Fotos: Markus Steinbichler

Spuren aus der Ver­gan­gen­heit, Ideen für die Zukunft

von | Okt 11, 2018 | Archiv

Auf Spuren­suche nach den ver­bor­ge­nen Schätzen der Region in Form von alten Gebäu­den und friedlichen Land­schaften ist unser „Lost Places“-Fotograf Markus Stein­bich­ler in Thern­berg auf ein beson­deres Klein­od gestoßen. Und er traf dabei auf einen Men­schen, der his­torisch­er Bausub­stanz min­destens eben­so viel abgewin­nen kann und diese seit Jahren behut­sam saniert.

Ein Umweg, auf der Suche nach den Beson­der­heit­en der Region, führte Stein­bich­ler vor eini­gen Jahren in den Ofen­bach­graben, ein verträumtes Seit­en­tal des Schlat­ten­tales bei Thern­berg. Ein wun­der­schön saniertes altes Bauern­haus, umgeben von einem grü­nen Paradies aus Streuob­st­wiesen, fiel sofort ins Auge. Nur wenige Meter weit­er fol­gte ein weit­er­er alter Bauern­hof und gle­ich daneben ein „Klein­häusel“, also ein kleines Bauern­haus, seit vie­len Jahren unbewohnt.

Der gebür­tige Wiener Lukas Heil­ingset­zer kam vor über 20 Jahren auf ähn­liche Weise in den Ofen­bach­graben. In den let­zten Jahren hat er nicht nur den oben erwäh­n­ten Bauern­hof saniert und als Wohn­sitz für seine achtköp­fige Fam­i­lie aus­ge­baut, son­dern rund­herum auch einen botanis­chen Nutz­garten angelegt, in dem über 400 Obst­sorten zu find­en sind. Aber auch Wein­bau wird an den Hän­gen des Ofen­bach­grabens betrieben und mit exo­tis­chen Obst­sorten wird exper­i­men­tiert. Immer wieder führt Heil­ingset­zer Inter­essierte durch sein Paradies und teilt gerne sein Wis­sen und seine botanis­chen Erfahrungen.

Ret­tung der Baukultur

Und weil sein Herz an der alten und ursprünglichen Baukul­tur der Buck­li­gen Welt hängt, hat er nun den näch­sten Schritt geset­zt und ret­tet die bei­den alten, teil­weise schon ver­fal­l­en­den Bauern­häuser ein Stück unter­halb seines Wohn­haus­es. Vor zwei Jahren erwarb er die Objek­te und begann diese in unzäh­li­gen Arbeitsstun­den Schritt für Schritt zu sanieren. Der größere Hof wird nun als „Josefhaus“ reak­tiviert, das Klein­häusl auf der anderen Straßen­seite wird „Maria“ genan­nt. Bei­de Namen find­en sich gemein­sam mit dem Errich­tungs­jahr in für alte Häuser typ­is­chen Putzmedail­lons wieder, die Heil­ingset­zer eigen­händig an der Fas­sade ange­bracht hat.

Im „alten Glanz“

Über das „Mari­a­haus“ ist wenig bekan­nt, nur das Erbau­ungs­jahr 1842. Als Markus Stein­bich­ler das Haus vor dem Umbau besuchte und fotografierte, war noch nicht abzuse­hen, dass diesen ein­mal im „neuen alten“ Glanz erstrahlen wird. Obwohl offen­bar schon länger ver­lassen, zeugten zurück­ge­lassene Möbel und ver­streute Hab­seligkeit­en noch von den ein­sti­gen Bewohn­ern. Im Bett waren Matratzen und eine Tuchent zu find­en, aber auch Schnee war durch die mit­tler­weile scheiben­losen Fen­ster­flügel ins Bett gewe­ht wor­den. Der Durchzugs­balken, der die wun­der­schöne Tramdecke trägt, weist das Bau­jahr 1870 auf. Auch das „Durchzugss­child“ aus Kerb­schnitt-Roset­ten ist zu sehen, ein uraltes Segen­sze­ichen das die Bewohn­er beschützen sollte. In der Rauchküche nebe­nan taucht­en neben ein­er his­torischen Näh­mas­chine und einem Staub­sauger aus den 70er-Jahren auch ein unschönes Fund­stück auf – die let­zten Über­reste eines Fuch­ses. Von all dem ist heute nichts mehr zu sehen, stattdessen kann man sich schon gut vorstellen, wie dieses Haus – stim­mungsvoll saniert und ein­gerichtet – mit neuem Leben erfüllt wird. Noch viele Hand­griffe und Arbeit­en sind im Inneren des „Mari­a­haus­es“ zu erledi­gen, aber für die näch­sten Jahrzehnte wurde ein wichtiger Schritt zu sein­er Erhal­tung gemacht.

t

Ken­nen auch Sie ein geschicht­strächtiges Gebäude in der Buck­li­gen Welt oder der Umgebung?

Dann erzählen Sie uns davon: redaktion@​bote-​bw.​at

Vielle­icht präsen­tieren wir Ihren „Lost Place“ schon bald an dieser Stelle!