Foto: Seidl

… erweitern die Ortskenntnis. Verreisen heißt ja im Prinzip nichts anderes, als sich beim Reisen zu vertun. Oder? So wie verfahren. Verfahren Sie sich gerne? Ich liebe es. Urlaub kann bedeuten, dass man sich für mehrere Tausend Euro in einem fremden Bett über Rückenschmerzen beschwert, denn der moderne Mensch reist ja nicht mehr, um etwas zu sehen, sondern um zu beweisen, dass man mit dem Cocktail in der Hand rechtzeitig beim Sonnenuntergang war – perfekt gestylt und endlich glücklich. Sie machen das bestimmt eh nicht so, stimmt’s? Zum Glück. Eine echte Reise beginnt dort, wo das Navi sagt „Bitte links abbiegen“, jedoch keine Straße mehr erkennbar ist. Erst wenn man falsch abbiegt, merkt man, dass hinter den Sehenswürdigkeiten auch noch ein Land existiert. Niemand erzählt zehn Jahre später von der pünktlichen Ankunft im Fünf-Sterne-Hotel (außer man hat das passende Selfie dazu). Wer immer nur dort ankommt, wo er hinwill, verpasst womöglich den besten Kaffee des Urlaubs oder den Esel, der aussieht, als hätte er Philosophie studiert. Umwege sind das Fitnessstudio der Neugier. Sie dehnen den Horizont und gelegentlich die Geduld. Früher erlebte man im Ausland eine Begegnung mit anderer Kultur, Musik und Kulinarik. Heute sucht man zuerst mal den McDonald’s, damit man nichts Überraschendes essen muss. Abenteuer ja, aber nur wenn ich mein Handy mitnehmen darf. Noch mal: Ich mag Umwege. Reisen, ohne sich zu verfahren, ist nur Transport. Ob man das aufs echte Leben umlegen kann? Nein, natürlich nicht … Wobei, diesen Text schreibe ich gerade auf einer Raststation, weil ich wegen einer Baustelle falsch abgebogen bin. Welch Inspiration. Schönen Urlaub!

Herzlichst, Roman Josef Schwendt
brief@romanjosefschwendt.com