Neun Gemeinden und Wiener Neustadt setzen auf stärkere Zusammenarbeit (v. li.): Bgm. Manuel Zusag (Lichtenwörth), Bgm. Peter Lielacher (Walpersbach), Bgm. Josef Schrammel (Bromberg), LAbg. Franz Dinhobl, Bgm. Bianca Fürst (Hochwolkersdorf), Bgm. Bernhard Karnthaler (Lanzenkirchen), Bgm. Bärbel Stockinger (Bad Erlach), VP-Bezirksgeschäftsführer David Diabl, Bgm. Evelyn Artner (Schwarzau), Bgm. Michael Nistl (Katzelsdorf) und Abg. z. NR Thomas Elian; nicht am Bild: Bgm. Erich Rasner (Wiesmath) / Foto: Johannes Friedl
In den neun Gemeinden Bad Erlach, Bromberg, Hochwolkersdorf, Katzelsdorf, Lanzenkirchen, Lichtenwörth, Schwarzau am Steinfeld, Walpersbach und Wiesmath will man die Zusammenarbeit künftig noch weiter stärken. Konkrete Pläne dazu wurden nun im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert. Es ist ein wichtiges Signal, denn Kooperationen sind nicht nur sinnvoll, sondern in Zeiten finanziellen Drucks auch höchst notwendig. Dabei ist derzeit viel in Bewegung. Der „Bote“ hat sich angesehen, wie viel Kooperation in der Region steckt.
„Das, was in den Gemeinden erarbeitet wurde, hat großes Potential, um ein regionales Best-Practice-Beispiel für ganz Niederösterreich zu werden. Die Bürgermeister haben nicht gewartet, bis jemand kommt, sie haben gemeinsam Verantwortung für ihre Bürger und ihre Region übernommen“, so Landtagsabgeordneter Franz Dinhobl im Rahmen der Pressekonferenz zum Thema „gemeindeübergreifende Zusammenarbeit“ Ende April in Lanzenkirchen. Nach der Gemeinderatswahl im Jänner 2025 haben sich die Bürgermeister von Bad Erlach, Bromberg, Hochwolkersdorf, Katzelsdorf, Lanzenkirchen, Lichtenwörth, Schwarzau/Steinfeld, Walpersbach und Wiesmath zusammengesetzt, um darüber zu beraten, wie man Gemeindeaufgaben künftig besser im Miteinander lösen kann. Das klare Ziel: Kein Wettbewerb, sondern Zusammenarbeit. Keine Einzellösungen, sondern regionale Antworten, denn die Anforderungen sind in allen Gemeinden ähnlich – von der Kinderbetreuung über Infrastruktur bis hin zu Energie und Versorgungssicherheit.
„Bei uns ist die Welt noch in Ordnung“
Rund 21.000 Menschen leben in der aus den neun Gemeinden bestehenden Region. Die wichtigsten Themen der Zusammenarbeit werden künftig Kinderbetreuung, Wertstoffentsorgung, Infrastruktur, Energie und Trinkwasser sein. Weitere thematische Kooperationen in den Bereichen Familien, Soziales und Umwelt sind bereits in Vorbereitung. Lanzenkirchens Bürgermeister Bernhard Karnthaler zu den ersten Schritten: „Irgendwer muss anfangen. Wir haben uns einfach zusammengesetzt, begonnen und sofort gemerkt: Gemeinsam erreichen wir noch mehr als alleine. Der Erfolg gibt uns Recht – bei uns ist die Welt noch in Ordnung.“
Zu den wichtigsten Projekten gehört etwa der neu gegründete Verein BAKALA für eine gemeinsame Kinderbetreuung in den Gemeinden Bad Erlach, Katzelsdorf und Lanzenkirchen.Alleine mit dieser Maßnahme könnten auf der einen Seite längere Öffnungszeiten ermöglicht, auf der anderen Seite laut den Gemeinden rund 82.000 € pro Jahr eingespart werden. Im Gemeindegebiet von Lanzenkirchen soll darüber hinaus auf 8.000 m2 eine neue regionale Wertstoffsammelstelle entstehen, und ein neues Projekt für die Sicherung der Trinkwasserversorgung ist ebenfalls in Planung.
Zwischen Lanzenkirchen und Katzelsdorf gibt es bereits eine Energiegemeinschaft, zu der nun auch Bad Erlach hinzukommt. Auch in Sachen Gemeindeleben gibt es bereits eine enge Zusammenarbeit, etwa über den Musikschulverband, aber auch bei Dorferneuerungsprojekten. „Wir gehen neue Wege. Wir nutzen die Synergien für unsere Gemeinden, anstatt uns mit den anderen zu vergleichen. Das ist der Weg der Zukunft, den wir gemeinsam weitergehen werden“, so Bezirks- und Gemeindebundobmann Bgm. Michael Nistl.
Zusammen mit eigener Identität
Zusammenarbeit wird auch über die Grenzen dieser neun Gemeinden hinaus immer wichtiger. Die Region Bucklige Welt-Wechselland ist ein Paradebeispiel dafür, wie Zusammenarbeit zum Erfolg führt. Als großes „Dach“ und um Förderungen aus dem Topf der EU zu lukrieren wurde vor über 20 Jahren die Leader-Region gegründet, in der alle 32 Gemeinden der Gemeinsamen Region verbunden sind und die bis heute die Realisierung wichtiger Projekte erst ermöglicht. In Zeiten großer Herausforderungen (Stichwort Energie) und Spardruck braucht es eben mehr Miteinander statt weniger: Energiegemeinschaften, wie es sie etwa auch im Feistritztal gibt, Wasserversorgung wie etwa durch die Trinkwassersicherung in der südlichen Buckligen Welt, aber auch gemeinsame Anstrengungen zum Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur.
Weitere Kooperationen sind in Planung. Welche das sind und warum für Bgm. Christian Stacherl Gemeindezusammenlegungen kein Thema sind, lesen Sie im Interview „Individualität und trotzdem mehr Miteinander“.






