Foto: Egerer

Einst hausten in den Fluten der Leitha leibhaftige Hexen. Sie waren klein wie Kinder, zaundürr und bucklig, mit wirren Haaren, die ihnen bis zu den Knien reichten und Schwimmhäuten zwischen Fingern und Zehen. Die Hexen plantschten meist unter den Brücken, aber wer sie neckte oder ihnen nachschaute, dem erging es schlecht. Eines Abends überkam einen Mann die Lust, die Leithahexen zu reizen. Als er sie im Wasser hörte, legte er beide Hände um den Mund und rief: „Huhu, huhu!“

Dann eilte er lachend davon. Er kam aber nicht weit, denn plötzlich legten sich unzählige knöcherne Hände um ihn und rissen ihn zu Boden. Da half kein Strampeln und Wehren, er konnte nicht einmal mehr um Hilfe rufen. Er spürte nur noch, wie ein nasses Tuch um seinen Mund gepresst wurde, dann schwanden ihm die Sinne. Als er wieder zu sich kam, lag er am Ufer der Leitha, an der Grenze zu Katzelsdorf. Von den Leithahexen war weit und breit nichts zu sehen und zu hören.