Prinzessin Margarethe von Bourbon-Parma und Carlos, Herzog von Madrid, heirateten 1867 auf Schloss Frohsdorf / Fotos: @ HiSunnySky – stock.adobe.com, @ barbaliss – stock.adobe.com, © By Unidentified photographer – [1], Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11862229; Carl Pietzner, Public domain, via Wikimedia Commons; Simon Brixel Wbrix; Étienne Neurdein, Public domain, via Wikimedia Étienne Neurdein, Public domain, via Wikimedia Commons
In Frohsdorf sorgte eine royale Hochzeit für Aufsehen: Carlos von Bourbon heiratete seine Jugendliebe. Später sollte er um Spaniens Thron kämpfen.
Mit seinen 18 Jahren war Carlos María de Borbón an diesem Tag ein einfacher junger Mann, der vor dem Altar auf seine Braut wartete. An diesem 4. Februar 1867 ging es nicht darum, woher er kam oder was einmal aus ihm werden sollte. An diesem besonderen Tag zählte nur, wer er für die Frau war, die in der Schlosskapelle in Frohsdorf auf ihn zuschritt. Schon, als er sie vor drei Jahren in Venedig wiedergesehen hatte, eine blonde Schönheit mit hellem Teint und schüchternem Blick, hatte er gewusst, dass er sie heiraten wollte. Jetzt hier in Frohsdorf vor dem Altar auf die 20-Jährige zu warten, war aber alles andere als selbstverständlich.
Henri wünschte eine bessere Partie
Als er vor drei Jahren seiner Tante, der Gräfin von Chambord, seine Absicht anvertraute, Margarethe heiraten zu wollen, war ihre Reaktion kaum als ermutigend zu betrachten. Er, Carlos, sei noch ein Kind und solle sich wegen seiner jugendlichen Schwärmerei nicht von seinem Studium abhalten lassen, hatte sie ihm gesagt. Aber sein Entschluss stand fest. Drei Jahre lang hatte er Margarethe umworben. Obwohl Onkel Henri de Chambord, bei dem Margarethe auf Schloss Frohsdorf wohnte, ihr eine bessere Partie gewünscht hätte, konnten er und Margarethe sich im Jahr 1866 endlich ihre gegenseitige Liebe gestehen.
Diese royale Hochzeit in Frohsdorf stand, ob die Brautleute das nun wollten oder nicht, ganz im Zeichen der Machtverschiebungen im Europa des 19. Jahrhunderts. Carlos‘ Familie wollte Spanien regieren. Margarethe war die Schwester des Herzog Robert von Parma, dessen Tochter Zita später den letzten Kaiser von Österreich heiraten sollte. Was aus dem jungen Brautpaar einmal werden sollte, konnte an diesem Februartag aber nur erahnt werden.
Aus Carlos wird Carlos VII.
Carlos‘ Vater Juan war zu diesem Zeitpunkt der Träger des carlistischen Thronanspruchs. Erst am 3. Oktober 1868 verzichtete er zugunsten seines Sohnes. Für seine Anhänger wurde der mittlerweile 20-jährige Carlos damit zu „Carlos VII.“, ihrem rechtmäßigen König von Spanien. Damit rückte der junge Bourbone in den Mittelpunkt eines neuerlichen Kampfes um die spanische Krone, der im dritten Carlistenkrieg gipfelte. Carlos reiste selbst nach Spanien und führte seine Anhänger in eigener Person an, zeitweise kontrollierten sie sogar große Teile Navarras und des Baskenlandes. Der Krieg endete 1876 aber mit einer Niederlage. Carlos musste Spanien verlassen.
Engel der Nächstenliebe
Der Krieg belastete die Beziehung zu Margarethe. Dennoch blieb sie bis zu ihrem Tod 1893 treu an seiner Seite. Sie fügte sich aber nicht einfach ihrem Schicksal, sondern engagierte sich insbesondere für Verwundete und ließ Einrichtungen zu deren Versorgung organisieren. In der Erinnerung von Carlos‘ Anhängern erhielt sie später den Beinamen „Engel der Nächstenliebe“.
Die Kronen, die er nie tragen sollte
Seinen Anspruch gab Carlos nicht auf. Bis zu seinem Tod wurde er von seinen Anhängern weiterhin als Carlos VII. betrachtet. Und sein dynastischer Anspruch reichte später sogar über Spanien hinaus: Nach dem Tod des kinderlos gebliebenen Henris de Chambords im Jahr 1883 und dem Tod seines eigenen Vaters 1887 sahen Teile der französischen Legitimisten nun auch in Carlos das Oberhaupt des Hauses Bourbon. Damit rückte einmal mehr Frohsdorf ins Zentrum des Interesses, jener Ort, an dem er seine Frau geheiratet hatte, wo Henri de Chambord lebte, der Carlos’ Verbindung mit Margarethe zunächst skeptisch gegenüberstand. Nach dessen Tod fiel für einen Teil der französischen Monarchisten ausgerechnet Carlos die Rolle des dynastischen Erben zu – ein Anspruch, den er auf die fünf Kinder, die er mit Margarethe hatte übertrug. Carlos selbst starb 1909 in Varese. Sein Sohn Jaime übernahm danach den carlistischen Thronanspruch.
Hochzeitsschloss
Schon Margarethes Eltern, Herzog Karl III. von Parma und Louise Marie Thérèse d’Artois, die Schwester Henri de Chambords, heirateten ebenfalls auf Schloss Frohsdorf. Damit fand dort bereits 22 Jahre vor Carlos und Margarethe eine Hochzeit statt, aus der Margarethe selbst hervorgehen sollte.







