Fotos: Schwendenwein, Plan Seniorenwohnen Koup Architekten, Archiv Fellinger/Gemeinde Bad Erlach (3)

Das Land Niederösterreich will mit dem Konzept „Seniorenwohnen“ eine Versorgungslücke schließen. Eines von 13 Projekten im Land entsteht in den kommenden Jahren im Zentrum von Bad Erlach.

Das „Höfler am Fluss“ platzte förmlich aus allen Nähten, als Ende September die Pläne für das ehemalige Fellinger-Haus mitten in Bad Erlach präsentiert wurden. Das große Interesse dürfte kaum jemanden überrascht haben, denn immerhin galt das Café Fellinger bis zu seiner Schließung 2018 als „Wohnzimmer der Gemeinde“. Daran soll nun auch das neue Projekt anknüpfen, wie Christian Rädler, Direktor der WET-Gruppe und ehemaliger Bad Erlacher Gemeinderat ausführte. Der Standort dieses Pilotprojektes ist also nicht zufällig gewählt. „Wir haben hier alles in Gehreichweite: Kirche, Gemeinde, Gesundheitseinrichtungen, Lokal“, so Bürgermeisterin Bärbel Stockinger.

Insgesamt plant die Wohnbaugenossenschaft 21 barrierefreie, geförderte Wohnungen mit einer Größe zwischen 43 bis 60 Quadratmetern, die als vollwertige Mietwohnungen an Senioren ab Pflegestufe 1 vergeben werden. Die Idee dahinter: Die Bewohner leben weiterhin selbstständig in den eigenen vier Wänden und können bei Bedarf Unterstützung in Anspruch nehmen. Zusätzlich wird das neue Gebäude Platz für eine Tagesbetreuung für etwa 15 Personen bieten. Dafür hat sich die Gemeinde die Mater Salvatoris Alten- und Pflegeheim GmbH ins Boot geholt. 

„Antwort auf drängende Fragen“

Das Mater Salvatoris, das zur Courage Gruppe gehört, liegt im Ortsteil Brunn an der Pitten, umgeben von Wald, am Ortsrand. Die Betreuung des neuen Projektes holt es in gewisser Weise in die Ortsmitte. Die beiden Geschäftsführer Günther Schranz und Christian Gmeiner sehen darin „eine Antwort auf drängende Fragen unserer Zeit“, denn bisher stoßen pflegende Angehörige an ihre Grenzen, weil vor allem die tage- und stundenweise Entlastung fehlt. Das bestätigt Pflegekoordinatorin Tanja Wagenhofer. Sie und ihre Kolleginnen in den umliegenden Gemeinden vernetzen sich unter anderem bei regelmäßigen „Pflegestammtischen“. Das Feedback der Besucher nehmen sie als Multiplikatorinnen in die Gespräche mit politischen Verantwortungsträgern mit. „Ich freue mich, dass hier wirklich gehört wurde, was unsere Stammtischbesucher rückgemeldet haben“, meint Wagenhofer, die hofft, dass das neue Angebot tatsächlich die Bedürfnisse der Betroffenen erfüllt.

Die Tagesbetreuung soll jedenfalls Menschen von Pflegestufe 1 bis 4 ansprechen und einen strukturierten Tagesablauf, vom Gedächtnistraining bis zum Spaziergang im Pfarrgarten, bieten. Und für die neuen Wohnungen lagen bis zu Redaktionsschluss alleine am Gemeindeamt 21 Vormerkungen vor. 

Spatenstich 3

Das Café Fellinger

28. Februar 1959: Die Familie Fellinger eröffnet das gleichnamige Café in der Hauptstraße 1 – ein Meilenstein im gesellschaftlichen Gemeindeleben. In den folgenden beinahe 60 Jahren kommen hier mehrere Generationen zusammen, gründen Vereine und feiern Feste. Enigmatisch für das Kaffeehaus sind auch die Malereien von Sepp Buchner auf der Außenfassade und im Innenbereich des Lokals. Sohn Robert führte den Betrieb die letzten Jahre. Am 31. August 2018 war nach 59 Jahren Schluss. Ab Ende 2018 führte die Wiener Neustädter Konditorin Claudia Pröll wenige Jahre einen Cafébetrieb. In den vergangenen Jahren stand das Lokal jedoch leer.

Von links: Café Fellinger 1959; neue Konditorei

neues Cafehaus mit Malerei von Sepp Buchner 1974

Neues Caféhaus mit Malerei von Sepp Bucher