Mar­kus Stein­bich­ler steu­ert die beein­dru­cken­den Bil­der bei, der „Bote“ macht sich auf his­to­ri­sche Spu­ren­su­che. Gemein­sam sind wir dies­mal in Aspang fün­dig gewor­den, wo das ehe­ma­li­ge Hotel und Restau­rant Friesl einen neu­en Zweck erfüllt. / Foto: Mar­kus Steinbichler

Hotel Friesl in Aspang: auf Zeitreise

von | Apr 26, 2018 | Archiv, Regi­on

Mit unse­rer neu­en Serie „Lost Pla­ces“ zei­gen wir ver­bor­ge­ne Bau­ju­we­len aus der Regi­on, die noch heu­te von der Pracht ver­gan­ge­ner Tage zeu­gen. Mar­kus Stein­bich­ler steu­ert die beein­dru­cken­den Bil­der bei, der „Bote“ macht sich auf his­to­ri­sche Spu­ren­su­che. Gemein­sam sind wir dies­mal in Aspang fün­dig gewor­den, wo das ehe­ma­li­ge Hotel und Restau­rant Friesl einen neu­en Zweck erfüllt.

Nicht jeder „Lost Place“ muss unbe­dingt für immer ver­lo­ren sein. Das zeigt zumin­dest unser aktu­el­les Bei­spiel. Denn wo Her­bert Reich­mann vor weni­gen Jah­ren moder­ne Miet­woh­nun­gen errich­te­te, wur­den frü­her rau­schen­de Fes­te gefei­ert, Rei­sen­de bewir­tet und Gast­freund­schaft gepflegt. Gegen­über des Bahn­hofs in Aspang wur­de im Jahr 1911 im Zuge des Bahn­baus ein pracht­vol­les Hotel erbaut. Johann Salo­mon betrieb hier das Hotel und das Bahn­hofs­re­stau­rant, wohl­ge­merkt zu einer Zeit, als in der Regi­on ger­ne Som­mer­fri­sche gemacht wur­de und vie­le Rei­sen­de ent­lang der B54 (die Auto­bahn gab es noch lan­ge nicht) durch den Ort kamen. Salo­mons Toch­ter Johan­na arbei­te­te im elter­li­chen Betrieb und hei­ra­te­te schließ­lich Alex­an­der Friesl, der im Hof eine Fleisch­haue­rei betrieb. Gemein­sam küm­mer­ten sie sich um das Hotel und den Gast­hof, eine Zeit lang war auch eine klei­ne Tra­fik dabei. Ins­ge­samt fünf Kin­der gin­gen aus der Ehe her­vor. Drei Söh­ne und zwei Töch­ter. Der Jüngs­te von ihnen, Franz Friesl, über­nahm schließ­lich die Gast­wirt­schaft gemein­sam mit sei­ner Frau Hei­de­ma­rie im Jahr 1968.

Sie war es, die dem „Boten“ span­nen­de Details aus der Ver­gan­gen­heit des Hau­ses erzähl­te. Könn­ten die Wän­de spre­chen, sie hät­ten wohl so man­che Geschich­te auf Lager.

1971 wur­de das Gebäu­de gene­ral­sa­niert. Da aber schon damals abseh­bar war, dass sich das Geschäft mit den Rei­sen­den und Urlau­bern in Zukunft nicht mehr rech­nen wür­de und das Paar kei­ne Nach­kom­men hat­te, kon­zen­trier­ten sich die Fries­ls ganz auf ihr Restaurant.

Höhen und Tiefen

„Damals waren Ober- und Unter­as­pang noch getrennt. Bei uns sind alle zusam­men­ge­kom­men. Sehr vie­le Freun­de und Fami­li­en sind zu uns gekom­men, aber auch Gäs­te von außer­halb, auch aus dem Wie­ner Raum. Es war eine wun­der­schö­ne Zeit“, erin­nert sich Frau Friesl. Sie arbei­te­te in der Küche, wo sie neben gut­bür­ger­li­chen Gerich­ten auch ihrer Krea­ti­vi­tät frei­en Lauf las­sen konn­te. Ihr Mann war im Ser­vice tätig, und gemein­sam mit ihren Gäs­ten erleb­ten sie Höhen und Tie­fen, fei­er­ten Geburts­ta­ge und Fes­te. „Wir waren die Ers­ten, bei denen es zum Bei­spiel Mar­ti­nigansl gege­ben hat. Ange­fan­gen haben wir mit einer Gans, zum Schluss haben wir 150 Gän­se in einer Woche zube­rei­tet“, so Friesl.

Im Jahr 2005 dann der Schick­sals­schlag: Franz Friesl starb an Leuk­ämie, nur fünf Mona­te nach der Dia­gno­se. „Bis 2010 habe ich den Betrieb als Wit­we wei­ter­ge­führt, woll­te aber ver­kau­fen. Dann hät­te sich mit einem Pro­jekt für eine Senio­ren­re­si­denz eine gute Gele­gen­heit erge­ben, der Inter­es­sent ist aber im letz­ten Moment abge­sprun­gen“, so Hei­de­ma­rie Friesl.

Schließ­lich fand sie mit Her­bert Reich­mann einen Käu­fer, des­sen Ideen ihr gefie­len. Vor rund drei Jah­ren erneu­er­te er das Gebäu­de innen kom­plett, errich­te­te zwölf Miet­woh­nun­gen, stock­te auf und bau­te einen Auf­zug ein. Nur die mar­kan­te, his­to­ri­sche Fas­sa­de wur­de behut­sam restau­riert und blieb ansons­ten unbe­rührt.  Kurz vor den umfas­sen­den Bau­ar­bei­ten hat­te unser „Buck­li­ge Weltreisen“-Fotograf Mar­kus Stein­bich­ler noch die Gele­gen­heit, Bil­der vom his­to­ri­schen Ambi­en­te zu machen, bevor das Gebäu­de ent­kernt wurde.

Reich­mann, der selbst eine Tisch­le­rei in Aspang betreibt, wuss­te, wor­auf er sich ein­lässt, und ist mit dem Ergeb­nis zufrie­den, eben­so wie Frau Friesl, die im Haus gegen­über eine neue Hei­mat fand. „Ich bin sehr glück­lich mit die­ser Lösung. Weh­mut ver­spü­re ich kei­ne, ich bin froh, dass etwas Gutes ent­stan­den ist“, so Friesl.