Das Schloss Frohsdorf war dem französischen Königshaus im Exil zum Zuhause geworden. 1883 war es für drei Tage auch Gaststätte von Giovanni Melchiorre Bosco, dem späteren Hl. Don Bosco. / Fotos: @ HiSunnySky – stock.adobe.com, @ barbaliss – stock.adobe.com, Ec.Domnowall CC BY-SA 3.0, Steindy 13:51, 15. Mai 2008 (CEST), CC BY-SA 2.0 DE, Manfreeed (talk)Manfreeed CC BY-SA 3.0 AT, Professor Boidi, Public domain, via Wikimedia Commons, Elisabeth Keimer, Public domain, via Wikimedia Commons, Carlo Felice Deasti, Public domain, via Wikimedia Commons
Wenige Wochen vor seinem Tod erhält Henri de Chambord von Giovanni Melchiorre Bosco, einem Priester aus Turin, die Krankensalbung in Frohsdorf. Später bekommen beide ihren Platz in den Geschichtsbüchern: der eine als nie gekrönter König von Frankreich, der andere als bekanntester Heiliger der Welt.
Es ist der 15. Juli 1883. Gerade erst hat sich Don Bosco dazu überreden lassen, doch den Weg nach Frohsdorf auf sich zu nehmen. In zwei Tagen will er wieder zurück sein – denn da findet in dem von ihm gegründeten Ordenshaus in Turin das große Laientreffen statt. Mit dem Zug war er bereits bis Mestre bei Venedig gereist. Dort wollte er den Schnellzug nach Wien nehmen, den er jedoch verpasste. Statt 12 Stunden war er nun einen ganzen Tag unterwegs, bis er endlich um sechs Uhr morgens am Bahnhof von Wiener Neustadt ankam und dann per Kutsche nach Frohsdorf gebracht wurde.
Viele Telegramme
Was hatte er über diesen Grafen von Chambord bereits alles gelesen und gehört. Seit Wochen trudelten unzählige Telegramme bei ihm ein. Französische Royalisten schrieben ihm mit der Bitte um das Gebet für „ihren König“, den wohl heftiges Erbrechen und fürchterliche Bauchschmerzen an jeglicher Nahrungsaufnahme hinderten.
Auch der Graf selbst hatte sich inzwischen an ihn gewandt. Don Bosco hatte ihm zugesichert, für ihn zu beten, doch die Reise nach Frohsdorf erschien ihm als zu beschwerlich. Dann kam Graf du Bourg nach Turin und wurde nicht müde, ihn persönlich um diese Reise zu bitten.
Und so hat sich Don Bosco schließlich dazu entschieden, den erkrankten Grafen persönlich kennenzulernen. Nach seiner Ankunft in Frohsdorf besucht er Henri an seinem Krankenbett. Anschließend liest er die Messe in der Schlosskapelle – und der ganze französische Hof in Frohsdorf nimmt daran teil – nur um danach sofort wieder ins Krankenzimmer zurückzukehren. Es folgt ein langes und ausführliches Gespräch, dessen Inhalt nur die beiden Männer kennen.
Ein verbindendes Element können die beiden jedenfalls ausmachen: ihr Engagement für die Jugend. Bevor er am Abend im Schloss zum Diner geladen ist, nutzt Don Bosco die Gelegenheit und spielt mit den Kindern aus den Schulen, die der Comte de Chambord hier gegründet hat. Die Frohsdorfer sehen in dem Priester aus Turin den „heiligenmäßigen Jugendseelsorger“, als der sich Don Bosco bereits zu Lebzeiten einen weltweit bekannten Namen gemacht hat. Bei seinem Besuch in Frohsdorf ist er selbst bereits knapp 70 Jahre alt. Seine Mission hat er aber klar vor Augen: Er möchte den Kindern und Jugendlichen, die nichts haben, eine echte Perspektive im Leben geben. Eine praxisorientierte Ausbildung und Herzensbildung sind für ihn der Schlüssel dazu. „Diese Kinder sind wie Edelsteine, die auf der Straße liegen: Man muss sie nur aufheben und schon leuchten sie“, wird er nicht müde zu betonen. Er meint: „Für die Jugend gehe ich bis an die Grenzen der Verwegenheit.“


Weltweit bekannt
Inwiefern sein Aufenthalt in Frohsdorf zu Don Boscos Projekten beiträgt, wurde der Nachwelt nicht eindeutig hinterlassen. „Möglicherweise wurde ihm eine großzügige Zuwendung für seine Anliegen und Projekte mitgegeben“, mutmaßt etwa Reinhard Heisserer, der heute Geschäftsführer der Don Bosco-Organisation „Jugend eine Welt“ in Österreich ist.
Dass Don Bosco für die französische Kolonie in Frohsdorf interessant war, erklärt Heisserer auch so: „Den Franzosen war er bei der Weltausstellung in Paris aufgefallen, wo er sich vehement für seine Anliegen einsetzte. Schon damals hatte er den Ruf eines Heiligen.“ Umso mehr versetzt der Umstand, dass Don Bosco für seinen einzigen Besuch in Österreich ausgerechnet Frohsdorf ausgewählt hatte, bis heute ins Staunen. „Diese historische Begebenheit verknüpft Lanzenkirchen direkt mit der großen europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts“, meint Kulturmanager Günter Fuhrmann, der die Geschichte der Bourbonen für die Gemeinde aufarbeitet.
Genesung und Tod
Don Bosco hält Wort. Nach dem gemeinsamen Essen im Schloss, an dem sogar der Graf selbst teilnehmen kann, verlässt er Frohsdorf am Abend des 16. Juli 1883 wieder. Ärzte bescheinigen Henri eine wundersame Genesung. Dies bescherte dem nie gekrönten König von Frankreich noch letzte angenehme Wochen auf Schloss Frohsdorf. Am 24. August 1883 stirbt Henri de Chambord. Und eine seiner bedeutendsten Begegnungen geht in die Geschichte ein.

Royale Randnotiz
Don-Bosco-Messe
Das historische Ereignis war lange vergessen. Am Gedenktag des Hl. Don Boscos fand am 31. Jänner erstmals wieder eine Don Bosco-Messe in Lanzenkirchen statt – mit dem Wunsch nach Wiederholung.






