Mari­ta Makow­itsch­ka an ihrem Arbeit­splatz, dem Ort ihres kün­st­lerischen Schaf­fens / Foto: Pastorek

„Ich würde alles nochmal genau­so machen“

von | Okt 11, 2018 | Archiv

Mari­ta Makow­itschkas beru­flich­er Werde­gang führte sie vom süd­deutschen Schwarzwald ins mit­tlere Bur­gen­land. Hier startete sie ihre Kün­stlerkar­riere im Bere­ich Stoffde­sign und schaffte es bis in die Kreise der Haute Cou­ture. Vor Kurzem feierte sie ihr 30-jähriges Jubiläum in ihrem Ate­lier in Langeck. Ans Aufhören denkt die Kün­st­lerin noch lange nicht – zwei wichtige Gründe sprechen dagegen. 

Schon mit 15 Jahren hat­te Mari­ta Makow­itsch­ka großes Inter­esse an modis­chem Design. Ihre Mut­ter war gel­ernte Schnei­derin – die Stoffe, die Schnitte, die Far­ben und die Far­bgestal­tung übten eine einzi­gar­tige Fasz­i­na­tion auf sie aus. Die größte Hürde, die sich jedoch zwis­chen sie und eine pro­funde Aus­bil­dung für Mod­edesign drängte, war das prophezeite Dog­ma der dama­li­gen Zeit „sie würde ohne­hin bald heirat­en und Kinder kriegen“ – welchem sie sich aber ganz bewusst wider­set­zte. Intu­itiv entsch­ied sie sich für eine Aus­bil­dung in der Keramik­man­u­fak­tur Georg Schmieder in Zell a. H. mit dazuge­höriger Maler­fach­schule – eine goldrichtige Entschei­dung. Denn in diesem Unternehmen wurde an Lehrlinge die Jugend­stil-Mal­tech­nik weit­ergegeben, wodurch Mari­ta Makow­itsch­ka 1987 die Leitung der Abteilung Malerei bei der Fir­ma Gold­schei­der in Stoob übernehmen kon­nte. Dort war sie mit der Repro­duk­tion von Jugend­stil­fig­uren betraut. Schon ein Jahr nach dieser großen beru­flichen und pri­vat­en Verän­derung fol­gte die näch­ste: der Schritt in die Selb­st­ständigkeit. „Dem Traum fol­gte die Idee, der Idee ein Entschluss, und als alles gereift war, ist die Entschei­dung gefall­en“, erin­nert sich Makow­itsch­ka an den Beginn dieses ganz neuen Lebens­ab­schnittes zurück.

Viele Erfolge

„Die allerersten Aufträge habe ich in Wien an Land gezo­gen, doch zeit­gle­ich auch sehr viele Ausstel­lun­gen in meinem Heimat­bezirk Ober­pul­len­dorf gemacht. Das erste Jahr war sehr arbeitsin­ten­siv, aber es ist gut gelaufen“, berichtet die Tex­tilkün­st­lerin über den Start ihrer Kar­riere. Mod­e­schauteil­nah­men im Palais Fer­s­tel und Palais Fes­tet­ics in Wien und eine eigene Mod­en­schau in der Freude­nau in Wien fol­gten. Zudem kann Makow­itsch­ka auf Stoff­präsen­ta­tio­nen in Rom, Genf, Kaltern, Lon­don und Har­ro­gate sowie in allen Haupt­städten Öster­re­ichs zurück­blick­en. Ein außergewöhn­lich­es Pro­jekt startete die 58-jährige vor gut 20 Jahren mit „sakraler Tex­tilkun­st“, als Priester auf dem Lauf­steg im Haus St. Stephan in Ober­pul­len­dorf und in der Wirtschaft­skam­mer und dem Lan­desmu­se­um Eisen­stadt Messklei­der und Stolen aus ihren eigens dafür ange­fer­tigten Stof­fkreatio­nen zeigten. „Auf diese Idee hat mich 1996 eine Dame bei einem Patch­workkurs gebracht. Zuerst war ich skep­tisch, doch dann dachte ich mir: ‚Ich probier’s‘“, plaud­ert die Kün­st­lerin aus dem Nähkästchen.

