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Ferdinand I. tritt 1522 das Erbe seines Großvaters Maximilian I. an – selbstbewusst und mit forschem Regiment. Die Landstände der österreichischen Länder mit ihrer spätmittelalterlichen Lebensart können den Renaissance-Hof des jungen Prinzen lange nicht akzeptieren.
Was hatte sein Bruder ihm da bloß aufgehalst? Ja, es war das Erbe seines Großvaters väterlicherseits. Wäre sein Vater nicht schon so jung gestorben, sähe die Welt heute ganz anders aus. Ferdinand hätte nach Spanien zurückkehren können, wo er bei seinen Großeltern mütterlicherseits aufgewachsen war – oder zumindest bei seiner Tante Margarete in den Niederlanden verweilen können. Aber so? Nun hatte er die österreichischen Erbländer am Hals, während sein Bruder der Kaiser war, in dessen Reich die Sonne nie unterging. Ganz wunderbar.
Der Sprache seiner Leute nicht mächtig
Großvater Maximilian I. ist in dem Glauben gestorben, ein geeintes Reich zu hinterlassen. Kein Wunder, dass Ferdinands Bruder Karl, die deutschen Erbländer geradezu bereitwillig abgegeben hatte. Er, Ferdinand, sprach nicht einmal die Sprache der Leute hier. Seine Berater waren zwar ihm vertraut, aber den Leuten in seinem neuen Reich nicht. Und die vom Großvater eingesetzten Regierungsangehörigen glaubten noch dazu, sich widersetzen zu können. Aber damit gingen sie entschieden zu weit. Sie wussten ja nicht, mit wem sie sich da angelegt hatten.
Stellvertreter für den Enkel vor dem Altar
Ferdinand I. hatte 1521 im „Vertrag von Worms“ die österreichischen Länder zugesprochen bekommen. Sein Bruder, der eigentlich in den Niederlanden aufwuchs, trat das Erbe des spanischen Großvaters an – jenem Großvater, bei dem er, Ferdinand, groß geworden war. Karl wollte in Ferdinand einen verlängerten Arm in Zentraleuropa sehen. Deshalb übertrug er ihm 1522 im „Vertrag von Brüssel“ auch Tirol, die Vorlande und Württemberg. Nur so konnte Ferdinands Hochzeit mit Anna von Ungarn und Böhmen legitimiert werden. Ihr Elternhaus bestand darauf, dass die junge Braut einen Herrscher zum Mann bekam. Ferdinands Großvater Maximilian I. hatte Anna stellvertretend für seinen Enkel geheiratet – mit der Auflage, dass dieser Macht erhalte.
Jetzt musste noch das Problem mit den aufmüpfigen Regierungsmitgliedern behoben werden. Sie mochten in ihrem neuen Erzherzog einen unpopulären Prinzen aus Spanien sehen. Aber er war nicht nur Habsburger, sondern auch ein Herrscher. Und es bestand kein Zweifel daran, dass er seine Macht mit Härte durchsetzen würde.

Ferdinand I. (kleines Bild) gilt als Begründer der österreichischen Habsburgerlinie. In Wiener Neustadt sind seine Spuren bis heute in der ganzen Stadt sichtbar. Ein Beispiel ist das Renaissance-Portal zum ehemaligen Zeughaus – das heutige Einfahrtsportal der Polizei.
Das Blutgericht von Wiener Neustadt
Die Mitglieder der „alten“ Regierung sind nach Maximilians Tod von Wien nach Wiener Neustadt ausgewichen. Dorthin lud Ferdinand sie nun, am 17. Juni 1522, erneut ein, um über sie zu richten. Am 23. Juli 1522 folgten Verhaftungen. Ferdinand griff brutal und unsensibel durch. Die Verhandlung wurde zum Tribunal gegen den Wiener Bürgermeister Martin Siebenbürger, die Adeligen Michael von Eytzing und Hans von Puchheim wie auch die Ratsherren Hans Rinner, Stefan Schlagindweit, Friedrich Pietsch, Martin Flaschner und Hans Schwarz. In weiterer Folge gingen die Verhandlungen als Wiener Neustädter Blutgericht in die Geschichte ein, das mit der Exekution der als Rebellen verurteilten Verfechter endete. An die Stelle, an der sie enthauptet wurden, erinnert heute ein Stern am Boden des Hauptplatzes.
Verwaltung überdauert die Jahrhunderte
Durch sein brutales Durchgreifen in Wiener Neustadt hatte Ferdinand aufgezeigt, dass er konsequente Handlungen setzt. Das galt auch für den Aufbau eines zentralen Verwaltungsapparates und die Reform des Hofstaates. Beides sollte Jahrhunderte überdauern – in letzterem Bereich hielten sich die damals eingeführten Strukturen sogar bis zum Ende der Monarchie. Ferdinand bemühte sich, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen – mit Erfolg. Am Ende wendete sich das Blatt: Karl scheiterte letztlich an den Streitigkeiten der christlichen Konfessionen, wurde immer unbeliebter und legte sein Amt 1556 nieder. Von 1558 bis zu seinem Tod 1564 war schließlich Ferdinand Kaiser.

Royale Randnotiz
Vor 500 Jahren, im August 1526, entstand die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie. Ferdinand I. beanspruchte nach der Schlacht von Mohács (Türkenbelagerung) das Erbe des gefallenen Königs von Böhmen und Ungarn, seines Schwagers Ludwig II. Beide Länder waren Wahlmonarchien. Ferdinand wurde von den Ständen in beiden Ländern gewählt.






