Foto: Pas­to­rek

Gar­­ten-Träu­­me: Grü­ne Para­die­se sor­gen für Frühlingsgefühle

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Was dem einen der Sport und dem ande­ren das Musi­zie­ren ist, das ist dem drit­ten sein Gar­ten – ein Hob­by, das ent­spannt. Was neu ist: Immer mehr Gar­ten­freun­de las­sen ande­re Men­schen an ihren „Gar­ten­pa­ra­die­sen“ teil­ha­ben. „Bur­gen­land Mit­te“ warf einen Blick über den Gar­ten­zaun – zu den Gar­ten­schau­ta­gen im Mit­tel­bur­gen­land, um die War­te­zeit auf den Früh­ling zu ver­kür­zen.   

Blu­men­tep­pi­che, Obst­höl­zer, Was­ser­oa­sen, Hoch­bee­te, Ran­ken­des und Her­ab­hän­gen­des. Gär­ten sind so ver­schie­den wie ihre Besit­zer, und sie bele­ben und ver­stär­ken den Cha­rak­ter des Hau­ses, das sie umge­ben. An den Gar­ten­schau­ta­gen (auch heu­er wie­der von Mai bis Juli) sind seit eini­gen Jah­ren hei­mi­sche Gär­ten zu besichtigen.

 

Maria Kölbl, Horit­schon / Foto: Pastorek

Der blü­hen­de Gar­ten in Horitschon

Man sieht es und riecht es: Die Lei­den­schaft ist für Maria Kölbl zum „Full­time-Job“ von April bis Mar­ti­ni gewor­den. Die Horit­scho­ne­rin zählt auf, was in ihrem 3.500 m² gro­ßen Gar­ten so wächst: „Es sind 80 Nar­zis­sen­sor­ten, 500 ver­schie­de­ne Iris, 230 Arten Tag­li­li­en, 340 Rosen­stö­cke in allen Vari­an­ten, 50 Fun­ki­en, 230 Stau­den- und 45 Strauch­päo­ni­en – bes­ser bekannt als Pfingst­ro­sen – und dane­ben noch vie­le ande­re Blu­men, Bäu­me, Sträu­cher, Far­ne und Boden­de­cker.“ Dar­un­ter sei­en auch Rari­tä­ten wie ein Erd­beer­jas­min und eine grü­ne Rose oder ein Tul­pen­baum und ein Taschen­tuch­baum zu fin­den. Doch auch hei­mi­sche Alpen­pflan­zen haben in Maria Köl­bls Gar­ten eine Hei­mat. „Wenn es nicht lan­ge und extrem friert, dann blüht immer etwas“, erzählt die 60-Jährige.

Geplant hat­te die gebür­ti­ge Horit­scho­ne­rin ihren „Son­nen­gar­ten“, der einst ein Bra­che­feld war, ursprüng­lich ganz anders, näm­lich in ver­schie­den­ar­ti­gen Bee­ten. „Aber irgend­wann hat sich alles abge­mischt, und jetzt ist es ein kun­ter­bun­tes Wach­sen und Gedei­hen mit Schwer­punk­ten“, sagt die pen­sio­nier­te Pfle­ge­hel­fe­rin, die ihren Gar­ten lau­fend wei­ter umge­stal­tet. Letz­tes Jahr hat sie den Hügel, der den obe­ren und unte­ren Gar­ten ver­bin­det, reno­viert, und eine Blu­men­py­ra­mi­de ist neu dazu­ge­kom­men, auch mehr Hoch­bee­te gibt es.

Dün­ger: haus­ei­ge­ner Kom­post mit Urge­steins­mehl, abge­le­ge­ner Pfer­de­mist und Kom­post­ab­de­ckung aus Riedlingsdorf

Gie­ßen: nur neu Ange­pflanz­tes und bei gro­ßer Hit­ze Blühendes

Haus­re­zept: „Man darf nicht immer gleich alles Ver­blüh­te weg­schnei­den. Bei mir darf der Samen ruhig aus­fal­len. Irgend­wo geht er dann wie­der auf – wo’s mir zu viel ist, kommt es ein­fach weg, und wo es mir gefällt, darf es wachsen.“

Lieb­lings­platz: mor­gens und abends das Schlaf­zim­mer­fens­ter, denn von dort über­blickt sie ihren gan­zen Garten

