Rapha­el, Vic­to­ria und Johan­nes lie­ben es, im Heu zu toben. / Foto: Anton Koll

Zu Gast am 4‑Generationen Biohof

von | Mai 24, 2018 | Archiv, Regi­on

Nicht nur bio­lo­gi­scher Anbau und art­ge­rech­te Tier­hal­tung gehö­ren zur Phi­lo­so­phie der Fami­lie Frei­ler in Krum­bach. Auch dem Leben in der Groß­fa­mi­lie, von der Uroma bis zum Enkel, kön­nen sie etwas abge­win­nen. Etwas, das heu­te sel­ten gewor­den ist.

Am Bio­hof Frei­ler ist so gut wie nie „Not am Man­ne“. Denn der rie­si­ge Vier­kan­t­hof, den die Urgroß­el­tern von 1957 bis 1960 erbau­ten, bie­tet genug Platz für vier Genera­tio­nen, jede in ihrer eige­nen Wohneinheit.

„Die Genera­tio­nen kön­nen von­ein­an­der nur pro­fi­tie­ren“, ist sich Jung­bäue­rin Cor­ne­lia Frei­ler sicher. „Es ist immer wer da, wenn die Kin­der von der Schu­le heim­kom­men und ich etwas Drin­gen­des zu erle­di­gen habe. Umge­kehrt, wenn die ‚Urlis‘ was brau­chen, sind wir für sie da.“ Bio­bau­er Chris­toph Frei­ler ist sich sicher: „Die Kin­der ler­nen sozia­le Kom­pe­tenz, das ist ganz wich­tig für ihr spä­te­res Leben.“

So kocht die über Acht­zig­jäh­ri­ge noch für die gan­ze Fami­lie, am Wochen­en­de wech­seln sich die Oma und die Jung­bäue­rin ab. Auch den Küchen­gar­ten bewirt­schaf­tet die Uroma noch selbst, mit Hil­fe der Uren­kel. Cor­ne­lia Frei­ler bäckt das Brot für die gan­ze Fami­lie, die Oma stellt manch­mal Top­fen und Joghurt aus der eige­nen Milch her.

Selbst­ver­sor­ger

Die Fami­lie wirt­schaf­tet im Voll­erwerb. „Wir betrei­ben Milch­wirt­schaft mit 32 Milch­kü­hen und sind Mit­glied bei der ‚nahgenuss‘-Plattform. Hier kön­nen alle Mit­glie­der ihre Pro­duk­te prä­sen­tie­ren“, so Chris­toph Frei­ler. „Wir schlach­ten zum Bei­spiel ein Schwein nur dann, wenn alle vier Vier­tel ver­kauft sind.“ Die Phi­lo­so­phie dahin­ter: „Die Men­schen sol­len sich wie­der dar­auf besin­nen, dass alle Tei­le eines Tie­res genieß­bar sind. Man muss sie nur rich­tig zube­rei­ten. Dann muss man nicht so vie­le Tie­re schlach­ten. Es gibt ört­li­che Betrie­be, die hier eine Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men. Sie kau­fen das gan­ze Tier und ver­ar­bei­ten es selbst“, freut sich der Jung­bau­er. Auch beim Rind wird der Ver­kauf so gehand­habt. Dass das Schlach­ten bei einem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb zum All­tag gehört, liegt in der Natur der Sache. Alle Tie­re, egal ob Schwein, Kuh oder Huhn, haben aber trotz­dem einen Namen. „Denn jedes Tier soll als Lebe­we­sen und Indi­vi­du­um geach­tet und geschätzt wer­den“, so Freiler.

Bio­fut­ter selbst erzeugt

Das Fut­ter für die Tie­re stammt aus eige­nem Anbau, es gibt einen offe­nen Stall, die Tie­re kön­nen das gan­ze Jahr über ins Freie. Das Paar hat 2015 eine Heu­trock­nungs­an­la­ge gebaut. „Noch füt­tern wir auch Sila­ge, aber wir wol­len hin zur Heu­milch“, so Frei­ler über eines ihrer Zie­le. „Lang­fris­tig ver­su­chen wir auch Pute, Huhn und Fisch anzu­bie­ten. Aber da star­ten wir erst ein­mal ein Pilot­pro­jekt für den Eigenbedarf.“

Die Fami­lie ist also qua­si Selbst­ver­sor­ger, denn auch Apfel‑, Johan­nis- und Hol­ler­saft sowie Mar­me­la­den stellt die Fami­lie selbst her. Und so wird auch sicher­ge­stellt, dass nie­mals Lan­ge­wei­le in der Groß­fa­mi­lie aufkommt.