V.li.: Bianca Seidl, Lara Soff und Pater Martin Glechner bei der Segnung der Gedenkstätte am Friedhof in Schwarzau / Foto: Andreas Wolf
Es war lange ein gesellschaftliches Tabu: Über folgenreiche Schwangerschaftskomplikationen und Fehlgeburten wurde öffentlich nicht gesprochen. Wer in der Vergangenheit ein Kind noch vor der Geburt verloren hatte, musste sich nicht selten den Satz „Dann macht ihr eben ein Neues“ gefallen lassen. Raum für Trauer wurde den Betroffenen dabei nicht eingeräumt. Eine Erfahrung, die auch Bianca Seidl aus Schwarzau am Steinfeld bereits machen musste. Für sie ist allerdings klar: „Diese Kinder sind Teil der Gesellschaft.“ Deshalb hat ihnen die Schwarzauerin gemeinsam mit Pater Martin Glechner und der jungen Bildhauer Lara Soff aus Breitenau nun im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt.
Symbolträchtig und weithin sichtbar
Schon von der Bundesstraße aus ist das neu errichtete Denkmal für Sternenkinder am Schwarzauer Friedhof zu sehen: Der bunte Regenbogen reflektiert das Sonnenlicht, die Acrylglassterne geben jenen Kindern, die vor, während oder unmittelbar nach der Geburt verstorben sind, einen sichtbaren Platz.
An der Segnung am Vortag des Muttertages nahmen rund 100 Menschen teil. Für die Initiatoren war das ein deutliches Zeichen dafür, wie viele Menschen dieses Thema bewegt. Denn Sternenkinder bleiben in vielen Familien Teil der Geschichte, auch wenn ihr Leben viel zu kurz war. Das Österreichische Hebammengremium geht davon aus, dass jährlich etwa 10.000 bis 12.000 aller festgestellten Schwangerschaften in einer Fehlgeburt enden. Ein Großteil davon betrifft die ersten drei Schwangerschaftsmonate. Da Kinder unter einem Geburtsgewicht von 500 Gramm statistisch nicht gemeldet werden müssen, existiert hier eine hohe Dunkelziffer. Statistisch erfasst waren im Jahr 2025 276 Totgeburten.
Bewusstsein wächst
Ein Denkmal wie jenes in Schwarzau gibt der Trauer um die verlorenen Kinder einen Ort, macht den Verlust sichtbar und zeigt Betroffenen: Ihr seid mit eurem Schmerz nicht allein.
Dass dieser Gedanke weitergetragen wird, zeigt sich auch in anderen Gemeinden. In Krumbach gibt es seit Kurzem ebenfalls ein solches Denkmal, weitere Gemeinden haben bereits Interesse bekundet. Bianca Seidl stellt sich bei Bedarf auch hier zur Verfügung, um ihre Erfahrungen weiterzugeben.
In Schwarzau wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Damit soll es betroffenen Familien ermöglicht werden, kostenlos einen Stern für ihr Kind anbringen zu lassen. Auch die Pflege des Denkmals ist langfristig gesichert: Eine Gruppe freiwilliger Helferinnen und Helfer kümmert sich gemeinsam darum, dass der Gedenkort ein würdevoller Platz des Erinnerns bleibt.






