Schloss Frohsdorf wurde von der Familie Teufel zum Herrschaftssitz ausgebaut. Susanna von Teufel, geborene Weißpriach, zählte zu den einflussreichsten Frauen des 16. Jahrhunderts. / Fotos: @ HiSunnySky – stock.adobe.com, @ barbaliss – stock.adobe.com, Johann Siebmacher – vereinzelt und bearbeitet von Dorado – J. Siebmacher‘s großes und allgemeines Wappenbuch, Georg Matthäus Vischer – uploaded by Joadl, Public Domain, Wikimedia Commons / joadl / CC BY-SA 4.0 (2), Von Steindy (talk) 22:50, 3 August 2011 (UTC) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Erwin Reidinger – Special thanks to Erwin Reidinger / upload by Joadl, CC BY-SA 4.0
Mit dem Wert ihrer Mitgift stellte Susanna von Weißpriach ganze Herrschaften in den Schatten. Der Buckligen Welt und dem Wechselland hinterließ die gebürtige Lungauerin allerdings weit mehr als nur Geld. Ihr Handeln prägt die Strukturen in der Region und ihrem Umland bis heute.
September 1547: Susanna von Weißpriach lässt ihre Heimat im Lungau hinter sich. Sie ist jetzt eine Teufel und das Steinfeld ihr neuer Lebensmittelpunkt. Ihr frisch angetrauter Ehemann Christoph hat dort, südlich von Wiener Neustadt, von seinem Vater Matthäus den Hof in Krottendorf geerbt. Noch ist dieser von den schweren Jahren rund um die Türkenbelagerungen gezeichnet. Er ist beim osmanischen Einfall 1529 weitgehend niedergebrannt. Christoph muss den Hof also von Grund auf neu errichten, und Susanna bringt etwas mit, das die Möglichkeiten der Familie Teufel grundlegend verändert: bares Geld.
Vom Hof zum Wasserschloss
Susannas Mitgift lässt das Familienvermögen auf einen Schlag rasant anwachsen. Sie ist nach ihrem Vater die letzte Vertreterin eines uralten Adelsgeschlechts und als Erbtochter der Weißpriacher unglaublich vermögend. Die Herrschaften Weißpriach, Hardegg, Deutschlandsberg, Weitenstein, Hernstein, Burg Schwarzenbach (ungarisch: Feketevár), Burg Hochosterwitz, Forchtenstein, Schloss Kobersdorf, Guntersdorf, Karlstein an der Thaya, Neudorf, Schöngrabern, Toppel, Wullersdorf, und als Pfandbesitz die Herrschaften Eisenstadt und Güns waren zeitweise im Besitz ihrer Familie. Für den Hof in Krottendorf sind das gute Nachrichten. Christoph veranlasst den Ausbau: Schon bald sollte hier ein dreistöckiger Herrschaftssitz mit Kapelle, großen Wohnräumen, Brunnen und Zugbrücke stehen.
Es wird ein Haus, dass der Stellung der Familie Teufel gerecht wird. Christoph steht im Dienst der Habsburger. Er ist kaiserlicher Rat und Oberproviantkommissär für Ungarn und somit mit dem Proviantwesen in einem Raum betraut, der vom jahrzehntelangen Konflikt mit dem Osmanischen Reich geprägt ist.
20.000 Gulden für den Kaiser
Susannas Bargeld lässt auch den Kaiser vor Neid erblassen, den immerhin handelt es sich hier um ein Vermögen, dass er gut gebrauchen könnte. Der Reichtum der Weißpriacher-Tochter ist derart hoch, dass ihr Ehemann Christoph zusätzlich zum Ausbau seines Herrschaftssitzes dem Kaiser Geld vorstrecken kann: zunächst 10.000 Gulden, später dann gar 20.000 Gulden. Wofür Kaiser Ferdinand I. das Geld einsetzte, lässt sich nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Belegt ist jedoch: Der Kredit an den Kaiser übersteigt den damaligen Wert von Krottendorf um ein Vielfaches. Die Geldleihe an das Herrscherhaus verschafft Susannas Ehemann finanziellen Spielraum gegenüber dem Kaiser. Die Stellung der Familie wächst, was 1566 dazu führt, dass Christoph und seine Brüder von Kaiser Maximilian II. in den Freiherrenstand erhoben werden.
Überzeugte Protestantin
Das hohe Ansehen der Familie und ihre Vermögen ermöglichen den Teufels eine freie Glaubensausübung. Am Vorabend der Gegenreformation in der Region sind die Teufels überzeugte Protestanten. Dies geht sogar so weit, dass die Familie 1560 das Kloster in Katzelsdorf kauft, die katholischen Priester hinauswirft, eine evangelische Schule einrichtet und selbst in die Gemäuer zieht.

Zehn Jahre später stirbt Christoph und seine Witwe wird das neue Familienoberhaupt der Teufels. Die inzwischen neunfache Mutter hat gelernt, wie man sich durchzusetzen hat. Eine geborene Weißpriach lässt sich nichts gefallen, eine Teufel schon gar nicht. Und so tritt sie in die Verhandlungen mit Kaiser und Erzherzog, um die vorgestreckten Gelder aus ihrem Besitz wieder einzutreiben.
Susanna bleibt hartnäckig und findet am Ende eine Lösung, deren Folgen die Region bis heute maßgeblich prägen: Sie kauft die Herrschaft Pitten von der Hofkammer. Die bestehenden Schulden werden auf den Kauf angerechnet. Pitten und das heutige Frohsdorf rücken damit nahe zusammen.
Gegen letzten Willen
Lediglich in Glaubensfragen hat sich Susannas Wille nicht bis in die Gegenwart durchgesetzt. Sie selbst bleibt bis an ihr Lebensende im Jahr 1590 Protestantin. In Winzendorf, dem Stammsitz der Teufels, nutzt sie ihr Patronatsrecht, um lutherisch predigen zu lassen. Eine Epitaph in der heute katholischen Pfarrkirche erinnert an diese mächtige Frau des 16. Jahrhunderts.

Royale Randnotiz
Entgegen der Tradition
Susannas ältester Sohn Johann Christoph konvertierte 1609 zum Katholizismus und errichtete u. a. die Schlosskapelle in Frohsdorf. Wegen des Religionswechsels ist er im heutigen Redemptoristenkolleg Katzelsdorf begraben, wo seine Mutter ihre zwanzigjährige Witwenzeit verbracht hatte.






