Auf der Suche nach den ver­ges­se­nen Orten der Buck­li­gen Welt / Fotos: Mar­kus Steinbichler

Rui­ne Thern­berg kämpft gegen den Zerfall

von | Jun 20, 2018 | Archiv

Für die­se Aus­ga­be unse­rer Serie „Lost Pla­ces“ haben wir ein Bau­werk aus­ge­sucht, das wirk­lich ver­lo­ren scheint. Die Burg­rui­ne Thern­berg, einst Herr­schafts­sitz von Erz­her­zog Johann, wird lang­sam aber sicher wie­der eins mit der Natur. Von Wei­tem wir­ken die Burg­mau­ern nach wie vor beein­dru­ckend, näher soll­te aber nie­mand kom­men, es herrscht aku­te Lebensgefahr.

Die Burg­rui­ne Thern­berg zählt zu den ältes­ten Burg­an­la­gen Nie­der­ös­ter­reichs. Im 12. Jahr­hun­dert wur­den die roma­ni­schen Grund­mau­ern errich­tet, unge­fähr zeit­gleich mit der alten Pfarr­kir­che im Ort. Im Mit­tel­al­ter bewach­te sie eine wich­ti­ge Stra­ßen­ver­bin­dung durch die Buck­li­ge Welt, der Burg­berg heißt auch heu­te noch „Hohe Wacht“. Die Anla­ge besteht aus Berg­fried, Palas und dazwi­schen­lie­gen­dem Hof. Der Turm dien­te im frü­hen 19. Jahr­hun­dert als Aus­sichts­war­te. Ab 1510 wur­de die Burg um einen reprä­sen­ta­ti­ven Schloss­zu­bau erwei­tert, der dann im frü­hen 18. Jahr­hun­dert baro­cki­siert wur­de. Um 1807 kamen Schloss und Burg in die Hän­de sei­nes bekann­tes­ten Besit­zers: Erz­her­zog Johann. Er ließ die Anla­ge reno­vie­ren und brach­te hier sei­ne Samm­lung unter, die den Grund­stein für das Joan­ne­um in Graz bil­de­te. In Thern­berg, also qua­si am Fuße der Burg­rui­ne, gibt es seit eini­gen Jah­ren die Erz­her­zog-Johann-Doku­men­ta­ti­on, die das Schaf­fen des Ade­li­gen beleuch­tet. Die Aus­stel­lung ist modern gestal­tet und wird immer wie­der um ein­zel­ne Aspek­te erwei­tert. Herz­stück ist aber natür­lich der Erz­her­zog und sein Auf­ent­halt in Thern­berg. Nach ihm und den Nach­fol­gern, der Fami­lie Liech­ten­stein, wech­sel­te die Anla­ge häu­fig die Besitzer.

Ret­tungs­ver­su­che

Seit den 30er-Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts gehört der Forst­be­trieb inklu­si­ve Burg der Fami­lie von San­dra Tui­der. Damals kauf­ten ihre Urgroß­el­tern den Betrieb. Seit vier Genera­tio­nen ist Wald und Burg also im Fami­li­en­be­sitz, und seit­dem ver­sucht jede Genera­ti­on, dem his­to­ri­schen Gebäu­de neu­es Leben ein­zu­hau­chen. Ohne Erfolg. „Die Burg stand schon damals, als mei­ne Urgroß­el­tern sie kauf­ten, unter Denk­mal­schutz, als der Zustand noch ganz gut war. Jede Sanie­rung konn­te daher nur unter strengs­ten Auf­la­gen erfol­gen“, so Tui­der. Ein­mal ver­such­te ihr Urgroß­va­ter, das Dach zu erneu­ern. Die pas­sen­den Dach­zie­geln und sämt­li­ches Mate­ri­al ließ er hin­auf­brin­gen. Doch dann brann­te der nahe­ge­le­ge­ne Stang­hof nie­der, und eine voll in Betrieb ste­hen­de Land­wirt­schaft hat­te in den Not­zei­ten nach dem Krieg natür­lich Vor­rang. Also wur­de sämt­li­ches Bau­ma­te­ri­al fort­ge­schafft. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de die Anla­ge unter ande­rem als Feri­en­la­ger für Kin­der genutzt, und eine Zeit lang hat laut Tui­der eine Fami­lie dort gewohnt, die am vor­ge­la­ger­ten Tur­nier­platz Kühe hielt.

Irgend­wann waren die Mau­ern aber ein­fach zu mit­ge­nom­men, um noch genutzt zu werden.

Friedl Scher­leit­ner, mit 90 Jah­ren eine der ältes­ten Thern­ber­ge­rin­nen, erin­nert sich noch gut an die Zeit, als die Burg­an­la­ge noch mit Leben gefüllt war.  Auf einem alten Bau­ern­hof, der über 400 Jah­re lang ihrer Fami­lie gehör­te, ver­brach­te sie vie­le Som­mer­fe­ri­en. Auf dem Schloss wur­de da noch oft gekocht und gefei­ert – ihr Vater erzähl­te leb­haft davon, dass er vor sei­ner Hoch­zeit im Jah­re 1921 viel bei Fes­ten und Fei­ern auf dem Schloss getanzt hat­te. In den 1950er bis 1970er-Jah­ren war das Schloss noch ein belieb­tes Ziel für Spa­zier­gän­ge von Friedl Scher­leit­ner. Vie­les war noch gut erhal­ten und zugäng­lich. Auch dass in die­ser Zeit viel vom Inven­tar und den Möbeln in ande­re Burg- oder Schloss­an­la­gen trans­por­tiert wur­de, weiß sie zu berich­ten: So müss­te ein schö­ner, blau­er Kachel­ofen aus Thern­berg heu­te noch auf Burg See­ben­stein zu sehen sein.

Hohe Auf­la­gen

San­dra Tui­der ver­such­te gemein­sam mit der LFS Warth, zumin­dest einen klei­nen Teil der Anla­ge zu restau­rie­ren, schei­ter­te aber erneut an den Auf­la­gen des Bun­des­denk­mal­am­tes. „Man hat mir mit­ge­teilt, dass ich mich dar­auf ein­stel­len soll, dass sich die Natur die Burg wie­der zurück­holt“, so Tui­der. Bis es so weit ist, ist aller­dings Vor­sicht gebo­ten. Das Betre­ten der Anla­ge ist ver­bo­ten und wegen Ein­sturz­ge­fahr lebens­ge­fähr­lich.  Ein Spa­zier­gang in den stil­len Wäl­dern rund um die Burg ist aller­dings sehr empfehlenswert.