Fotos: Hru­by

In den Muse­en haben die Frau­en das Sagen

von | Okt 11, 2018 | Archiv

Für die Lan­des­aus­stel­lung 2019 ste­hen in den Gemein­den Kat­zels­dorf, Lan­zen­kir­chen, Bad Erlach und Pit­ten allein zwei neue Muse­ums­pro­jek­te, ein The­men­weg sowie zahl­rei­che Neue­run­gen in der Zinn­fi­gu­ren­welt Kat­zels­dorf an. Bemer­kens­wert bei all die­sen Vor­ha­ben ist das hohe Enga­ge­ment von Frauen.

Han­ne­lo­re Handler-Woltran

Klei­ne Welt in Kat­zels­dorf

In Kat­zels­dorf ist die Bür­ger­meis­te­rin a. D. Han­ne­lo­re Hand­ler-Wol­tran inten­siv für die Zinn­fi­gu­ren­welt enga­giert. Sie ist seit 2003 Obfrau des Muse­ums­ver­ei­nes. Hand­ler-Wol­tran hat kürz­lich den Lehr­gang für Kul­tur­ver­mitt­lung erfolg­reich abge­schlos­sen und wird sich in Zukunft beson­ders den Füh­run­gen für Kin­der und Jugend­li­che wid­men. Neben dem Muse­ums­di­rek­tor Franz Rie­der ist sie auch für Wer­bung, Mar­ke­ting und Orga­ni­sa­to­ri­sches in der Zinn­fi­gu­ren­welt verantwortlich.

Um für die Lan­des­aus­stel­lung 2019 gerüs­tet zu sein, wur­de bereits das Ober­ge­schoß des Muse­ums neu­ge­stal­tet. Wei­ters wer­den der Ein­gangs­be­reich sowie der Muse­ums­shop moder­ni­siert. Im Außen­be­reich wer­den Sitz­ge­le­gen­heit sowie Spiel­ge­rä­te auf­ge­stellt. An der Außen­mau­er des Muse­ums wer­den über­di­men­sio­na­le Zinn­fi­gu­ren ange­bracht, die auch beleuch­tet wer­den. Für die Aus­stel­lungs­räu­me wer­den zwei Moni­to­re mit Touch­screen ange­schafft. Im Rah­men der Lan­des­aus­stel­lung wird es in der Zinn­fi­gu­ren­welt eine Son­der­aus­stel­lung zur regio­na­len Geschich­te geben. Dafür wer­den eige­ne Diora­men gebaut. Als Geschich­ten­er­zäh­ler wird der Min­ne­sän­ger Ulrich von Liech­ten­stein in Erschei­nung tre­ten, die­ser hat der His­to­rie nach einen engen Bezug zu Katzelsdorf.

Die Öff­nungs­zei­ten des Muse­ums wer­den um zwei Tage erwei­tert, ehren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter sind daher gesucht.

Zeit­spu­ren im Land der 1.000 Hügel

Das neu gestal­te­te Muse­um in Pit­ten wird sich der regio­na­len Geschich­te wid­men. Elfrie­de Oswald ist schon seit Mona­ten als Kura­to­rin tätig und trägt uner­müd­lich Aus­stel­lungs­stü­cke, Arte­fak­te, Doku­men­te und Urkun­den, archäo­lo­gi­sche Fund­stü­cke oder Fotos zusam­men. Wer das Muse­um in Pit­ten im nächs­ten Jahr besu­chen wird, wird auf eine Spu­ren­su­che ein­ge­la­den, die in der Ur- und Früh­ge­schich­te beginnt und bis in die Neu­zeit reicht.

Ein gro­ßes Anlie­gen ist Elfrie­de Oswald die Nach­hal­tig­keit des Muse­ums – man will zum Nach­den­ken anre­gen, sich mit einem Lebens­raum zu iden­ti­fi­zie­ren, der an die 4.000 Jah­re alt ist. Und es sol­len auch Ant­wor­ten auf die Fra­ge gege­ben wer­den, war­um gera­de in die­ser Regi­on so früh besie­delt wurde.

Oswald kann sich auf ein kom­pe­ten­tes Team stüt­zen, der Archi­tekt Checko Sterneck zeich­net für die räum­li­che Gestal­tung des Muse­ums ver­ant­wort­lich. Wis­sen­schaft­li­che Unter­stüt­zung leis­te­te das Natur­his­to­ri­sche Muse­um sowie die Hoch­schu­le für Bodenkultur.

Man will mit dem Regi­ons­mu­se­um „die Bewe­gung in der Ent­wick­lung und der Ent­ste­hung eines Lebens­rau­mes zei­gen“, so Elfrie­de Oswald. Das passt zum Lan­des­aus­stel­lungs­mot­to „Welt in Bewe­gung“ sehr gut.

