Die Burg Kirchschlag war seit jeher eine Festung im Grenzraum zu Ungarn. Im 13. Jahrhundert gingen hier die Wildoner und Kuenringer ein und aus. / Fotos: @ HiSunnySky – stock.adobe.com, @ barbaliss – stock.adobe.com, Kuenringer-Wappen © Public domain, via Wikimedia Commonsi, JoKalliauer via flickr, anonym – cca 1310, Public domain, via Wikimedia Commons, C.Stadler/Bwag, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons, Johannes de Thurocz, Public domain, via Wikimedia Commons, Public domain, via Wikimedia Commons
Bereits um 1180 begann zur Sicherung des Grenzlandes gegen ständig drohende Einfälle der Magyaren Herrand von Wildon mit der Erbauung der Burg Kirchschlag. Durch die Heirat seiner Enkelin gelangte die Herrschaft Kirchschlag 1240 an das Geschlecht der Kuenringer.
Gertrud hatte es in der Hand. Von ihr allein war die Grenze zu Ungarn abhängig. Ihr Großvater Herrand von Wildon hatte den Bau der Burg in Kirchschlag zum Schutz vor den machtgierigen Nachbarn erbauen lassen. Der Mann, den sie heiratete, hatte somit nichts zu befürchten. Im Gegenteil: Mit ihr an seiner Seite, kam er nicht nur zu Besitz, sondern erlangte außerdem politische Macht.
Ein Landsherr mit Ansehen
Dieser Mann, den sie heiraten sollte, kam selbst aus einer beachtenswerten Familie. Er war Landsherr und noch so vieles mehr. Die Kuenringer waren bekannt für ihre engen Beziehungen zum steirischen und mährischen Adel und dafür, selbst als Ministerialen akzeptiert zu werden. Und sie sollte die Ehefrau von Albero V. werden, der sich 1246 zum Hauptmann Österreichs ernannte.
Am 17. Februar 1241 wurde Albero auf Bitten von Gertruds Vater Leutold von Wildon mit Gütern belehnt. Die Urkunde regelte sogar, was geschehen sollte, falls Gertrud kinderlos vor ihrem Vater sterben würde. Dann sollten bestimmte Lehen an die Wildoner zurückfallen. Durch die Heirat kam er in den Besitz zahlreicher Festungen der Wildoner, zu denen neben Kirchschlag etwa auch die Riegersburg gehörte.

Albero von Kuenring und Gertrude von Wildon
Bedrängt von den Ungarn
Die Ehe zwischen Gertrud und Albero blieb nicht kinderlos. Im Gegenteil: Die drei Söhne Leutold (*1243), Albero (*1245) und Heinrich (*1252) sollten das Erbe der Wildoner im Hause der Kuenringer sichern – der älteste wurde nicht umsonst nach seinem Großvater mütterlicherseits Leutold genannt. Einfach sollte Gertruds Leben an der Seite Alberos aber keineswegs werden.
Mit der Burg in Kirchschlag kamen die Kuenringer jedoch in einen Besitz, der sie politisch forderte. Nach dem Tod des letzten Babenbergers Friedrich II. im Jahr 1246 geriet die Machtordnung im Land ins Wanken. König Béla IV. von Ungarn verfolgte eigene Interessen in der Steiermark. Die Burg wurde zum umkämpften Platz. In ungarischen Urkunden erscheint sie unter Namen wie Kryslag oder Karchalag auf.
Infolge des Streites zwischen dem Böhmenkönig Ottokar II. und dem Ungarnkönig Béla IV. um das Erbe der ausgestorbenen Babenberger fiel Kirchschlag nach zumindest einer Belagerung im Jahr 1252 schließlich an Ungarn und kam erst 1260 wieder zurück an die Kuenringer. Albero starb im selben Jahr. Sein Bruder Heinrich übernahm die Führungsrolle im Haus, bevor sie an seinen Sohn Leutold überging.
Umstrittenes Erbe
Heute erinnert in Kirchschlag nicht einmal mehr noch die Burgruine an die Ereignisse im 13. Jahrhundert, da die heutige Ruine auf einen Neubau der Burg in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts (um 1320/30) zurückgeht. Der Obmann des Burgerhaltungsvereins, Kastellan Josef Vollnhofer, und Stadthistoriker Franz Wanek erklären, dass der Raum Kirchschlag wohl schon seit Karolingerzeiten bevölkert gewesen sein dürfte. Die Burg selbst wird 1252 erstmals urkundlich erwähnt. Im Frieden von Ofen (3. April 1254) wurde sie dem „Ungarnkönig“ Béla überlassen und gelangte so vorübergehend in den Besitz des Grafen Johann (I.) von Güssing. Leutold von Kuenring, Sohn von Albero (V.), dürfte die Burg wieder an sich gebracht haben, war aber weiterhin in Konflikte mit der Grafenfamilie der Güssinger verstrickt. 1287 gelangte die Burg Kirchschlag durch einen Tausch in den Besitz von Heinrich, Konrad und Siboto von Pottendorf, wofür Leutold von Kuenring im Gegenzug die Herrschaft Rosenau erhielt. Die Ansprüche der Grafenfamilie von Güssing wurden finanziell abgegolten.

Royale Randnotiz
Der bedeutendste Kuenringer
Gertruds und Alberos Sohn Leutold sollte in der Folge zum bedeutendsten Kuenringer aufsteigen. Anders als sein Vater und sein Onkel stützte er nicht den böhmischen König Ottokar II., sondern zog mit seinen beiden jüngeren Brüdern an der Seite des Habsburgers Rudolf I. in die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen, in der sein Bruder Albero fiel.





