In Uniform vor dem Gemeindeamt: In Grimmenstein (Bezirk Neunkirchen) ist Renate Vollnhofer neue Polizeikommandantin, in Hollenthon (Bezirk Wiener Neustadt) ist sie seit wenigen Monaten Bürgermeisterin / Foto: Vollnhofer
Renate Vollnhofer aus Hollenthon hat vor wenigen Monaten die Bürgermeister-Nachfolge von Manfred Grundtner angetreten und nun hat sie die zweite wichtige Führungsfunktion übernommen. Als neue Inspektionskommandantin leitet sie seit 1. Oktober den Polizeiposten in Grimmenstein. Der „Bote“ sprach mit ihr über diese Doppelfunktion und darüber, welche Aufgaben nun auf der Tagesordnung stehen.
Bote: Sie haben innerhalb weniger Wochen zwei Führungspositionen übernommen. Wie kann man sich derzeit Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Inspektionskommandantin Bgm. Renate Vollnhofer: Mit sehr, sehr vielen Terminen. Als Bürgermeisterin hatte ich seit Juli die Möglichkeit, mich einzuarbeiten. Bei der Polizei hatte ich das große Glück, dass mir der bisherige Kommandant seit 1. Jänner die Führungsaufgaben übergeben hat. Während meiner Einarbeitung stand er immer an meiner Seite. Das war eine sehr gute und kollegiale Übergangszeit.
Bote: Ihre Polizeilaufbahn startete bereits im Jahr 1994. Im Hollenthoner Gemeinderat sind Sie noch nicht so lange. Was hat Sie dazu bewogen, sich politisch zu engagieren?
Ich war schon immer in Vereinen bzw. im Ort engagiert. 2010 hat mich der damalige Gemeinderat Hermann Gradwohl angesprochen und gemeint, ich sollte mich selbst einbringen und nicht darauf warten, dass andere etwas entscheiden. Das war eigentlich der Anstoß.
Bote: Wann ist aus dem Engagement im Gemeinderat der Entschluss geworden, Bürgermeisterin zu werden?
Dafür braucht es zuerst den ersten Schritt. Ich glaube, Frauen überlegen oft zu viel: Kann ich das? Habe ich das schon einmal gemacht? Weiß ich genug? Wenn man irgendwo gefragt wird, ob man etwas machen möchte, sollte man sich viel öfter denken: Ja, ich kann das, ich mache es. Natürlich habe ich mich auch entsprechend vorbereitet. Ich habe den Kommunalmanager-Kurs absolviert, weil ich die rechtlichen Grundlagen und die Abläufe verstehen wollte.
Bote: Sie sind seit 1994 bei der Polizei. Was hat Sie damals an diesem Beruf gereizt?
Eigentlich wollte ich ursprünglich als Sportverkäuferin auf Saison gehen. Ich hatte drei Monate Zeit, bevor die Saison begonnen hätte. Dann habe ich gehört, dass die Polizei Leute sucht, und habe mich einfach beworben. Nach der Aufnahmeprüfung habe ich gemerkt, wie vielfältig der Beruf ist. Man begleitet Menschen durch ganz unterschiedliche Lebenssituationen und kann sich in vielen Bereichen weiterentwickeln. Genau diese Vielfalt hat mir gefallen.
Bote: Ihre Tochter ist mittlerweile ebenfalls Polizistin. Welches Bild glauben Sie, ihr von der Polizeiarbeit vermittelt zu haben?
Dass es ein Beruf ist, der immer wieder interessant und sehr vielfältig ist und trotzdem familienfreundlich sein kann. Durch den Schichtdienst wusste ich früher genau, wann ich zu Hause bin. Ich glaube, sie hat gesehen, dass sich Beruf und Familie miteinander vereinbaren lassen.
Bote: Was bedeutet Polizeiarbeit für Sie heute – gerade, wenn es um schwierige Situationen geht?
Wir sind sehr oft Lösungsfinder. Natürlich gibt es Situationen, die extrem belastend sind. Aber man kann Menschen auch wieder auffangen, ihnen zuhören und versuchen, eine Situation zu entschärfen. Gerade bei Gewalt in der Privatsphäre ist es wichtig, dass man überhaupt den Schritt macht und die Polizei ruft. Dann geht es zunächst darum, zuzuhören und da zu sein.