Qual­ität in Seide 

Ihr 30-jähriges Kün­stler­ju­biläum empfind­et die Wahlbur­gen­län­derin als einen der aller­schön­sten Momente in den ver­gan­genen drei Jahrzehn­ten: „Die Zeit ist so unheim­lich schnell ver­gan­gen, da hat man viel erlebt, und es ist unheim­lich schön auf eine so lange und ereignis­re­iche wie auch lehrre­iche und erfol­gre­iche Zeit zurück­blick­en zu dür­fen.“ Dass es so ist, ist kein Zufall. Denn Qual­ität hat für die Kün­st­lerin vom ersten Tag ihres Schaf­fens ober­ste Pri­or­ität. Dass sie sich spezial­isieren wollte, war für sie eben­falls von Beginn an klar: „Sei­de ist für mich ein edler Stoff und ein­fach der exk­lu­sivste. Inter­essiert habe ich mich nur für die besten Qual­itäten in 100 Prozent Sei­de und die besten Far­ben – waschen oder reini­gen darf sowohl den Stof­fen wie auch Far­ben nichts anhab­en, son­st über­lebt man die ersten paar Jahre in dieser Branche nicht. Vierzig aus den ins­ge­samt 3.000 Sei­den­qual­itäten habe ich für mich aus­gewählt.“ Bei den Motiv­en arbeit­et die Kün­st­lerin entwed­er frei­händig oder mit selb­st ange­fer­tigten Druck­stem­peln aus Linoleum. Vere­delt wer­den die Stoffe für ihre Pon­chos, Capes, Tunikas, West­en oder Hal­sauschnitt-Stolen auch mit Met­allplättchen oder Swarovski-Steinen.

Kün­st­lerische Freiheit

Inspi­ra­tion find­et die Kün­st­lerin bei der Arbeit selb­st oder in der Natur. Entspan­nt wird im Garten – teils mit Garte­nar­beit und teils im Lieges­tuhl – seit 2016 nimmt sie an den Garten­schau­ta­gen teil. An den Ruh­e­s­tand denkt sie noch über­haupt nicht, dafür gefällt ihr ihre Arbeit ein­fach viel zu gut. Außer­dem warten noch viele Ideen darauf, umge­set­zt zu wer­den. Die jüngst umge­set­zte ist ihre eigene Taschenkollek­tion, welche sie anlässlich ihres Jubiläums bei ein­er Mod­en­schau präsen­tierte. Aktuell arbeit­et sie an Lam­p­en­schir­men, bei denen sie den Schirm selb­st mit Messin­gele­menten gestal­tet. „Das ist das Schön­ste für mich an meinem Beruf – dass ich alles machen kann, was mir in den Sinn kommt. In ein­er Fir­ma gibt es Vor­gaben und Richtlin­ien oder Trends, die man umset­zen muss. Abwe­ichun­gen davon sind meist gar nicht möglich. Außer­dem bin ich bei mein­er Zeit­ein­teilung völ­lig frei. Wenn es passt, kann ich auch bis spät in die Nacht arbeit­en oder erst mit­tags anfan­gen“, beschreibt die Kün­st­lerin die Vorteile ihrer Selbstständigkeit.

„An sich selb­st und seine Ideen glauben, etwas Gottver­trauen haben und vorauss­chauend mit seinen Finanzen wirtschaften“, das sind weit­ere Eckpfeil­er für Makow­itschkas beru­flichen Erfolg. Sor­gen bezüglich der Zukun­ft hat­te sie trotz Finanzpol­sters nur beim Start in ihre Selb­st­ständigkeit. Dreißig Jahre später sagt sie: „Eines Kün­stlers Auf­gabe ist nicht, sich die Ungewis­sheit des Erfolges, Äng­ste und Sor­gen aufzubür­den. Die Auf­gabe eines Kün­stlers ist, an eine fer­tige Sache zu glauben und daran zu arbeit­en, dass sie fer­tig wird.“ Dass es dafür auch ein biss­chen an Mut braucht, hat sie eigentlich nie so emp­fun­den. „Aber unlängst meinte eine Dame zu mir: ‚Sie trauen sich was. Sie haben Mut.‘“, erzählt Mari­ta Makow­itsch­ka stolz, zufrieden und glücklich.