„Bote“-Redakteurin Victoria Schwendenwein im Gespräch mit Oberst Markus Reisner und IKT-Ausbildner Oberstleutnant Nikola Mantschev
Fotos: Schwendenwein (2)
Der Staatsvertrag sorgte 1955 dafür, dass Österreich wieder eine eigene Armee aufbauen konnte. Eine zentrale Rolle nahm dabei die Militärakademie in Wiener Neustadt ein. Sie ist seit jeher nicht nur Arbeitgeber für die Region, sondern auch Ausbildungsstätte für jene, die die Sicherheit Österreichs in ihren Händen haben.
Regelmäßig sieht man Oberst Markus Reisner in Nachrichtensendungen vom ORF über das ZDF bis zu n-tv. Die Expertise des Offiziers aus der Buckligen Welt ist gefragt. Seine vielfältige militärische und akademische Karriere begann auch für ihn einst an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. 2002 musterte er als einer der ersten FH-Absolventen der TherMilAk aus. Heute leitet er selbst das Institut für Offiziersausbildung in Wiener Neustadt, ist in dieser Funktion gleichzeitig Leiter des FH-Bachelor-Studiengangs „Militärische Führung“ und somit verantwortlich für die Grundausbildung der österreichischen Offiziere.
Sein Beispiel zeigt: Die Militärakademie und die Region sind eng miteinander verbunden. Wenn im Gedenk- und Jubiläumsjahr 2025 70 Jahre Bundeswehr gefeiert werden, dann geht das nicht, ohne auch auf diese Ausbildungsstätte in Wiener Neustadt zu blicken. Zwar besteht die MilAk schon seit 1751 – damals gab Erzherzogin Maria Theresia den Gründungsauftrag –, doch nach den Weltkriegen wurde ihr Betrieb ausgelagert. Erst mit der Gründung der Zweiten Republik und dem Staatsvertrag 1955 konnte Österreich wieder eine eigene Armee aufbauen – und die Militärakademie ihren Ausbildungsbetrieb aufnehmen.
Expertise auf gutem Niveau gehalten
In den vergangenen sieben Jahrzehnten war das Bundesheer immer wieder politischen Sparmaßnahmen ausgesetzt. Reisner zeigt sich heute aber überzeugt: „Die Ausbildung war immer gut.“ Die Expertise habe man immer auf gutem Niveau halten können. Dafür seien die österreichischen Offiziere auch international bekannt.
Apropos international: Spätestens mit dem Krieg in der Ukraine, der seit der Krim-Annexion 2014 schwelt, sei das Militär neu ins Blickfeld gerückt, sagt Reisner. Die Entwicklungen wirken sich auch auf den Lehrplan an der MilAk aus. Ein Beispiel: die Drohnenabwehr. Seit dem Studienplan 2024 lernen die Fähnriche im Fach Wehrtechnik etwa auch, wie man Drohnen baut. „Das muss man ihnen zeigen. Wenn man nur davon redet, dann ist das zu wenig. Die müssen das wirklich angreifen können“, sagt Reisner und erklärt dabei, was es außerdem mit dem Begriff „Hybride Kriegsführung“ auf sich habe. Krieg habe sich verändert. Heute gehe es nicht mehr nur darum, dass ein Feind mit Panzern einmarschiere, sondern darum, die Bevölkerung zu manipulieren. Auch hier setzt die Ausbildung an der MilAk an.
Verteidigung des Cyberraums
Im September musterten im Jahrgang „Roth“ erstmals IKT-Leutnante aus, also Offiziere der Informations- und Kommunikationstechnologie. Ihre Aufgabe: den Cyberraum zu verteidigen, ihn zu beherrschen, bevor man selbst davon beherrscht wird.
Oberstleutnant Nikola Mantschev ist der stellvertretende IKT-Studiengangsleiter und zuständig für den Bereich Cyber-Sicherheit. Er erklärt, IKT-Offiziere seien in jedem militärischen Bereich gefragt und müssten dieselben militärischen Anforderungen erfüllen wie ihre Kolleginnen und Kollegen aus dem Lehrgang „Militärische Führung“.
Spiegel der Zeit
Von den ersten ausgemusterten Leutnanten besetzen ungefähr zwei Drittel klassische Fernmeldeposten, der Rest ist für Cyber-Operations in den verschiedenen Bataillonen zuständig. Inwiefern damit der Bedarf gedeckt wird, werde sich erst zeigen, erklärt Mantschev. Nach der Ausmusterung des ersten IKT-Jahrganges stehe jetzt einmal Evaluierung auf dem Programm. So wurden auch 2025 vorerst nur 30 neue Fähnriche in den IKT-Studiengang aufgenommen. Sollte sich ein erhöhter Bedarf herausstellen, könne man in den nächsten Studienjahren reagieren, erklären Mantschev und Reisner. Damit soll die MilAk ihrer jahrzehntelangen Tradition treu bleiben und die Anforderungen der Zeit in ihrer Ausbildung widerspiegeln. Oder wie es an der MilAk in Anlehnung an Maria Theresia heißt: „Mach er mir physisch und mental starke sowie interkulturell kompetente Offizierinnen und Offiziere, die sich beim Führungshandeln ihrer Vorbildwirkung und Tiefe der Verantwortung bewusst sind.“

Tradition trifft Moderne – das Herzstück der IKT-Ausbildung wird von den Porträts altehrwürdiger Offiziere bewacht






