.“

Mein Lieblingsspruch
„Be yourself, everyone else is
already taken.“
(Oscar Wilde)

Mein Lieblingsbuch
„Momentan wieder ‚Faust‘.“

Mein Lieblingselement
„Wasser.“

Mein Lieblingsort
„Momentan zuhause.“

Mein liebster Urlaubsort
„Jedes Mal ein anderer.“

Die Lehren meines (Musiker-)Lebens
„Jeden Tag neu beginnen.“

Mein Daheim
„Inspiration.“

Mein Ausgleich
„Die Natur.“

Mein Sport
„Tennis.“

Meine Herausforderung in Lockenhaus
„Spontanität und Planung,
Kontrast und Ausgleich.“

Meine Träume für Lockenhaus
„Junges Publikum.“

Wer noch nie beim
Kammermusikfest dabei war,
warum sollte er
es heuer aufsuchen?
„… um das Glück aufzusuchen.“

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Andrea Heinrich mit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und den Dancing Stars. Foto: ORF

Die Sendungsverantwortliche Andrea Heinrich in ihrer Oase in Nikitsch

IMG_6374Lokalaugenschein an einem heißen Junitag im Ortszentrum von Nikitsch/Filez. Im Hof eines renovierten alten Bauernhauses spielt sichtlich unbeschwert Andrea Heinrich mit ihrem Hund Timmi. Die 43-jährige Wienerin ist Sendungsverantwortliche der ORF-Show „Dancing Stars“ und schätzt nach dem Finale die Auszeit auf dem Land. „Ich habe mir hier meinen Traum erfüllt, ein Haus mit Arkaden. Ich genieße die Atmosphäre des alten Gebäudes, die Ruhe und die schattigen Plätze“, schwärmt Andrea  Heinrich von ihrem Domizil, das sie sich vor fünf Jahren gekauft hat und nach einigen Adaptierungen mit ihrem Lebensgefährten Werner Jambor bewohnt.

Harte Arbeit

IMG_6385Die Tanz-Show kostet sie die ganze Kraft. Es ist eine riesige Maschinerie, für die sie die Verantwortung trägt. Die TV-Techniker miteinbezogen, seien es ein paar hundert Leute. „Die Besetzung mit den richtigen Prominenten, die attraktiven und extravaganten Kostüme und die erstklassige Musik, das sind die Schlüssel zum Erfolg“, analysiert die erfolgreiche Sendungs-Chefin. „Das Konzept der BBC ist zwar sehr gut durchdacht, aber uns sind Änderungen erlaubt. Und wir lassen uns auch immer etwas Neues einfallen.“ So war ein Ausdruckstanz im letzten Finale ausschlaggebend, und kein klassischer Turniertanz.

Wer mit wem?

IMG_6401_bearbAndrea Heinrich hat heikle Entscheidungen zu treffen. Welche Promis werden eingeladen? Welche Mischung aus prominenten Persönlichkeiten, provozierenden Künstlern, Musikern, Seitenblicke-Stars und ehemaligen Sportlern kommt beim Publikum am besten an? Mit welchen Profitänzerinnen oder -tänzern passen sie zusammen? Wie ist die Jury besetzt? Wie oft kann oder soll man Jurymitglieder wechseln? Welche Band und welche Musikstücke begeistern die Fernsehzuseher? Die Sendungsverantwortliche zieht eine positive Bilanz über all ihre elf Staffeln „Dancing Stars“. Es sei immer ein optimaler Mix aus gewohnten Ritualen und spannenden Neuerungen gewesen.

IMG_6413Emotionen und Tränen

„Ich habe viele selbstbewusste Persönlichkeiten erlebt, wie sie beim Training an ihre Grenzen gestoßen sind. Da sind oft viele Tränen geflossen, wenn die Kräfte nicht gereicht haben und der Ehrgeiz groß war“, erzählt Andrea Heinrich. „Und manche Teilnehmer sind richtig böse gewesen, weil sie ausgeschieden sind. Da sind große Emotionen im Spiel!“

Nikitsch als Ruhepol

dancingJetzt, nach dem großen Stress, verbringt Andrea Heinrich jede freie Minute in Nikitsch. Hier im Ort – den sie bei der Suche nach einem Haus noch nicht gekannt hatte – fühlt sie sich gut aufgenommen. Sie schätzt die Hilfsbereitschaft der Freunde und Nachbarn. Und die Freundschaft mit Natalie, der Tochter des Ehepaares, das vis a vis ein Gasthaus und eine Greißlerei betreibt. Natalie bringt ihr beim Plaudern immer neue Wörter in Kroatisch bei. Gute Bedingungen um Energie zu tanken für die nächste Show mit neuen Dancing Stars.