Der lau­schi­ge Gar­ten in Lutz­manns­burg

Anna und Wal­ter Stif­ter leben seit über drei­ßig Jah­ren in Lutz­manns­burg. Aus ihrem 2 300 m² gro­ßen Gar­ten haben sie im Lau­fe der Jah­re ein Klein­od geformt. „Im Som­mer woh­nen wir in unse­rem Gar­ten, er ist unser ver­grö­ßer­tes Wohn­zim­mer“, erör­tert Wal­ter Stif­ter. Musi­zie­ren, Malen, Freun­de tref­fen, Gar­ten erle­ben, das ist es was ihn beschäf­tigt. Aber spe­zi­ell nach der kal­ten Jah­res­zeit wird dann schon ein wenig mehr Zeit in die grü­ne Hei­mat inves­tiert. „Im Früh­jahr kniet man halt ein­mal drei Wochen lang, bis es wie­der passt und ein­mal ist dann noch so ein Wachs­tums­schub. Da wird auch noch gezupft und gerupft und gewis­se Sachen muss man ganz ein­fach der Natur über­las­sen“,  erzählt Wal­ter Stif­ter. Die Fas­zi­na­ti­on am Wach­sen und Gedei­hen ist es, wel­che den Gar­ten des Lutz­manns­bur­ger Ehe­paa­res immer wie­der in sei­ner Viel­falt wei­ter wach­sen lässt — teils von der Natur selbst, teils hand­ge­macht. In dem es neben Kräu­tern wie z.B. Mus­ka­tel­ler­sal­bei oder Dip­tam – durch sei­ne leicht ent­zünd­li­chen Öle auch bren­nen­der Busch genannt — auch zwei Gehe­ge mit einem Hasen und Hüh­nern zu fin­den gibt. Die Gar­ten­hüt­te steht am ehe­ma­li­gen Eisen­bahn­fun­da­ment, schat­ti­ge Plätz­chen wech­seln sich mit son­ni­gen ab. Ver­schie­dens­te Bäu­me wie z. B. auch eine kau­ka­si­sche Nuss, Sträu­cher – dar­un­ter ein lila Holun­der – und eine bun­te Mischung aus Blü­hen­dem sowie ver­schie­dens­te alte, moder­ne oder ver­spiel­te Klein­ob­jek­te machen die­ses grü­ne Para­dies zu dem was es ist.

Dün­ger: Bren­nes­sel­jau­che, abge­le­ge­ner Esel­mist, haus­ei­ge­ner Kompost

Gie­ßen: wenn gewis­se Pflan­zen die Blät­ter hän­gen las­sen oder aber nach 3 Wochen Son­nen­schein mal alles durch­gie­ßen; Gras wird nicht gegossen

Das Haus­re­zept: auch Bei­kräu­ter wie Gün­sel und Girsch dür­fen an bestimm­ten Plät­zen wach­sen. Außer­dem wird im Herbst „wenn ich Zeit hab“ zurück­ge­schnit­ten, und nicht „wenn ´die Zeit dafür‘ ist“

Lieb­lings­platz: ver­schie­dens­te Plät­ze des Gar­tens, aber sehr ger­ne die Gar­ten­hüt­te, weil man von dort den Gar­ten gut über­bli­cken kann

