Foto: Seidl
Hierzulande wird Kompetenz ja eher als Bedrohung wahrgenommen. Schauen Sie sich das Bildungssystem an. Wenn tatsächlich jemand wollen würde, dass da g’scheite Leute rauskommen… naja, was soll ich sagen. Zur Sicherheit, also als Vorsichtsmaßnahme quasi, wird gerade die Studienzeit für LehramtsstudentInnen gekürzt. DA machen sie also gleich Nägel mit Köpfen und machen die Ausbildung einfach mal einen Kopf kürzer! Es scheint, das Ziel ist es, sicherzustellen, dass jene, die da vorne referieren, schön innerhalb des Tellerrandes bleiben. Unser Bildungssystem ist meiner Meinung nach ein prachtvoller Bau aus historischen Fehlentscheidungen und pädagogischen Konzepten, die so alt sind, dass sie Denkmalschutz beantragen könnten. Wär sogar von Vorteil: Dann dürfte man sie nicht mehr abreißen – was praktisch ist, weil man seit Jahrzehnten so tut, als wäre Veränderung eine gefährliche Sportart. Aber – und das meine ich jetzt ohne Ironie – die Lehrkräfte und DirektorInnen können am wenigsten dafür. Sie balancieren zwischen Schülern, Eltern, Behörden, Brandschutzvorschriften und Kinderschutzkonzepten wie Zirkusartisten im Löwenkäfig. Wenn all diese Menschen nicht so engagiert wären, unsere Schulen wären längst nur noch Fluchtwege mit Schreibtafeln. Was ist also der Plan, hinter dem Zusammenstreichen der Ausbildung? Ich stelle mir ein Bewerbungsgespräch der Zukunft dann so vor:
„Wissen Sie, wie Sie heißen?“
„Ja!“
„Bravo, montags fangen Sie an!“
Aber im Prinzip ist das eh alles Banane, denn sind wir uns ehrlich, viele glauben ja ohnehin: Kinder kann doch jeder unterrichten, der selbst ein Kind war. Lächerlich.
Herzlichst, Roman Josef Schwendt
brief@romanjosefschwendt.com