Bote: Sie wollen beim Thema Gewalt auch stärker auf Prävention setzen. Was kann die Polizei hier leisten?
Prävention beginnt viel früher. Es geht darum, wie wir miteinander umgehen und wie wir Kindern und Jugendlichen vermitteln, was ein respektvoller Umgang bedeutet. Externe Personen erreichen Kinder oft besser, weil sie einen anderen Zugang haben. Deshalb sind solche Präventionsangebote wichtig.
Bote: Seit 1. Oktober sind Sie Kommandantin in Grimmenstein. Was ist dort anders als bei Ihren bisherigen Stationen?
Grimmenstein ist eine sehr gute Mischung. In Wien, wo ich meine Ausbildung gemacht habe, ist vieles spezialisiert: Einer nimmt eine Anzeige auf, ein anderer bearbeitet den nächsten Bereich. Auf einem kleinen Landposten muss man dagegen sehr viel selbst erledigen. In Grimmenstein haben wir viel Bürgerservice, aber mit Autobahn, Bahnhof und Bundesstraße eine regionale Drehscheibe. Diese Mischung gefällt mir.
Bote: Wie wichtig ist Ihnen der direkte Kontakt zur Bevölkerung?
Sehr wichtig. Die Leute sollen auf mich zukommen können. Wenn jemand ein Problem hat und rechtzeitig kommt, kann man oft noch etwas lösen. Wenn jemand erst anruft, wenn sich ein Problem über lange Zeit aufgebaut hat, ist schon sehr viel passiert. Deshalb ist Kommunikation für mich ganz wesentlich.
Bote: Sie sind jetzt sowohl Bürgermeisterin als auch Vollzeit-Polizeikommandantin. Wie geht sich das zeitlich aus?
Was ich aufgegeben habe, ist die Hausfrau (lacht). Ansonsten funktioniert es vor allem durch Delegieren. Ich habe gelernt, Aufgaben abzugeben und den Menschen zu vertrauen. Das gilt bei der Polizei, auf dem Gemeindeamt und auch zu Hause. Man muss wissen, was jemand kann, und ihm dann auch zutrauen, dass er es macht.
Bote: Was wollen Sie als Bürgermeisterin in Hollenthon in den kommenden Jahren erreichen?
Mein Schwerpunkt ist Familienfreundlichkeit – und zwar nicht nur im klassischen Sinn von Vater, Mutter, Kind, sondern für jede Konstellation. Wir haben eine sehr gute Infrastruktur. Mir ist wichtig, dass junge Menschen nach Schule, Ausbildung oder Studium auch wieder zurückkommen können. Dafür brauchen wir Arbeitsplätze, Wohnmöglichkeiten und gute Rahmenbedingungen.
Bote: Was passiert in dieser Hinsicht konkret?
Wir wollen ein Betriebsgebiet schaffen, damit sich Firmen ansiedeln und Arbeitsplätze entstehen. Außerdem entstehen Wohnungen und Reihenhäuser. Wir wollen den Menschen die Möglichkeit geben, hierzubleiben oder wieder zurückzukommen. Gleichzeitig geht es auch um die ältere Generation. Wir müssen schauen, dass Senioren möglichst lange eingebunden bleiben und nicht erst dann Unterstützung bekommen, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Bote: Und welche Schwerpunkte setzen Sie als Kommandantin?
Fort- und Weiterbildung sind mir sehr wichtig. Dazu kommt das Netzwerken – mit den Gemeinden, Feuerwehren und anderen Institutionen. Ich möchte auch wieder mehr Prävention und Fußstreifen machen. Wenn man rechtzeitig miteinander spricht und weiß, wo es Probleme geben könnte, kann man oft schon vorher etwas verhindern.
Bote: Was ist für Sie persönlich das Schönste an beiden Aufgaben?
Lösungen zu finden. Ich mag es, mit Menschen zu sprechen und gemeinsam zu schauen: Wie können wir diese Situation so lösen, dass es für alle passt? Das ist sowohl bei der Polizei als auch in der Gemeinde meine Lieblingsaufgabe.






