Die Burg Pitten gehörte zur strategisch wichtigen Infrastruktur von Graf Ekbert und seiner Familie. Hier hatte er einen guten Überblick über die Region. / Fotos: @ HiSunnySky – stock.adobe.com, @ barbaliss – stock.adobe.com, Schwendenwein, Gerhard Anzinger, Wels, Public domain, via Wikimedia Commons, Ailura, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons, C.Stadler/Bwag
Kaiser gegen Papst – und Graf Ekbert I. von Formbach gerät mit seiner Familie ins Visier von Heinrich IV. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation ist wütend und brennt die Burgen der Familie nieder. Doch die gibt nicht auf und kämpft von Pitten aus um ihr Erbe.
Der Investiturstreit hat Europa im Jahr 1077 fest im Griff. Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. können sich nicht darüber einig werden, wer denn nun mehr göttliche Macht auf Erden besitzt. In Ungarn hat gerade Ladislaus I. nach einem Erbfolgestreit den Thron bestiegen. Sein Vater Béla war bereits 1063 unglücklich verstorben.
All diese Entwicklungen gingen auch an Ekbert von Formbach-Neuburg und seiner Frau Mechthild, ehemalige Wels-Lambach, nicht spurlos vorüber. Im Investiturstreit hat sich der Graf auf die Seite seiner weitverzweigten Familie geschlagen – und damit nicht auf jene des Kaisers. Und eben der setzte ihm nun gewaltig zu.
Gegen Papst und Bischof
Heinrich IV. tobte ob des Umstandes, bei dem Formbacher-Grafen nicht auf Unterstützung setzen zu können – wobei toben noch milde ausgedrückt ist. Der Herrscher setzte alles daran, Ekbert und dessen Familie zu schaden. Man kann nur über sein Motiv mutmaßen, aber die Tatsache, dass Mechthilds Onkel Adalbero – der Bischof von Würzburg – entschiedener Gregorianer geworden war, konnte in dieser Beziehung kaum von Vorteil gewesen sein. Zumal Zeitgenossen Adalbero zuschreiben Heinrichs Pate gewesen zu sein. Jedenfalls aber hat er als enger Verbündeter der Herrscherfamilie gegolten.
Nun ja, das zählte jetzt nicht mehr. Etliche Besitztümer waren bereits zerstört, auch die Formbachische Neuburg am Inn. Wenn doch nur Béla noch leben würde – denn mit ihm hatte die Familie stets ein gutes Auskommen gehabt – auch weil Ekberts Cousine Tuta sich mit dem König wohl mehr als sehr gut verstanden hatte. Wie weit ihr Verhältnis wirklich ging, ist der Nachwelt kaum überliefert. Den Beziehungen der Formbacher zum ungarischen Königshaus hat es jedenfalls nicht geschadet. Zum Glück sah das auch sein Sohn Ladislaus so, der Ekbert und Mechthild mit ihren drei schon fast erwachsenen Söhnen vorübergehend Zuflucht gewährte.
Pitten als der sichere Hafen
Es ist schon kurios: Vor nicht einmal vierzig Jahren hat Mechthilds Vater, Markgraf Gottfried, noch seine Mark gegen einfallende Ungarn verteidigt – und jetzt? Jetzt mussten Ekbert und Mechthild froh sein, in Ladislaus einen Schutzherren gefunden zu haben. Wobei: Hätte Gottfried nicht gegen Ladislaus Vorfahren gekämpft, hätte es die Familie jetzt noch schwerer gehabt. Denn das Erbe des Markgrafen hatte für die Familie jetzt umso größere Bedeutung. Die Grafschaft Pitten mit ihren Schlössern war so nah an der Grenze gelegen, dass die Familie am Weg nach Ungarn auch hier Unterschlupf finden konnte. Die Gefahr durch Heinrich IV. war dadurch freilich nicht gebannt. Ekbert hielt sich deshalb nicht immer auf seinen Besitztümern in der Pitten auf, sondern verweilte mitunter auch in den Nachbarorten – in Linsberg, in Schwarzau, in Gloggnitz. Das oberste Ziel war: Heinrich durfte ihn und seine Familie nicht finden, nicht noch mehr Besitztümer in Schutt und Asche legen. Ekbert musste auch an seine Söhne denken – und ihr Erbe sichern.
Einfluss über drei Generationen hinweg
„Da die Formbacher im Investiturstreit auf der ‚richtigen‘ Seite standen, konnten sie über drei Generationen ihren Einfluss sichern“, meint dazu Ernst Göschl. Der pensionierte Schlossermeister aus Pitten hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Regionalgeschichte auseinandergesetzt und teilt sein Wissen auch in Vorträgen. Das nächste Mal spricht er am 28. Mai 2026 um 19:30 Uhr im Pittener Regionalmuseum PIZ über die Geschichte des Ortes und der Region.
Machtausbau nach der Flucht
Teil dieser Geschichte ist auch: Nachdem sich Ekbert und Mechthild erfolgreich vor Heinrich IV. in Schutz gebracht hatten, baute sie ihren Besitz in der Grafschaft aus. Das führte dazu, dass 1094 die ersten Kirchen in der Waldmark dem Benediktinerstift Vornbach übertragen wurden. Für Pitten bedeutete das, dass Ekberts Nachkommen hier weiterwirken konnte. Göschl fasst zusammen: „Noch im 11. Jahrhundert konnten Eckbert I. und seine Gefolgsleute im Pittener Gebiet den Grenzstreifen zu einer Grenzlinie machen.“ Das Erbe war gerettet.

Royale Randnotiz
Der Gang nach Canossa
Im Investiturstreit wurde Heinrich IV. 1076 von Gregor VII. exkommuniziert. Um die Achtung seiner Gefolgsleute nicht zu verlieren, zieht er 1077 nach Canossa, wo er den Papst um Aufhebung des Kirchenbanns bittet. Sein Handeln hat direkte Auswirkungen auf regionale Ereignisse, wie die Geschichte Pittens zeigt.






