Christine Söllner webt Teppiche, Decken, Taschen. Sie hat Webstühle in verschiedensten Größen daheim. / Foto: Egerer

Leidenschaft für altes Handwerk

von | Mai 24, 2018 | Kultur & Bildung

Als Quereinsteiger bewirtschaften Christine und Erik Söllner seit 15 Jahren in Gleißenfeld die ehemalige „Mittermühle“, in der früher Papier hergestellt wurde. Dabei hat Christine Söllner ihre Leidenschaft für das Spinnen und Weben entdeckt.

Kennengelernt haben sich der Kameramann aus Putzmanndorf und die Kostümbildnerin aus Wien bei Dreharbeiten zur Fernsehserie „Traumhotel“ in der Dominikanischen Republik. Er filmte, sie war für die Kostüme zuständig.

Schließlich entschlossen sich die beiden, in Gleißenfeld sesshaft zu werden. Auf einem Areal von zehn Hektar leben außer dem Ehepaar auch noch Ziegen, Brillen- und Bergschafe, Hühner, Laufenten, eine Katze, Pferde, die teilweise Pensionspferde sind, und ein Esel. Die Tiere leben das ganze Jahr über im Freien mit einem offenen Stall. „Den Esel hat mir mein Vater zum 40. Geburtstag geschenkt, damit ich nicht der einzige Esel am Hof bin“, so Erik Söllner lachend. Alle Tiere haben einen Namen und sind handzahm.

Faden selbst ist schon ein Kunstwerk

„Durch die Schafe habe ich mich für das Verwerten der Wolle zu interessieren begonnen“, erinnert sich Söllner. „Ich wollte jeden Fertigungsschritt eines Produktes aus Schafwolle selbst durchführen können. Dafür habe ich mir im Internet uralte Antiquariate über das Thema Spinnen und Weben bestellt. Die sind teilweise noch in Kurrentschrift verfasst“, so die Kunsthandwerkerin. Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1840. „Man braucht einige Zeit, bis man diese Schrift lesen kann, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister“, so Söllner.

Gefärbt wird ihre selbst hergestellte Wolle ausschließlich mit Naturmaterialien wie Indigo, Blauholz oder Birkenblättern in alten Färbekesseln. Auch hier holt sie sich das Wissen aus alten Büchern.

„Diese uralten Handwerke sollen weiterleben. Dabei muss man nicht unbedingt alles nur auf alte, traditionelle Art machen“, ist sich Söllner sicher. Ich finde es gut, wenn man die Techniken an die heutige Zeit anpasst. Zum Beispiel kann ich heute auch ein Effektgarn herstellen.“ Außerdem weiß sie: „Man merkt an der Wolle, wie die Tiere gehalten werden.“

Aus alten Jeans entstehen Teppiche

Im Hause Söllner wird viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Daher werden alte Jeans in Streifen geschnitten und zu Teppichen verwebt. 200 Stück Obstbäume gedeihen außerdem auf der Streuobstwiese. 100 davon hat Erik Söllner selbst gepflanzt. Apfelsaft, Marmeladen und Liköre entstehen aus den Früchten. Auch Kürbisse, Getreide, Chili und anderes Gemüse wird angebaut.

Christine Söllner gibt „SpinnKurse“ und hält Seminare über ihr geliebtes Handwerk, das bei den Menschen immer beliebter wird. Seit zwei Jahren versucht sich Söllner auch erfolgreich im Klöppeln.

Heimatmuseum

Zurzeit arbeitet Erik Söllner an der Einrichtung seines zukünftigen Heimatmuseums. Auf dem riesigen Vierkanthof samt Stadeln ist dafür genügend Platz. Alte Maschinen und Werkzeuge gibt es auf dem Hof genug. „Ich plane, das Museum am Tag der offenen Ateliers im Herbst zu eröffnen.“

Diese Decke wurde aus der Wolle dieses scheckigen Schafes (Dalmatiner) gewebt / Foto: Egerer