Anna und Wal­ter Stif­ter, Lutz­manns­burg / Foto: Pastorek

Mari­ta Mako­witsch­ka, Lan­geck / Foto: Pastorek

Der deko­ra­ti­ve Gar­ten in Langeck

Über Hor­ten­sie, Frau­en­man­tel, Lauch­ku­gel und Pfingst­ro­se sagt Mari­ta Mako­witsch­ka: „Da geht mir das Herz auf, auf die möch­te ich nicht ver­zich­ten.“ Seit 31 Jah­ren lebt die gebür­ti­ge Schwarz­wäl­de­rin in Öster­reich und seit 20 Jah­ren in Lan­geck. 1.500 m² Gar­ten­freu­de tei­len sich auf zwei Grund­stü­cke auf, bei denen es der Tex­til­künst­le­rin ein Anlie­gen war, Gar­ten­räu­me zu schaf­fen. „Das Schö­ne ist, wenn man mit­ten drin im Gar­ten mit Struk­tu­ren arbei­tet und Höhen und Tie­fen rein­bringt“, erklärt die 57-Jäh­ri­ge, die es als zusätz­li­ches Plus emp­fin­det jetzt weni­ger Rasen mähen zu müs­sen. Auch der Buchs ist ihr als Gestal­tungs­ele­ment ein unver­zicht­ba­res Ele­ment, wobei das Erschei­nungs­bild ihrer Gar­ten­oa­se gemein­sam mit Mut­ter Natur ent­steht. „Ich las­se mich ein­fach von Zufäl­li­gem über­ra­schen“, sagt die Künst­le­rin. So begann in Mari­ta Mako­witsch­kas Gar­ten vor 19 Jah­ren ein Wei­den­kätz­chen­baum zu wach­sen. „Ich wuß­te nicht, was es ist. Nach drei Jah­ren haben sich die ers­ten Kätz­chen gezeigt“, sagt die Bur­gen­län­de­rin im Schwarz­wäl­der Dia­lekt. Eben­so zufäl­lig ist auch eine kunst­vol­le Kom­pos­tum­man­te­lung ent­stan­den, bei der Wei­de­n­äs­te in die Erde gesteckt wur­den und die im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes Wur­zeln geschla­gen haben. Heu­te ist es ein „Wei­den­korb“, denn die Künst­le­rin hat begon­nen, die einst schwa­chen Wei­den­stäm­me mit­ein­an­der zu ver­flech­ten. Prak­tisch, dass ihr die Wühl­mäu­se den fer­ti­gen Kom­post aus dem Geflecht schar­ren. In der zwei­ten Hälf­te des Gar­tens, der im Land­haus­stil mit vie­len Topf­pflan­zen gehal­ten ist, wur­den aktu­ell drei Obst­säu­len­bäu­me gepflanzt, um auch hier der Gar­ten­mit­te Leben einzuhauchen.

Dün­ger: Horn­spä­ne, Rasen­schnitt, haus­ei­ge­ner Kompost

Gie­ßen: nur im äußers­ten Notfall

Haus­re­zept: hal­be-hal­be, auch bei der Gar­ten­pfle­ge. „Eine hal­be Stun­de Gar­ten­ar­beit, eine hal­be Stun­de Gar­ten­ru­he. Ich gebe dem Gar­ten von mei­ner Zeit, und er gibt sie mir wie­der zurück, es geht sich aus.“

Lieb­lings­platz: unter der Trau­er­wei­de, „das ist wie ein Schirm, der behü­tet, und im Som­mer ist’s dar­un­ter, als ob sie einen beatmet“

Der viel­fäl­ti­ge Gar­ten in Ober­pul­len­dorf

Auf rund 4.000 m² hat sich das Ober­pul­len­dor­fer Ehe­paar Moni­ka und Robert May­er einen ganz per­sön­li­chen Traum vom Gar­ten erfüllt. Von heu­te auf mor­gen ging das nicht, „es braucht vie­le Jah­re bis ein Gar­ten wächst und einen Umfang erreicht“, sagt die Initia­to­rin der Gar­ten­schau­ta­ge. Ideen dazu wur­den auf Rei­sen gesam­melt. Gemein­sam mit Ehe­mann Robert hegt, pflegt, ver­än­dert und genießt sie ihren Gar­ten, der ursprüng­lich ein Wald­grund­stück war. Mitt­ler­wei­le gibt es dar­in unter ande­rem einen Topf­gar­ten mit Suk­ku­len­ten, Kak­teen und Som­mer­blu­men, einen Was­ser­gar­ten, einen Bau­ern­gar­ten mit Kräu­tern, Gemü­se und einem Insek­ten­ho­tel für Wild­bie­nen und einen eng­li­schen Gar­ten zu fin­den. Aber auch ein Gar­ten­häus­chen, in wel­chem das Ehe­paar Kunst­ge­gen­stän­de für den Gar­ten fer­tigt, und einen Wald­gar­ten, denn der Ursprung soll­te erhal­ten blei­ben. Neu bei Fami­lie May­er ist ein Stein­gar­ten und der kom­plet­te Gar­ten seit vori­gem Jahr auf „Bio“ umge­stellt wur­de, denn das war den bei­den pen­sio­nier­ten Natur­lieb­ha­bern ein beson­de­res Anliegen.

Dün­ger: Bio­dün­ger (gekauft), haus­ei­ge­ner Kompost

Gie­ßen: regel­mä­ßig, je nach Wit­te­rung und Stand­ort der Pflanzen

Haus­re­zept: dich­te Bepflan­zun­gen neh­men dem meis­ten Unkraut das Son­nen­licht. Der Rest wird mit Hand gejätet

Lieb­lings­platz: „Die Bank beim Bio­top – dort ist es schat­tig und das Was­ser beruhigt.“

Moni­ka May­er, Ober­pul­len­dorf / Foto: Pastorek