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Berufs- und hobbybedingt beschäftige ich mich sehr viel mit Texten, mit Sprache, mit Menschen, die Texte in Sprache verwandeln, und mit Texten, die Sprache in Menschen verwandeln. Mit Menschen, die zu wenig reden, und Menschen, die weniger reden sollten. Ich habe auch ziemlichen Spaß daran, zu überlegen, was diese florierenden Floskeln, die wir quasi tagein, tagaus verwenden, bedeuten (könnten). Ich seziere quasi die lebende Sprache am offenen Herzen, und zwar mit der Hilti. Einiges mag gekünstelt klingen. Ist es auch. (Ich liebe es, Überlegungen quasi an den Haaren herbeizuziehen.) Mein aktueller Lieblingssatz: „Wir werden das Thema asap, lösungsorientiert und proaktiv angehen!“ „Asap: As soon as possible“, ja genau. „Lösungsorientiert“, na no na. „Proaktiv“, reicht nicht einfach „aktiv“? Diese heilige Dreifloskeligkeit der anglizistisch-linguistischen Verblödung hätte früher geheißen: „Passt, moch’ ma!“ In beiden Fällen kümmert sich keiner darum, bis jemand anruft und sich beschwert (eine liebenswerte Marotte unseres Landes). Und ich beobachte das alles mit Faszination. Sprache ist ein Wunderwerk: Man kann mit ihr lieben, trösten, erklären, verletzen – oder eben wunderbar nichts sagen. Letzteres beherrschen wir auf einem Niveau, das man nur als fortgeschritten bezeichnen kann. Quasimodus eben. Füllwörter, Weichmacher, Ausweicher. Man redet, als hätte man etwas zu sagen. Und sagt dabei vor allem, dass man redet.

Ach so! Ihnen gefällt meine Herangehensweise nicht? Okay, nehme ich zur Kenntnis oder, besser gesagt, ich „nehme Ihre Kritik mit“. Wohin genau, weiß ich nicht. Vermutlich in einen gedanklichen Geräteschuppen, wo sie neben dem unbenutzten Flipchart von 2017 verstaubt. Aber sie wird mitgenommen. Das ist wichtig. Kritik, die nicht mitgenommen wird, fühlt sich schnell allein.

Herzlichst, Roman Josef Schwendt
www.romanjosefschwendt.com