In den Kase­mat­ten wird sich alles um das The­ma Mobi­li­tät dre­hen. Außer­dem ent­steht hier das Besu­cher­zen­trum und eine Gale­rie. / Gra­fik: bevk per­ovic arhitekti

Pöll trai­niert mit den größ­ten Talenten

von | Mrz 14, 2018 | Archiv, Wirt­schaft

Bei den WorldS­kills tref­fen sich alle zwei Jah­re die bes­ten Nach­wuchs­fach­kräf­te der Welt. Mit­ten drin im Gesche­hen ist Johan­nes Pöll, Metall­tech­nik­meis­ter aus Bad Schö­nau, der jun­ge öster­rei­chi­sche Talen­te trainiert.

Im Jahr 2009 war er selbst Wett­kampf­teil­neh­mer und erreich­te Platz 6 der welt­bes­ten Lehr­lin­ge. Seit­her ist Johan­nes Pöll, der in der Schlos­se­rei Pich­ler in Kirch­schlag tätig ist, aber wei­ter­hin Teil der WorldS­kills-Fami­lie. Mit Rie­sen­er­folg. Sein Schütz­ling aus dem letz­ten Jahr, Franz Kalss von der Fir­ma AKE Aus­seer Käl­te- und Edel­stahl­tech­nik, erreich­te mit sei­nem Werk­stück Platz zwei und hol­te Sil­ber für Öster­reich. Für Pöll war es das ers­te Mal, dass er nicht nur Trai­ner, son­dern auch als Exper­te und als Jury­mit­glied beim Wett­be­werb dabei war. Ent­spre­chend groß war auch die Auf­re­gung. „Ich glau­be, ich war teil­wei­se ner­vö­ser als unser Teil­neh­mer“, so Pöll.

Ins­ge­samt 1.200 Teil­neh­mer aus 77 Natio­nen und 52 Berufs­grup­pen tra­fen sich in Abu Dha­bi. In der Kate­go­rie Metall­bau­tech­nik gab es 13 Teil­neh­mer. „Die Asia­ten sind in die­sem Bereich ganz stark und inves­tie­ren unheim­lich viel Zeit in die Vor­be­rei­tung. Bei uns muss das alles neben dem Beruf gehen“, so Pöll. Ins­ge­samt vier Trai­ner übten mit Kalss, der schon bei den Lehr­lings­wett­be­wer­ben und den Skills­Aus­tria alle ande­ren hin­ter sich ließ.

Kein Mate­ri­al in der Wüste

Dass der Bewerb über­haupt über die Büh­ne gehen konn­te, ist Pöll zu ver­dan­ken. Denn als der Wett­be­werb star­ten soll­te, war kein Mate­ri­al da. „In Abu Dha­bi gibt es kei­ner­lei Roh­stof­fe, die wir ver­wen­den hät­ten kön­nen. Das Metall hät­te aus Indi­en kom­men sol­len, war aber nicht da. Also habe ich zwei hei­mi­sche Fir­men kon­tak­tiert, eine davon mit einer Nie­der­las­sung in Abu Dha­bi, und habe über Nacht das Mate­ri­al für alle Teil­neh­mer bekom­men“, erin­nert sich der Schlos­ser­meis­ter. In 18 Arbeits­stun­den wur­den schließ­lich die Mäh­dre­scher, die Auf­ga­be des Bewerbs 2017, gebaut. Bewer­tet wur­de in der Nacht, um den Zeit­ver­lust zu kom­pen­sie­ren. Bera­ten durf­ten sich die Teil­neh­mer und die Exper­ten nur in der Mit­tags­pau­se und am Abend. „Mei­ne größ­te Angst war, dass er sich ver­rech­net, aber er hat das ganz sou­ve­rän gemacht“, so Pöll über sei­nen Schütz­ling. Schließ­lich muss­te er sich knapp durch sei­nen Mit­strei­ter aus Süd­ko­rea geschla­gen geben. „Optisch war Kalss der bes­te, nur in der Funk­ti­on war der ande­re Teil­neh­mer etwas besser.“

Pra­xis­be­zug

Öster­reich schnei­det bei den Bewer­ben der bes­ten Hand­wer­ker der Welt tra­di­tio­nell sehr gut ab. Auch bei den letz­ten WorldS­kills reich­te es beim Gesamt­ran­king für Platz 6. „Unser dua­les Aus­bil­dungs­sys­tem ist im inter­na­tio­na­len Ver­gleich wirk­lich ein­zig­ar­tig. Vor allem, was den star­ken Pra­xis­be­zug betrifft. Dadurch kön­nen unse­re Teil­neh­mer auch auf Unvor­her­ge­se­he­nes gut reagie­ren“, so der Fachmann.

Wie­weit sich Pöll auch künf­tig bei den WorldS­kills enga­gie­ren wird, weiß er noch nicht, denn dabei gehe auch viel Frei­zeit drauf. Im April wird er jeden­falls Mike Gampl, Lehr­ling bei der Schlos­se­rei Pich­ler, zum Lan­des­lehr­lings­wett­be­werb in St. Pöl­ten begleiten.