Die Muse­ums­er­öff­nung wird am 5. Jän­ner 2019 erfol­gen, am 6. Jän­ner 2019 wird es im Muse­um einen Tag der offe­nen Tür geben.

Elfrie­de Oswald

GR Sabi­na Doria, Sabi­ne Monza

Bour­bo­nen­weg Lanzenkirchen

In Lan­zen­kir­chen-Frohs­dorf wid­met man sich anläss­lich der Lan­des­aus­stel­lung ganz der Geschich­te der Bour­bo­nen. Die Lei­tha-Gemein­de dien­te für vie­le Jah­re als Exil für Tei­le der fran­zö­si­schen Königs­fa­mi­lie begin­nend 1844 mit Marie The­re­sa Char­lot­te de Bour­bon, der Toch­ter von Marie Antoi­net­te und Lud­wig XVI.

In Lan­zen­kir­chen befass­te man sich bereits in vie­len Arbeits­krei­sen mit der Auf­ar­bei­tung der Geschich­te. Die Erkennt­nis­se die­ser Auf­ar­bei­tung wer­den nun in einem The­men­weg – dem Bour­bo­nen­weg – umge­setzt. Die bei­den Damen Sabi­na Doria und Sabi­ne Mon­za sind seit Wochen mit der Koor­di­nie­rung der Arbei­ten befasst. Der Weg nimmt sei­nen Aus­gang beim Grand­ho­tel NÖ Hof und führt über 12 Sta­tio­nen durch Frohs­dorf und Lan­zen­kir­chen. Info­ta­feln geben Aus­kunft über die jewei­li­gen Sehens­wür­dig­kei­ten, und das auf Deutsch und Fran­zö­sisch. Die gra­fi­sche Gestal­tung der Tafeln wur­de von Michae­la Karntha­ler über­nom­men. Zur­zeit wird der Dorf­platz in Frohs­dorf neugestaltet.

Das ver­bin­den­de Logo für den gesam­ten The­men­weg ist die Bour­bo­nen­li­lie. Doria und Mon­za hof­fen, dass die Bau­ar­bei­ten im Herbst 2018 been­det sein wer­den, die offi­zi­el­le Eröff­nung des Bour­bo­nen­we­ges wird im Zuge der Lan­des­aus­stel­lung im nächs­ten Jahr erfol­gen. Die Gesamt­kos­ten für die Umset­zung des Bour­bo­nen­we­ges betra­gen rund Euro 180.000.

Bad Erlach – Muse­um für Zeit­ge­schich­te

In Bad Erlach ent­steht zur­zeit das Muse­um für Zeit­ge­schich­te im ehe­ma­li­gen Hacker-Haus. Im Zuge der Lan­des­aus­stel­lung wird dort die Son­der­aus­stel­lung „Mit ohne Juden“ prä­sen­tiert. Die Basis für die Aus­stel­lung bil­det ein For­schungs­pro­jekt der Buck­li­gen-Welt-Gemein­den über das Schick­sal der jüdi­schen Bevöl­ke­rung in der Regi­on. Kura­to­rin für die Aus­stel­lung ist Mar­tha Keil, Lei­te­rin des Insti­tuts für jüdi­sche Geschich­te Öster­reichs in St. Pöl­ten. Seit März befasst sie sich mit der inhalt­li­chen Gestal­tung der Aus­stel­lung. Haupt­an­lie­gen der Kura­to­rin: „Die Besu­cher der Aus­stel­lung sol­len ver­ste­hen, dass jüdi­sche Geschich­te ein Teil ihrer eige­nen Geschich­te ist.“

In Bad Erlach steht daher nicht die Geschich­te des Holo­caust im Mit­tel­punkt, son­dern das täg­li­che Leben der jüdi­schen Bevöl­ke­rung, die Geschich­te von Fami­li­en und deren Schick­sal. Mit der Aus­stel­lung sol­len Vor­ur­tei­le abge­baut und zum Nach­den­ken ange­regt wer­den. „Aber auch das Geden­ken ist ein Teil der Aus­stel­lung“, so Keil.

Für das Aus­stel­lungs­de­sign zeich­nen zwei wei­te­re Damen ver­ant­wort­lich – Isa­bel­le Blanc und Chia­ra Ric­car­di von der Fir­ma Toi­koi. Die Pla­nung der Umbau­ar­bei­ten sowie die Koor­di­nie­rung der Arbei­ten am ehe­ma­li­gen Hacker-Haus lie­gen in den Hän­den der Bad Erla­che­rin Her­mi­ne Besta.

Mar­tha Keil