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Hat das Leben einen Sinn? Nein. So simpel beantworte ich diese komplexe Frage. Sie auch? Viele würden sagen: Ja natürlich hat das Leben einen Sinn! Ja, aber welchen, frage ich? Ich sollte vielleicht noch hinzufügen: Das Leben hat keinen Sinn, aber man kann ihm einen Sinn geben. Haben Sie das schon gemacht? Wie macht man das? Naja, indem man das täglich tut, was einem Freude bereitet, wofür man aufstehen würde, ohne Geld zu bekommen. Ein Gedankenspiel: Sie haben seit heute Früh eine Milliarde Euro auf Ihrem Konto. Würden Sie das, was Sie jeden Tag machen, weiterhin tun? Ja? Gratulation. Auf keinen Fall? Dann wird’s kompliziert, weil die nächste Frage lautet: Was würden Sie dann machen? Und da passiert etwas sehr Menschliches: Man schaut in sich hinein und es ist darin nicht leer, irgendwo liegen schon Freude und Neugier, irgendwo liegt dieses alte Talent. Sinn verschiebt man gerne auf später – ich weiß, wovon ich spreche. Aber WAS ist später und, vor allem, WANN ist später? Ich tu’ ja gerne so, als wäre Sinn etwas Großes. Eine Mission. So quasi: „Mein Sinn ist es, die Welt zu verändern!“ Ja eh. Ich wäre schon froh, wenn ich die Mülltrennung richtig verstehen würde. Vielleicht ist Sinn viel kleiner. Vielleicht ist Sinn nicht die große Antwort, sondern eine Serie kleiner, ehrlicher Entscheidungen. Zum Beispiel, der Zeit HEUTE einen Sinn zu geben, nicht so zu tun, als wäre sie unendlich verfügbar, während wir „kurz“ das Handy checken und dann, „plötzlich“ eine halbe Stunde später bei einem Video landen, in dem ein Mann in Kanada mit einer Zahnbürste einen Seeigel kämmt. So, wo war ich? Ach ja: Zeit ist relativ. Und kostbar.
Herzlichst, Roman Josef Schwendt
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