Burgen – wie hier die Burg Kirchschlag – sind bleibende Zeugen der ehemaligen Herrschaften. Victoria Schwendenwein widmet sich in der neuen Serie den brisanten Adelsbiografien. / Fotos: @ HiSunnySky – stock.adobe.com, Wikimedia Commons / joadl / CC BY-SA 4.0, Leopold Kupelwieser, Public domain, via Wikimedia Commons, Leiloeira São Domingos: Leilão 2020 – 97, Public domain, via Wikimedia Commons, wappenwiki.org/user: JSpuller, Schwendenwein

Die royalen Geschichten der Buckligen Welt mögen vergangen sein, an Brisanz haben sie aber nichts verloren. In einer neuen Serie begibt sich der „Bote“ auf Spurensuche und spürt die spannenden Biografien der Gräfinnen, Prinzen und Könige auf – mit manch überraschender Wendung.

Markgraf Gottfried von Lambach-Wels hat es geschafft: Er hat tatsächlich ein Heer auf die Beine gestellt, die einfallenden Ungarn vertrieben und die Gefangenen nach Hause gebracht. Und das alles ohne Hilfe des Königs oder, besser gesagt, des Kaisers. Immerhin war Heinrich III. nicht im Lande, weil er sich in Rom die Kaiserkrone aufsetzen lassen musste – ein gefundenes Fressen für die Ungarn. Aber die hatten die Rechnung ohne den Markgrafen und sein Gefolge gemacht. Jetzt sind die Grenzen der karantinischen Mark gesichert und haben sich sogar in den Osten verschieben lassen. Zum Glück kann der Markgraf seine Burgen in Pitten und Seebenstein als Hauptstützpunkte nutzen. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die Anstrengungen nicht umsonst gewesen waren. Komme, was wolle, für seine Tochter Mechthild muss eine gute Partie gefunden werden …

Zum Wappen: Die Formbacher (Mechthild) haben eine bedeutende Rolle in der Region gespielt.

Mächtiger Grenzraum

Gottfrieds Geschichte ist nicht irgendeine – es ist die frühe Geschichte der Buckligen Welt und des Wechsellands; es ist die Geschichte, die auch das Europa, wie man es heute kennt, geprägt hat. Was sich hier schon im 11. Jahrhundert abgespielt hat, sollte den Grundstein legen für eine Region, die wie kaum ein anderer Grenzraum für strategisches Denken, Entwicklung und Macht steht. 

Doch wer waren diese Mächtigen, die die Region, das Land, den Kontinent über Jahrhunderte prägten, wie haben sie gelebt und was haben ihre Geschichten mit der Gegenwart zu tun?

Liebe, Ruhm, Hass

Die neue Serie „Bucklige Welt Royal“ begibt sich auf eine Spurensuche der besonderen Art und blickt hinter die Kulissen der ehemaligen Herrschaftshäuser, hinter die dicken Mauern der Burgen und Schlösser von Kirchschlag bis Wiener Neustadt und von Aspang bis Ternitz. Wie es sich für gute Adelsfamilien gehörte, haben sie nicht nur ihr Hab und Gut verwaltet, sondern auch im Militär gedient, Priester hervorgebracht sowie Kunst und Kultur in der Region gefördert. Und bei Weitem nicht alles hat geglänzt. Auch die Royals der Buckligen Welt haben geliebt, gehasst und Pläne geschmiedet. Und alle großen Adelsnamen haben dabei mitgemischt – von den Häusern Babenberg, Habsburg oder Bourbon über Wurmbrand und Esterházy bis zurück zu den Königsbergern und Puchheimern. 

 „Was hier in der Region geschah, ist von europäischer Bedeutung“, ist der Historiker Günter Fuhrmann sicher. Er beschäftigt sich ausgehend vom Exil des französischen Königshauses in Lanzenkirchen seit Jahren vor allem mit den Verstrickungen des europäischen Hochadels in der Region.

Sagenumwoben

 Fuhrmann wird in der Serie regelmäßig die historischen Zusammenhänge einordnen. Er meint: „Vieles, das wir über die ehemaligen Herrscherhäuser wissen, hatte hier seinen Ursprung und wurde hier bewahrt.“

Doch viele der Geschichten sind heute sagenumwoben und dem kollektiven Gedächtnis nur durch ihre historisch wenig akkuraten Erzählungen bekannt. 

Man erinnert sich etwa an Geschichten wie die Brüderkämpfe der Puchheimer; an den wagemutigen Ritter von Liechtenstein in Katzelsdorf; an Mozart, der sein Requiem auf Schloss Stuppach schrieb, oder an Johann Loschek, den Kammerdiener des Kronprinzen Rudolfs. Man fragt sich, wieso ein portugiesischer König bis in die 1930er-Jahre in Seebenstein lebte, wer Kaiserin Zita gelehrt hat, Juwelen sicher zu verwahren, was Mary Vetsera mit Schwarzau zu tun hatte, wieso sich Erzherzog Johann „Hans, der Thernberger“ nannte, was mit der Mitgift der Susanna von Weißpriach geschah oder ob Mechthild von Lambach-Wels letztlich wirklich eine gute Partie gemacht hat. 

 Antworten gibt es ab sofort in jeder „Bote“-Ausgabe. „Bucklige Welt Royal“ entwirrt die alten Sagen, sucht nach ihrem wahren Kern und stellt Zusammenhänge zur europäischen Geschichtsschreibung her.

Heiliger Boden

Zum Auftakt im Februar geht es fromm her. Die Region wird zum „heiligen Boden“, wenn es darum geht, wieso der später weltweit bekannteste Heilige, Don Bosco, sich ausgerechnet hier auf einen Besuch einstellte und was das für die Gegenwart bedeutet. 

Royale Randnotiz 

Frauenpower
Die royalen Geschichten der Buckligen Welt sind vielfach auch die Biografien von mutigen Frauen. Von den ersten Machtansprüchen im Mittelalter bis zu den Weltkriegen waren es oft sie, die Erfolge, Scheitern, Flucht und Exil managten und so die Geschicke ihrer Familien und der Region maßgeblich lenkten.